Gewagte Wette auf den Investorentag der Credit Suisse

Die Citigroup mit einer aggressiven Kaufempfehlung für die Aktien der Credit Suisse - UBS findet bei Lindt & Sprüngli einen Nachahmer - Und: Zwei Grossinvestoren nehmen bei Finanzwerten aus der Schweiz Geld vom Tisch.
02.12.2016 12:30
cash Insider
Gewagte Wette auf den Investorentag der Credit Suisse
Bild: fotolia.com

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Die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionäre der Credit Suisse dürfen fürs erste aufatmen: Die noch im Frühsommer an der Börse herumgereichten Schreckensszenarien erweisen sich immer mehr als Hirngespinst skrupelloser Leerverkäufer (siehe Kolumne vom 12. Juli). Stummer Zeuge ist der mittlerweile wieder gut 40 Prozent über den langjährigen Tiefstständen liegende Aktienkurs.

Anders als viele seiner Berufskollegen hielt der für die Citigroup tätige Analyst stets an seiner Empfehlung fest. Er rät seiner Kundschaft schon eine gefühlte Ewigkeit zum Kauf der Papiere. Im Hinblick auf den Investorentag vom kommenden Mittwoch tut der Experte dies neuerdings mit einem Kursziel von 18,20 (16,50) Franken und macht günstige Einstiegsgelegenheiten aus.

Kursentwicklung der CS-Aktien (rot) im Vergleich mit dem SPI (grün); Quelle: www.cash.ch

Neben konkreten Massnahmen zur Senkung der Kostenbasis und zur weiteren Stärkung der Eigenkapitalbasis erhofft man sich bei der amerikanischen Investmentbank auch neue Ertragsziele. Die vor einem Jahr als Richtgrösse angegebene Bandbreite eines Vorsteuergewinns von 9 bis 10 Milliarden Franken bis Ende 2018 war bereits nach wenigen Monaten nicht mehr realistisch. Am nächsten Mittwoch erwartet der Citigroup-Analyst nun einen Zielwert für den Vorsteuergewinn von 7 Milliarden Franken, was ziemlich ambitiös daherkommt. Schliesslich liegen die diesbezüglichen Konsensschätzungen für 2018 gerade mal bei 4,4 Milliarden Franken.

Sich ambitiöse neue Mittelfristziele zu setzen, gehört bei börsenkotierten Grosskonzernen aus der Schweiz inzwischen zum guten Ton - sei es nun um die eigenen Mitarbeiter anzuspornen oder aber den eigenen Aktien frische Impulse zu verleihen.

Gerade der Credit Suisse mit ihrer unrühmlichen Vergangenheit dürften auf Worte allerdings zuerst auch Taten abverlangt werden. Schon zu oft hiess es bei der Schweizer Grossbank in Anlehnung an den verstorbenen Konrad Adenauer: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.

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Vor wenigen Tagen beging der für die UBS tätige Analyst bei Lindt & Sprüngli einen Tabubruch. Als einer der ersten Vertreter seiner Berufsgruppe unterzog er das Kursziel zum ersten Mal seit Jahren einer Kürzung. Auf einen Anlagehorizont von zwölf Monaten traut er den mit "Neutral" eingestuften Namenaktien des Traditionsunternehmens aus Zürich gerade mal einen Anstieg auf noch 62'500 (72'000) Franken zu (siehe Kolumne vom 30. November).

Zu diesem Zeitpunkt war dem Experten womöglich nicht bewusst, dass er mit seiner Reduktion seiner langfristigen Wachstums- und Margenprognosen den Damm zum Brechen bringen könnte.

Kursentwicklung der Namenaktien von Lindt & Sprüngli in den letzten Tagen; Quelle: www.cash.ch

Denn heute überarbeitet auch der Kollege von Goldman Sachs das Bewertungsmodell für den Hersteller von Premiumschokolade mit dem Rotstift. Dadurch fällt das 12-Monats-Kursziel auf 61'000 (71'300) Franken. Allerdings gibt es weitere Parallelen. Auch er befürchtet eine Wachstumsabkühlung und Margendruck, weshalb er die Valoren ebenfalls nur mit "Neutral" einstuft.

Lindt & Sprüngli zeigt, dass die Börse auch bei über Jahre hinweg erfolgreichen Unternehmen keine Einbahnstrasse ist und selbst frenetisch gefeierte Überflieger irgendwann wieder den Gesetzen der Erdanziehung unterliegen.

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Wer denkt, dass die hiesigen Marktakteure in der Schweiz das Sagen haben, der irrt. So desillusionierend es auch sein mag: Der Schweizer Aktienmarkt ist fest in der Hand mächtiger ausländischer Grossinvestoren.

Wie Offenlegungsmeldungen an die Schweizer Börsenbetreiberin SIX zu entnehmen ist, wird vermehrt bei hiesigen Finanzwerten Kasse gemacht.

Blackrock hält nicht mehr länger 4,79 sondern neu 3,41 Prozent am Fondsanbieter GAM, 2,92 Prozent in den Namenaktien. Die Differenz entfällt auf Derivate. Vermutlich steht diese Beteiligungsreduktion im Zusammenhang mit dem Ausscheiden der Titel aus dem viel beachteten Stoxx Europe 600 Index per Mitte Dezember.

Bei Julius Bär scheint hingegen Harris Associates Geld vom Tisch genommen zu haben. Neu hält er 4,95 Prozent der Stimmen nach zuvor 5,33 Prozent.

Der bekannte amerikanische Substanzinvestor ist neben Julius Bär an weiteren Schweizer Banken beteiligt, unter anderem an EFG International und der Credit Suisse.
 

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