Grosse M&A-StudieCredit Suisse nennt nicht alltägliche Übernahmekandidaten

Credit Suisse wartet in einer Grossstudie mit ungewöhnlichen Schweizer Übernahmekandidaten auf - Und: Meyer Burger bringt die Leerverkäufer an den Rand der Verzweiflung.
24.07.2017 12:30
cash Insider
Credit Suisse nennt nicht alltägliche Übernahmekandidaten
Bild: fotolia.com

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Auch in der Schweiz dreht sich das Übernahmekarussell immer schneller. Nach dem Verkauf des Agrarchemiekonzerns Syngenta nach China und der Übernahme des Pharmaherstellers Actelion durch die amerikanische Johnson & Johnson drohen weitere Traditionsunternehmen in ausländische Hände zu fallen.

Wer rechtzeitig auf die richtigen Aktien setzt, dem winken satte Gewinne. Es überrascht deshalb nicht, dass Firmenübernahmen und -zusammenschlüsse auch bei den Aktienstrategen ein vieldiskutiertes Thema sind. Anfang Juli kommunizierten schon Goldman Sachs und Kepler Cheuvreux ihre heissen Schweizer Übernahmekandidaten (siehe Kolumne vom 5. Juli).

Nun legt die Credit Suisse in einer grossen Strategiestudie nach. Anders als ihre Berufskollegen warten die Studienautoren neben den "üblichen Verdächtigen" wie dem Luftfrachtspezialisten Panalpina und dem Sensorenhersteller AMS auch mit nicht alltäglichen möglichen Zielen auf.

Dazu zählen der Laborausrüster Tecan sowie der Dentalimplantatehersteller Straumann. Bei beiden Unternehmen müssen ausländische Mischkonzerne als potenzielle Käuferschaft herhalten - ganz nach dem Vorbild der Übernahme von Nobel Biocare durch Danaher.

Aktien von Straumann (rot) im Vergleich mit jenen von Tecan (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Im Aktionariat von Tecan mache ich zwar eine gewisse Verkaufsbereitschaft aus. Denn schon seit Jahren muss der Laborausrüster die Aktionäre immer wieder vertrösten. Der erhoffte grosse Wurf blieb bisweilen aus.

Anders bei Straumann: Für den Weltmarktführer könnte es kaum besser laufen. Schon seit Jahren reiht sich eine positive Ergebnisüberraschung an die nächste. Das Wachstumstempo ist ebenso beeindruckend, wie die Bewertung mittlerweile stolz ist.

Ein potenzieller Käufer müsste tief in die Tasche greifen, um die Aktionäre des Basler Unternehmens auf seine Seite ziehen zu können. Ob sich mit der Übernahme dann noch Aktionärswerte schaffen liessen, ist sehr unwahrscheinlich.

Ich möchte an dieser Stelle ausserdem noch einmal darauf hinweisen, dass es mitunter Jahre dauern kann, bis immer wieder als Übernahmekandidaten genannte Unternehmen auch wirklich in neue Hände übergehen. Langjährige Aktionäre von Nobel Biocare, Swisslog oder der Gategroup wissen, wovon ich spreche.

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Totgesagte leben länger - und das auch an der Börse. Denn während ich mich mit meiner Familie auf hoher See befand, schossen die Aktien von Meyer Burger vorübergehend auf 1,66 Franken hoch. Erst im Dezember musste sich der Solarzulieferer aus dem bernischen Gwatt einer für die Anteilseigner ziemlich schmerzhaften Bilanzsanierung unterziehen. Wer damals dem schlechten Geld gutes hinterherwarf, wurde in den vergangenen Wochen fürstlich entlöhnt. Alleine seit Mitte Mai errechnet sich ein sattes Kursplus von fast 80 Prozent.

Interessant ist, dass die Finanzpresse mit Ausnahme der Handelszeitung in Bezug auf mögliche Erklärungen für das Kursfeuerwerk völlig im Dunkeln tappte. Von Übernahmespekulationen war zu lesen, genauso wie von Ergebnishoffnungen.

Letztere sind nach den bekanntgewordenen Aufträgen in Millionenhöhe zwar durchaus angebracht. Allerdings liess ein Bericht der amerikanischen Investmentfirma Axiom Capital den Funken auf die Aktien überspringen. Darin griff der Autor die von mir schon Mitte Juni kolportierten Spekulationen auf, wonach der Automobilhersteller Tesla den hiesigen Solarzulieferer als Technologiepartner mit an Bord holen könnte (siehe Kolumne vom 15. Juni).

Die Aktienkursentwicklung von Meyer Burger bringt die Leerverkäufer in arge Bedrängnis (Quelle: www.cash.ch).

Anders als damals dementierten die Amerikaner den Bericht jüngst umgehend - schliesslich will man den bisherigen Partner Panasonic nicht vergraulen. Alleine schon der Name Tesla reichte aus, um den zahlreichen Leerverkäufern die Lust an ihren Wetten gegen Meyer Burger zu verderben.

Wurde Ende Juni dem Beratungsunternehmen Markit zufolge noch mit 18 Prozent der ausstehenden Aktien gegen den Solarzulieferer spekuliert, dürften es mittlerweile deutlich weniger sein.

Wie der heute bekannt gewordene Grossauftrag aus Asien nämlich eindrücklich beweist, hellt sich die Auftragslage von Meyer Burger auch ohne Technologiepartnerschaft mit Tesla weiter auf. Wichtige Anhaltspunkte verspricht die Halbjahresergebnispräsentation vom 16. August. An diesem Tag wird sich zeigen, ob die Vorschusslorbeeren der letzten Wochen gerechtfertigt waren...
 

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