Goldman Sachs: Aktiennachfrage wird nachlassen

Goldman Sachs, die wohl mächtigste Bank der Welt, erwartet eine geringere Aktiennachfrage - Und: Floss bei LafargeHolcim tatsächlich Geld an die Terror-Miliz «Islamischer Staat»?
22.06.2016 12:30
cash Insider
Goldman Sachs: Aktiennachfrage wird nachlassen
Bild: fotolia.com

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Der amerikanischen Leitbörse werden bis Ende Jahr unter dem Strich 225 Milliarden Dollar zufliessen, so lautete einst die gewagte Prognose von Goldman Sachs. Davon will die wohl mächtigste, weil bestens vernetzte Investmentbank der Welt nichts mehr wissen. Neu geht sie nur noch von einem Nettomittelzufluss von 125 Milliarden Dollar aus.

Das entspricht in etwa dem Betrag aus dem vergangenen Jahr, welches der breit gefasste S&P-500-Index mit einem leichten Minus beendete. Den börsengehandelten Fonds trauen die Strategen von Goldman Sachs Aktienkäufe im Umfang von 125 Milliarden Dollar zu. Weil ein Teil davon zu Lasten der regulären Aktienfonds geht, müssen diese hingegen Aktienbestände im Gegenwert von 25 Milliarden Dollar zu Geld machen.

Die grösste Aktiennachfrage kommt - wie könnte es auch anders sein - von den amerikanischen Unternehmen selber. Bankeigenen Schätzungen zufolge werden sie in diesem Jahr unter dem Strich für die astronomisch hohe Summe von 450 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen. Noch nicht darin enthalten sind Übernahmen und Zusammenschlüsse.

Nach den ersten drei Monaten ziehen die Strategen allerdings eine ziemlich ernüchternde Bilanz. Insgesamt wurden 7 Milliarden Dollar aus dem amerikanischen Aktienmarkt abgezogen.

Wie lange die amerikanischen Unternehmen ihre teils fremdfinanzierten Aktienrückkaufprogramme noch fortsetzen können, darüber lässt sich bloss spekulieren. Zumindest was die Neuverschuldung anbetrifft, erschleicht mich jedenfalls ein ungutes Gefühl (siehe Kolumne vom 1. Juni).

Die Gefahr, dass der Schweizer Aktienmarkt für einen Rückschlag an der Leitbörse in New York in Sippenhaft genommen wird, schwebt wie ein Damoklesschwert über unserer Börse (siehe Kolumne vom 20. Juni).

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Das dürften sich die Aktionäre von Holcim rückblickend anders vorgestellt haben, als vor gut zwei Jahren erste Informationsbruchstücke rund um den geplanten Zusammenschluss mit der französischen Lafarge an die Öffentlichkeit durchsickerten. An der Börse wird der dadurch entstandene Weltmarktführer LafargeHolcim heute so hoch bewertet wie einst Holcim alleine.

Zumindest was die Börsenkapitalisierung anbetreffe, sei aus zwei Unternehmen eines geworden, so heisst es im hiesigen Handel mit Augenzwinkern. Wer den Schaden hat, braucht für den Hohn bekanntermassen nicht zu sorgen.

Der hohe Ergebnisbeitrag aus den Schwellenländern, einst ein gefeiertes Attribut bei Holcim, ist durch den Zusammenschluss mit Lafarge sogar noch grösser geworden. Blöd nur, haben viele dieser Länder nach dem ungebändigten Wachstum der letzten Jahre mit strukturellen Ungleichgewichten zu kämpfen. Diese wiederum drücken auf den Zementabsatz.

Auch bei den erhofften Synergien und den ihnen von den Wettbewerbsbehörden auferlegten Bereichsverkäufen tun sich die Firmenlenker schwer. Käufer gibt es dem Vernehmen nach genug, nur sind diese nicht bereit, den erhofften Preis zu bezahlen.

Es reicht nicht, dass den ehemaligen Holcim-Aktionären das Glück des Tüchtigen abhanden gekommen ist. Neu kommt auch noch Pech hinzu.

Denn wie Nachforschungen von "Le Monde" ergeben haben, soll bei der französischen Braut in den Jahren 2013 und 2014 in Syrien Geld an den "Islamischen Staat" geflossen sein. Auch von Anhaltspunkten für Ölgeschäfte mit der Terror-Miliz will die Tageszeitung erfahren haben. Über die Details schweigt sich "Le Monde" allerdings aus.

Abgesehen vom Imageschaden drohen LafargeHolcim im ungünstigsten Fall sogar finanzielle Konsequenzen, sollten sich diese Vorwürfe erhärten. Unwissenheit - wie das Unternehmen selber heute in einer öffentlichen Stellungnahme schreibt (siehe heutigen Artikel) - schützt bekanntlich vor Schaden nicht. Und die amerikanischen Behörden sind geradezu berüchtigt dafür, bei jeder sich bietenden Gelegenheit hohe Bussen gegen ausländische Unternehmen zu verhängen. Das Nachsehen hätten einmal mehr die Aktionäre. Es fragt sich, ob Holcim seinerzeit überhaupt eine Due Dilligence Prüfung bei den Franzosen durchgeführt hat.
 

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