Grossbank krebst zurück und erhöht ihr SMI-Ziel

Der cash Insider berichtet von einer kräftigen Erhöhung des Jahresendziels für den Swiss Market Index durch die britische Barclays - Und: ABB und UBS kommen nicht zur Ruhe.
13.09.2016 12:30
cash Insider
Grossbank krebst zurück und erhöht ihr SMI-Ziel
Bild: fotolia.com

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Gerade mal zwei Wochen ist es her, dass die Strategen von Barclays Capital eindringlich vor einem Kursrückschlag bei Qualitätsaktien wie Nestlé, Roche und Novartis warnten (siehe Kolumne vom 31. August). Um ihrer Warnung den gebührenden Nachdruck zu verleihen, veranschlagten die für die britische Grossbank tätigen Experten damals ein Jahresendziel von 7800 Punkten für den Swiss Market Index (SMI).

In einer heute veröffentlichten Strategiestudie machen die Autoren nun überraschend einen Rückzieher: Neu trauen sie dem hiesigen Börsenbarometer bis Ende Dezember einen Anstieg auf 8700 Punkte zu. Davon lässt sich - wie von den Prognosen für alle anderen europäischen Aktienindizes auch - ein Aufwärtspotenzial von immerhin 6 Prozent ableiten.

Selbst wenn sich die Vertreter der amerikanischen Notenbank nächste Woche doch noch zu einer Leitzinserhöhung durchringen sollten, rechnen die Experten bestenfalls mit einem kurzen und bereinigenden Börsengewitter. Ihre Zuversicht schöpfen die Strategen vor allem aus der vorsichtigen wenn nicht gar negativen Haltung vieler Marktakteure.

Allerdings sollten die Aktionäre von Nestlé, Roche und Novartis jetzt nicht voreilig in Freudentaumel ausbrechen. Was ihre eher düsteren Vorhersagen für europäische Qualitätsaktien anbetrifft, rückt man bei Barclays Capital nämlich keinen Zentimeter davon ab.

Das Jahresendziel für den SMI und die "Overweight" lautende Anlageempfehlung für europäische Pharmawerte lassen erahnen, dass den hiesigen Indexschwergewichten womöglich nicht mehr in diesem Jahr Ungemach droht. So ganz schlüssig scheinen mir die Prognosen der britischen Grossbank dennoch nicht.

Die Vertreter der amerikanischen Notenbank inszenieren in diesen Tagen ihr gewohntes Verwirrspiel. Zuerst schwören die als restriktiv geltenden Kräfte die Märkte auf eine Leitzinserhöhung ein, worauf diese - wie gestern - verschnupft reagieren. Dann melden sich die gemässigteren Vertreter zu Wort und zerstreuen die Ängste wieder. Es macht schon fast den Eindruck, als hätten die Märkte die amerikanische Notenbank genau dort, wo sie diese gerne haben möchten: in ihrer Gewalt.

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Im Hinblick auf den diesjährigen Investorentag machen die Grossaktionäre von ABB kräftig Stimmung. Heute fordert ein Vertreter von Cevian Capital in der schwedischen Presse einmal mehr lauthals eine Abspaltung des Strominfrastrukturgeschäfts. Seine Schlüsselbotschaft: Im Zuge eines Börsengangs dieses Geschäftszweigs sieht der Vertreter die Aktien des in Zürich beheimateten Mutterkonzerns bis gegen 35 Franken klettern.

Interessant ist, dass Cevian Capital mit diesen Berechnungen ziemlich alleine dasteht. Fragt man nämlich andere Aktienanalysten, kommen diese gerade mal auf eine Summe des Werts der einzelnen Unternehmensbereiche von 18 bis 24 Franken je Aktie.

Das laute Säbelrasseln der beiden grössten Aktionäre von ABB lässt zwei Rückschlüsse zu: Zum einen verläuft die strategische Überprüfung des Strominfrastrukturgeschäfts wohl nicht ganz so wie erhofft und zum anderen fehlt den Grossaktionären vermutlich auch der Rückhalt der übrigen Anteilseigner. Denn nur so lässt sich erklären, weshalb Cevian Capital in der Presse mit so abstrus anmutenden Zahlen herumjongliert.

Den Firmenvertretern von ABB bleibt im Hinblick auf den Investorentag von Anfang Oktober wohl nichts anderes übrig, als sich schon Wochen vor dem Wintereinbruch ein dickes Fell zuzulegen.

Ein solches brauchen übrigens auch ihre Kollegen von der UBS. Erst gestern liess der für Barclays Capital tätige Bankenanalyst durchblicken, dass die vor vier Jahren eingeleitete strategische Neuausrichtung ein blosses Lippenbekenntnis sei (siehe gestrige Kolumne).

Nun tritt der Experte von BNP Paribas nach. Er findet zwar ganz offensichtlich Gefallen an der geringen Kapitalbindung des Wealth Management Americas. Allerdings sagt er diesem Geschäftszweig über die nächsten fünf Jahre einen Druck auf die Bruttomarge voraus – was seines Erachtens noch zu wenig Einzug in den Gewinnschätzungen vieler seiner Kollegen findet. Der Analyst hält deshalb sowohl an seiner "Underperform" lautenden Verkaufsempfehlung als auch am Kursziel von gerade mal 11 Franken fest.

Im Frühsommer dieses Jahres wurden Spekulationen wach, wonach sich die UBS vom Wealth Management Americas trennen könnte. Damals erteilte die Schweizer Grossbank diesen allerdings eine klare Absage. Vermutlich auch deshalb, weil ein solcher Befreiungsschlag womöglich ausserordentliche Goodwill-Abschreibungen nach sich ziehen würde (siehe Kolumne vom 21. Juni).

 

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