Grossaktionär kehrt Credit Suisse den Rücken

Ein bekannter Substanzinvestor reduziert sein Credit-Suisse-Paket - Fallen die Inhaberaktien der Swatch Group auf 67 Franken? - Und: Grossaktionär KKR dürfte sich bei Galenica von weiteren Aktien trennen.
05.08.2016 12:30
cash Insider
Grossaktionär kehrt Credit Suisse den Rücken
Bild: fotolia.com

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Wenn ein langjähriger Grossaktionär das Handtuch wirft, sollte das die Firmenlenker nachdenklich stimmen. Allerdings bin ich mir dessen bei Tidjane Thiam nicht so sicher.

Mehr als einmal zauberte der Chef der Credit Suisse in den vergangenen Monaten einen Schuldigen für die hausgemachten Probleme aus seinem Zylinder. Für den milliardenschweren Goodwill-Abschreiber für Donaldson, Lufkin & Jenrette machte er seine Vorgänger verantwortlich, für die Verluste im Investment Banking die dortigen Mitarbeiter, und selbst die geldgierigen Leerverkäufer an der Börse in New York mussten ihren Kopf hinhalten - für die schwache Aktienkursentwicklung, versteht sich.

Über die genauen Beweggründe für die Beteiligungsreduktion durch den bekannten amerikanischen Substanzinvestor Franklin Resources lässt sich bloss spekulieren. Fakt ist: Der langjährige Grossaktionär unterschritt just an dem Tag den meldepflichtigen Schwellenwert von 3 Prozent, an dem die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken mit ihrem Zahlenkranz für das zweite Quartal aufwartete. In der Spitze hielt der Grossaktionär aus Übersee sogar mehr als 5 Prozent aller ausstehenden Aktien.

Gut möglich, dass sich Franklin Resources seither von weiteren Teilen des Aktienpakets getrennt hat. Schliesslich bewegen sich die Amerikaner seit der gestern bei der Schweizer Börse SIX eingetroffenen Offenlegungsmeldung unter dem Radar der Öffentlichkeit.

Gestern verhinderten Spekulationen rund um eine ominöse kurzfristige Kaufempfehlung aus London für die Aktien von UBS und Credit Suisse Schlimmeres. Nachforschungen meinerseits haben jedoch ergeben, dass die mächtige amerikanische Investmentbank Goldman Sachs nicht zum Einstieg in die Aktien, sondern in die Anleihen der beiden Schweizer Grossbanken rät.

Auch wenn es Tidjane Thiam nicht gerne hören wird, ist seine Arbeitgeberin selbst ein gutes Jahr nach seinem Amtsantritt noch immer eine riesige Baustelle. Wie die substanzielle Beteiligungsreduktion durch Franklin Resources zeigt, lassen sich die Aktionäre mit "milliardenschweren Vermögenszuflüssen um jeden Preis" alleine nicht versöhnlich stimmen.

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Schon seit Tagen liefern sich die hiesigen Marktakteure in den Inhaberaktien der Swatch Group einen erbitterten Schlagabtausch mit ausländischen Leerverkäufern, so lasse ich mir sagen.

Nur wenige Franken trennen die Papiere des in Neuenburg beheimateten Luxusgüterkonzerns von ihren Mehrjahrestiefstkursen vom Montag. Und darf man der für die australische Investmentbank Macquarie tätigen Analystin Glauben schenken, dann haben wir die Tiefstkurse noch nicht gesehen.

In einer Studie zu den beiden grossen Schweizer Uhrenherstellern streicht sie ihre Gewinnschätzungen für die Swatch Group um durchschnittlich 28 Prozent zusammen. Dadurch fällt das optisch sonst schon tiefe Kursziel der mit "Underperform" zum Verkauf empfohlenen Inhaberaktien auf 200 (250) Franken zurück.

Selbst unter Berücksichtigung einer Gewinnverdichtung durch weitere Aktienrückkäufe liegen die neuen Schätzungen um bis zu 11 Prozent unter den jeweiligen Konsenserwartungen anderer Banken.

Für Wasser auf die Mühlen ausländischer Leerverkäufer sorgt die Analystin aber vor allem mit ihren Annahmen, sollte die operative Marge (EBIT) unter 10 Prozent verharren und im kommenden Jahr sogar auf 3 Prozent fallen. In diesem Fall errechnet sie nämlich einen fairen Wert von gerade mal 67 Franken - wohlverstanden für die Inhaber- und nicht etwa für die Namenaktien. Das entspräche aus heutiger Sicht einem Kurseinbruch um fast 75 Prozent.

Bleibt aus Sicht der nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionäre zu hoffen, dass die genannten 67 Franken nur eines bleiben: frommes Wunschdenken der ausländischen Leerverkäufer.

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Am kommenden Dienstag wird Galenica über die Geschäftsentwicklung der ersten sechs Monate berichten. Selbst negativ gestimmte Analysten wie jener von Kepler Cheuvreux rechnen mit einem ordentlichen Zahlenkranz.

Allerdings droht dem Berner Gesundheitskonzern von einer ganz anderen Seite her Ungemach, läuft nächsten Donnerstag doch die dreimonatige Sperrfrist auf dem von Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Stefano Pessina gehaltenen Aktienpaket ab.

Bereits im Mai trennte sich die Aktionärsgruppe von einem Fünftel ihrer damaligen 25-Prozent-Beteiligung. Dennoch werden ihr noch immer Verkaufsabsichten nachgesagt, wollte sie sich ursprünglich doch von doppelt so vielen Aktien trennen - was der Markt zu diesem Zeitpunkt jedoch schlichtweg nicht zu absorbieren im Stande war.

Kommt dazu, dass die milliardenschwere Übernahmeofferte von Galenica für Relypsa nicht bei allen Aktionären gleichermassen gut ankommt. Einer Offenlegungsmeldung der Amerikaner an die Börsenaufsicht SEC ist jedenfalls zu entnehmen, dass ein ominöser zweiter Interessent seine Finger im Spiel hat. Diese Vermutung wird durch umfangreiche Derivatwetten an der New Yorker Börse untermauert.

Auch wenn eine erneute Beteiligungsreduktion - anders als vor drei Monaten - nicht mehr ganz so überraschend käme: völlig ohne wäre sie sicher nicht für die Aktien von Galenica.

 

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