Grossbank HSBC - Meyer Burger: Der Verkäufer hat einen Namen

Ein Kunde der britischen Grossbank HSBC verdient sich mit einer Wette auf Meyer Burger eine goldene Nase - Und: Wird beim Backwarenhersteller Aryzta eine Kapitalerhöhung doch noch zum Thema?
31.01.2018 12:30
cash Insider
Meyer Burger: Der Verkäufer hat einen Namen
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Was wurde in den letzten Wochen nicht alles über Meyer Burger berichtet: Das Solarzulieferunternehmen aus dem bernischen Gwatt werde Panasonic als Technologiepartner des Elektroautomobil-Pioniers Tesla ablösen, so war in deutschen Börsenbriefen zu lesen (siehe "Geheimnisumwitterte Käufe aus Deutschland lassen den Damm bei Meyer Burger brechen" vom 4. Januar).

Im Zuge von Spekulationen rund um eine strategische Beteiligungsnahme wenn nicht gar eine vollständige Übernahme durch die Amerikaner, schossen die Aktien von Meyer Burger in der Spitze bis auf 2,25 Franken hoch - zusätzlich angestachelt von abenteuerlichen Berichten eines angeblichen Firmenverkaufs nach China (siehe "Wird Meyer Burger nach China verkauft vom 19. Januar").

Wer auf Basis der herumgereichten Spekulationen den Kaufempfehlungen der Börsenbriefe Folge leistete, sitzt schon nach kurzer Zeit auf Kursverlusten von 12 oder mehr Prozent - auf noch höheren, wer die Empfehlung mit Call-Warrants umsetzte.

Einen Gefallen dürften die deutschen Börsenbriefe einem Fonds-Kunden der britischen HSBC getan haben. Mitte Oktober mit 3,15 Prozent bei Meyer Burger eingestiegen (siehe "Britische Grossbank HSBC steigt bei Meyer Burger ein" vom 12. Oktober), fiel dessen Stimmenanteil vor etwas mehr als einer Woche wieder unter 3 Prozent. Das zumindest lässt sich einer bei der Schweizer Börse SIX eingegangenen Offenlegungsmeldung entnehmen, ergänzt durch Informationen der Grossbank selbst.

Der Verkäufer von Meyer-Burger-Aktien der letzten zwei Wochen hat endlich einen Namen. (Quelle: www.cash.ch)

Am Tag des Einstiegs wies das besagte Aktienpaket einen Wert von 22,5 Millionen Franken auf. Im hiesigen Handel munkelt man, dass die an der Bilanzsumme gemessen drittgrösste Bank der Welt jüngst für einen ihrer Kunden als Verkäuferin in Erscheinung getreten sei und für diesen insgesamt mehr als 35 Millionen Franken gelöst haben könnte.

Mit anderen Worten: Der HSBC-Kunde kann bei Meyer Burger auf ein kurzes, aber ziemlich einträgliches Gastspiel zurückblicken. Das Nachsehen haben - wie so oft - kleinere Privatanleger, die sich von wilden Spekulationen zu Abenteuern verleiten lassen.

Bleibt bloss zu hoffen, dass sich der scharfe Rücksetzer der letzten Tage als das reinigende Gewitter nach der Spekulationswelle erweist...

+++

Noch bis vor wenigen Tagen schien die Welt für die Aktionäre von Aryzta einigermassen in Ordnung. Der als profunder Branchenkenner geltende Verwaltungsratspräsident Gary McGann und der eben erst zum Backwarenhersteller gestossene Kevin Toland würden das Unternehmen rasch wieder auf Kurs bringen, so lautete der Tenor.

Allerdings zeigt die genauso überraschende wie einschneidende Gewinnwarnung vom Donnerstagmorgen: Mit raschen Verbesserungen im Tagesgeschäft ist wohl nicht länger zu rechnen.

In welcher Windeseile die neuen Firmenlenker ihre Glaubwürdigkeit verspielt haben, ist bemerkenswert. Ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.

Mit verheerenden Folgen für die Aktionäre: An der Börse ist Aryzta mehr als eine Milliarde Franken weniger wert als noch vor einer Woche. Nur im März des Krisenjahres 2009 waren die Aktien noch günstiger zu haben.

Die in den Kreditverträgen vereinbarten Vorgaben würden eingehalten, so versuchte man am Tag der Gewinnwarnung die Wogen zu glätten. Dass dem Backwarenhersteller gerüchtehalber dennoch eine Kapitalerhöhung zugetraut wird, lässt allerdings tief blicken.

Jäher Absturz der Aktien von Aryzta im 12-Monats-Vergleich. (Quelle: www.cash.ch)

Zu den mehrheitlich hausgemachten Problemen bei der amerikanischen Tochter Cloverhill - sie wurde vor vier Jahren für einen hohen dreistelligen Millionenbetrag teuer erkauft - kommen neuerdings solche in Europa. Das wiederum stellt die Ertragskraft und damit die Werthaltigkeit der betroffenen Geschäftsaktivitäten in Frage.

Gut möglich, dass die Valoren von Aryzta in den letzten Tagen etwas zu sehr unter die Räder gekommen sind. Trotzdem sehe ich frühestens dann Einstiegsgelegenheiten, wenn der Backwarenhersteller in den sauren Apfel einer Kapitalerhöhung beisst.
 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.

Ausgewählte Produkte auf Meyer Burger

Investment-Ideen von Julius Bär