Grossbank sieht den Euro auf 1 Franken fallen

Die Deutsche Bank sieht den Euro trotz SNB-Interventionen auf die Franken-Parität tauchen - Ein weiterer Aktionär nimmt bei Credit Suisse Geld vom Tisch - Und: Hedgefonds-Milliardär kauft bei Meyer Burger zu.
23.02.2017 12:30
cash Insider
Grossbank sieht den Euro auf 1 Franken fallen
Bild: fotolia.com

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Was immer Thomas Jordan und seine Direktoriumskollegen von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) auch beschliessen: Kritik aus Politik und Wirtschaft ist ihnen sicher.

Als der Mindestkurs gegenüber dem Euro im Januar vor zwei Jahren in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gekappt wurde, geriet die Welt kurzerhand aus den Fugen. So richtig zur Normalität zurückgefunden hat sie bis heute nicht.

Ein Blick in die Bücher der SNB sagt alles, stapeln sich dort mittlerweile doch Fremdwährungsreserven in Höhe der Schweizer Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres. Tendenz steigend, wie die erst vor wenigen Tagen bekannt gewordene Statistik für die Sichtguthaben hiesiger Banken verraten.

Dass die SNB erneut Milliarden von Franken aufwerfen muss, um dessen Erstarken im Zaum zu halten, ist auch den Währungsstrategen aus unserem nördlichen Nachbarland nicht entgangen. Klare Worte findet der für die Deutsche Bank tätige Experte: Seines Erachtens zieht die SNB bei einem Kurs von 1,06 Franken für den Euro eine unsichtbare Linie in den Sand.

Gestern Nachmittag konnte sich die europäische Einheitswährung zwar wieder etwas nach oben lösen. Für seinen Berufskollegen von der Commerzbank lässt sich diese Beobachtung nicht alleine mit dem erholten Euro erklären. Er vermutet, dass die SNB selbst in die gestrige Kursbewegung hinein interveniert hat.

Schon seit Wochen fällt der Euro-Kurs immer wieder in die Nähe von 1,06 Franken; Quelle: www.cash.ch

In einem sind sich die beiden Währungsstrategen übrigens einig: Sie sehen die SNB mit ihren Interventionen an ihre Grenzen stossen.

Aufgrund der zuletzt wieder positiven Schweizer Zahlungsbilanz, milliardenschwerer grenzübergreifender Firmenübernahmen sowie der politischen Unsicherheiten in Europa rechnet man bei der Deutschen Bank mit einem Rückschlag des Euro gegenüber dem Franken auf die Parität von 1:1.

Da hätte die SNB allerdings ein Wort mitzureden, dessen ist man sich bestimmt auch bei den beiden deutschen Grossbanken bewusst. Mir erschliesst sich eh nicht so recht, was es mit der Kritik aus dem nördlichen Nachbarland auf sich hat. Es macht fast ein bisschen den Eindruck, als stünden noch immer Ressentiments im Zusammenhang mit der überraschenden Aufgabe des Mindestkurses gegenüber dem Euro von Mitte Januar 2015 im Raum.

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Nachdem sich erst kürzlich die Capital Group von Aktien der Credit Suisse trennte, nimmt mit Dodge & Cox ein weiterer Grossaktionär bei der Schweizer Grossbank Geld vom Tisch. Neu hält der bekannte Substanzinvestor noch 2,67 Prozent der Stimmen.

Über die Beweggründe für den Rückzug der beiden langjährigen Grossaktionäre ist bisweilen nichts bekannt. Ein Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Jahresergebnisses ist deshalb genauso möglich, wie mit der entbrannten Kontroverse rund um den ursprünglich geplanten Börsengang der Universalbank Schweiz.

Ich persönlich gebe den Versicherungsaktien gegenüber den Bankaktien jedenfalls weiterhin ganz klar den Vorzug - alleine schon aufgrund der wesentlich nachhaltigeren Dividendenpolitik (siehe auch die Kolumne vom 17. Februar).

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Einst von Anlegern gefeiert, fristet Meyer Burger an der Börse schon seit Wochen ein Mauerblümchendasein. Richtungssuchend pendeln die Aktien des Solarzulieferunternehmens aus dem bernischen Gwatt zwischen 0,75 und 0,80 Franken.

Noch im Januar gingen innerhalb kürzester Zeit neue Aufträge im Gesamtwert von rund 65 Millionen Franken bei Meyer Burger ein. Seither ist es allerdings ruhig um das Unternehmen geworden. Folgeaufträge blieben aus.

Zumindest Dan Och scheint sich deswegen keine grauen Haare wachsen zu lassen. Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnommen werden kann, hat der Hedgefonds-Milliardär erstmals wieder zugekauft. Über Derivate kontrolliert er mittlerweile 5,22 Prozent der Stimmen.

Zermürbende Seitwärtsbewegung bei den Meyer-Burger-Aktien; Quelle: www.cash.ch

Rund um die Kapitalerhöhung von Mitte Dezember herum hielt der Mitgründer des seit 2007 in New York gehandelten Hedgefonds Och-Ziff bei Meyer Burger zwischenzeitlich sogar gut 24 Prozent der Stimmen.

Nach der erfolgreichen Bilanzsanierung gilt das Interesse wieder dem Tagesgeschäft. Mit Konzernchef Hans Brändle und Verwaltungsratspräsident Alexander Vogel haben bei Meyer Burger zwei profunde Branchenkenner das Sagen. Jetzt muss sich diese erfolgsversprechende Konstellation bloss in Form neuer Grossaufträge bemerkbar machen...
 

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