Goldman Sachs setzt 2014 neu auf Bankaktien

Nach der UBS setzt neu auch Goldman Sachs für 2014 auf europäische Bankaktien – Sektorumstufung belastet die Aktien von Syngenta – Und: Analyst warnt bei Novartis vor einer Umsatzlücke in Milliardenhöhe.
22.11.2013 12:30
cash Insider
Goldman Sachs setzt 2014 neu auf Bankaktien

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Auch wenn der jüngste Kursrückschlag etwas anderes vermuten lässt: Die europäischen Bankaktien gehören zu den Aktien der Stunde. Nach der UBS erwärmt sich nun auch Goldman Sachs für die Branche.

Im Ausblick auf das Börsenjahr 2014 stuft die mächtige amerikanische Investmentbank den europäischen Bankensektor von «Neutral» auf «Overweight» hoch.

Nach der stark unterdurchschnittlichen Entwicklung der letzten Jahre werde die Branche zu neuer Stärke finden, so sind sich die Strategen von Goldman Sachs einig. Auf Basis der Konsensschätzungen sei der Bewertungsabschlag zum breiten Markt seit dem Spätsommer letzten Jahres zwar auf 20 Prozent geschmolzen. Dies entspreche auch gleich dem Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre. Was die regulatorischen Rahmenbedingungen anbetreffe, lichte sich der Nebel auf politischer Ebene allerdings immer mehr. In Kombination mit den intakten mittelfristigen Aussichten berge die Branche weiteres Aufwärtspotenzial.

Schon die von der UBS für die europäischen Bankaktien angeführten Kaufargumente überzeugten mich nicht vollends. Dasselbe gilt nun auch für die von Goldman Sachs, die sich übrigens weitestgehend mit jenen der Schweizer Grossbank decken.

Die Aussichten im Investment Banking haben sich im zurückliegenden dritten Quartal spürbar eingetrübt und seither nicht wieder erholt. Ausserdem sitzen die europäischen Banken noch immer auf faulen Krediten in Rekordhöhe. Durch das entschiedene Eingreifen der Europäischen Zentralbank ist die Situation zwar stabil, mehr aber auch nicht. Dass sich die Bewertung im Vergleich zum breiten Markt auf dem Durchschnitt der letzten 15 Jahre bewegt, heisst, dass Aufwärtsrevisionen bei den Konsensschätzungen notwendig sind, um eine weitere Neubewertung und -beurteilung loszutreten. Und das Umfeld spricht vorerst nicht für höhere, sondern viel eher für rückläufige Schätzungen.

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Auch die Namenaktien von Syngenta bekommen die neuen Branchenpräferenzen von Goldman Sachs zu spüren. Seit gestern Nachmittag stehen die Papiere des Basler Agrarchemieherstellers nach einer Rückstufung des europäischen Chemiesektors von «Neutral» auf «Underweight» unter Abgabedruck.

Und obschon Goldman Sachs die Aktien von Syngenta auf einen Horizont von 12 Monaten bei 480 Franken sehen und deshalb auf der viel beachteten «Conviction Buy List» führen, berichten mir Händler noch immer von Verkäufen aus dem angelsächsischen Raum. Vermutlich steckt sogar die mächtige amerikanische Investmentbank selber hinter diesen Aufträgen.

Die europäische Chemieindustrie habe in den letzten Jahren im grossen Stil vom Aufschwung in China profitiert. Die Nachfrage aus dem Reich der Mitte verlangsame sich nun allerdings, so die verantwortlichen Strategen. Anhaltspunkte dafür sehen sie in der Absatzentwicklung von BASF. Das Wachstum in Asien habe sich beim deutschen Chemiehersteller über die letzten Jahre in den tiefen einstelligen Prozentbereich abgeschwächt. In anderen Weltregionen wie Europa fehle den Anbietern hingegen die Preisgestaltungsmacht.

Inwiefern das auch auf Syngenta zutrifft, sagt Goldman Sachs allerdings nicht. Dennoch scheinen die Amerikaner bei den ach so gelobten Aktien der Basler zumindest in diesen Tagen keinen Unterschied zu machen.

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Heute Nachmittag hält Novartis in London den diesjährigen Investorentag ab. Die bereits im Vorfeld veröffentlichte Pressemitteilung lässt vermuten, dass die Basler nicht allen Forderungen aus dem Aktionariat nachkommen werden.

Das angekündigte Aktienrückkaufprogramm im Gegenwert von 5 Milliarden Dollar über die nächsten zwei Jahre und die bei den Entwicklungsprojekten erzielten Fortschritte werden am Markt dennoch positiv beurteilt und mit Kursavancen belohnt.

Novartis zeigt sich zuversichtlich, den Absatz von Krebsmedikamenten in den kommenden fünf Jahren jedes Jahr zu steigern. Und das obschon mit Glivec ein Präparat mit einem Jahresumsatz in Milliardenhöhe vom Patentablauf betroffen ist.

Genau dort setzt der für Barclays Capital tätige Experte in einem im Hinblick auf den heutigen Investorentag verfassten Kommentar an. Novartis müsse im Laufe des Nachmittags glaubwürdig erklären können, wie man den Patentabläufen entgegenwirken wolle. Denn der Experte rechnet erst in den Jahren nach 2016 mit einem ausreichenden Ergebnisbeitrag der jungen Medikamente. Bis dahin macht er eine Umsatzlücke von rund 3 Milliarden Dollar aus, was auch Folgen für die zukünftige Margenentwicklung habe.

Die Aktien von Novartis werden bei Barclays Capital deshalb weiterhin mit «Underweight» und einem Kursziel von 62 Franken zum Verkauf empfohlen. Vom Kursziel lässt sich ein Abwärtspotenzial von nicht weniger als 15 Prozent ableiten.

Nicht nur ich dürfte mir vom heutigen Investorentag mehr erhofft haben. Hinweise auf weitere Bereichsverkäufe nach dem Vorbild des Blutdiagnostikgeschäfts sucht man in der Pressemitteilung vergebens. Und auch in Bezug auf eine Beschleunigung bei den Produkteinlizenzierungen wollen sich die Basler nicht so recht in die Karten blicken lassen. Solche Produkteinlizenzierungen sind dringend notwendig, um die Patentklippe elegant umschiffen zu können.