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Wenn es am Schweizer Aktienmarkt so etwas wie eine Aktie der Stunde gibt, dann jene von Leonteq. Anleger müssen heute mehr als doppelt so tief in die Tasche greifen als noch zu Jahresbeginn. Seit Tagen schon kratzt die Aktie an ihren bisherigen Rekordständen von Anfang Juli bei 227 Franken.

Dennoch rechnet der für die MainFirst Bank tätige Experte noch einmal mit substanziell höheren Kursen. Und er steht damit bei weitem nicht alleine da.

Mit DBS habe der Anbieter von strukturierten Produkten den grössten Partner in der Firmengeschichte an Bord geholt. Die Bilanzsumme von DBS sei beinahe doppelt so hoch wie die des bisher grössten Partners Raiffeisen. Das zusätzliche Produktvolumen aus der Partnerschaft beziffert der Experte auf 6 bis 9 Milliarden Franken.

Darauf abgestützt erhöht er seine Gewinnschätzungen für die nächsten fünf Jahre um bis zu 23 Prozent. An seiner "Outperform" lautenden Kaufempfehlung und am Kursziel von 320 Franken hält man bei der MainFirst Bank hingegen unverändert fest. Dennoch lässt sich davon ein rechnerisches Aufwärtspotential von 45 Prozent ableiten, obschon sich die Aktien seit dem Börsengang im Winter 2012 verfünffacht haben.

Der Experte rechnet bei Leonteq mittelfristig mit weiteren Partnerschaften und einem jährlichen Wachstum des Gewinns je Aktie von rund 40 Prozent. Deshalb erachtet er ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 auf Basis seiner weit über den Konsensschätzungen liegenden Prognosen als gerechtfertigt.

Die ehemalige Tochtergesellschaft von EFG International hat in den Jahren ihrer Selbständigkeit vieles richtig gemacht. Mit neuen Partnerschaften über die Technologie- und Produkteplattform liessen sich gewaltige Skaleneffekte erzielen.

Bisherige Entwicklungen in die Zukunft zu extrapolieren, liegt zwar in der Natur des Menschen. An den Finanzmärkten birgt eine solche Extrapolation allerdings Gefahren. Und eine exponentielle Entwicklung wie die beim Aktienkurs von Leonteq zu beobachtende erst recht.

Werden mir euphorische Unternehmensstudien wie jene der MainFirst Bank zu Leonteq zugehalten, beginnen bei mir die Warnlichter zu leuchten. Denn solche Studien erinnern mich an die Technologie-Blase von Ende der Neunzigerjahre – womit sich der Kreis hinsichtlich meiner für die Aktienmärkte vorsichtigen Haltung schliesst.

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Es sah schon nach der Traumhochzeit des Jahres aus: Doch in letzter Minute wurde Sulzer von Dresser-Rand zugunsten des finanzkräftigeren deutschen Mischkonzern Siemens vor dem Traualtar stehen gelassen.

Seither herrscht am Hauptsitz des Winterthurer Traditionsunternehmens bedrückendes Schweigen, die kurze und knappe Veröffentlichung des Bestellungseingangs von Mitte Oktober ausgeklammert.

In den Wirtschaftsmedien wird nun auf einen strategischen Befreiungsschlag in Form einer Grossübernahme spekuliert. Nur mit einer solchen könne Sulzer einen mehrere Jahre dauernden Umsatzrückgang noch abwenden, so heisst es.

Interessantes entnehme ich einem Kommentar aus dem Hause Baader Helvea. Darin schreibt der viel beachtete Verfasser, er würde es begrüssen, wenn das Unternehmen zuerst die in Angriff genommenen Aufräumarbeiten abschlösse.

Weiteren Handlungsbedarf macht der Experte auch beim Firmenportfolio aus, konkret beim im Juli 2011 mit der Übernahme von Cardo Flow erworbenen Geschäft mit Abwasserpumpen. Nicht nur, dass dieses damals massiv überzahlt worden sei, Cardo Flow respektive das Abwasserpumpengeschäft sei auch massgeblich an den Ergebnisenttäuschungen der letzten Jahre beteiligt gewesen.

Erst nach all diesen Aufräumarbeiten sei Sulzer wieder bereit für grössere Firmenübernahmen, so der Verfasser des Kommentars. Bis dahin stuft er die Aktien des Industriekonzerns nur mit "Hold" und einem Kursziel von 105 Franken ein.

Cardo Flow ist nur ein Kapitel der wenig ruhmreichen Übernahmetätigkeit von Sulzer. Bleibt aus Aktionärssicht zu hoffen, dass sich die Fehler  vergangener Jahre unter dem neu verpflichteten Finanzchef nicht wiederholen.

Bei Baader Helvea hat dieser vor wenigen Wochen anlässlich eines Treffens jedenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der neue Finanzchef werde bei den Anlegern gut ankommen, so schrieb der verantwortliche Experte damals.

Was die Umsetzung der in der Vergangenheit eingeleiteten Unternehmenstransformation und eine mögliche Bereinigung des Firmenportfolios anbetrifft, wird den Aktionären allerdings weiterhin Geduld und gute Nerven abverlangt. Ein gewinnverdichtendes Aktienrückkaufprogramm würde das Warten zumindest etwas versüssen.