Grosse Pharma-Hochzeit mit Basler Beteiligung?

Der cash Insider weiss von Gerüchten, wonach Roche und Novartis um den Rivalen Bristol-Meyers Squibb buhlen - Und: Ahnte bei Aryzta jemand etwas von der Rochade an der Konzernspitze?
15.02.2017 12:30
cash Insider
Grosse Pharma-Hochzeit mit Basler Beteiligung?
Bild: fotolia.com

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Die Pharmaindustrie wird sinnbildlich gerne mit einem riesigen Haifischbecken verglichen: Fressen oder gefressen werden, so lautet die Devise.

Spätestens der Verkauf von Actelion an Johnson & Johnson lässt erahnen, wie sehr der Konsolidierungsdruck zuletzt gewachsen ist. Dasselbe gilt für die in wochenlangen Diskussionen ausgehandelten Bedingungen. Das Gründerehepaar Jean-Paul und Martine Clozel rang den Amerikanern nicht nur ein Barangebot über 30 Milliarden Dollar, sondern auch eine Abspaltung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in ein eigenständiges Unternehmen ab.

Darf man aus Übersee eintreffenden Gerüchten Glauben schenken, dann steht nun auch der amerikanische Rivale Bristol-Myers Squibb zum Verkauf. Quelle ist angeblich dieselbe, die seinerzeit zuerst Johnson & Johnson als Interessent für Actelion ins Spiel brachte.

Neben Pfizer buhlen auch die beiden finanzkräftigen Basler Pharmakonzerne Roche und Novartis um die Gunst von Bristol-Myers Squibb, so heisst es.

Aktienkursentwicklung von Bristol-Myers Squibb (rot) im Vergleich mit jener von Roche (grün) und Novartis (violett); Quelle: www.cash.ch

Gerade Novartis wird nicht zum ersten Mal ein Interesse am Rivalen nachgesagt, auch wenn dieser mit einem Börsenwert von 90 Milliarden Dollar so gar nicht ins Beuteschema der Basler passen will (siehe Kolumne vom 28. Juli). Der Pharmaanalyst der Citigroup bezeichnete AstraZeneca damals allerdings als die attraktivere Braut.

Bristol-Myers Squibb gilt als Pionier in der Immuntherapie. Novartis wiederum wird schon seit längerer Zeit vorgeworfen, in diesem Teilgebiet der Onkologie den Anschluss an die Konkurrenz verpasst zu haben.

Novartis selber ist durch ein Zusammenschluss der beiden traditionsreichen Basler Pharmakonzerne Sandoz und Ciba Geigy entstanden. Ich kann mich noch gut an das Kursfeuerwerk am Tag des Bekanntwerdens erinnern. Auf den anfänglichen Jubel folgte damals ziemlich rasch Katerstimmung.

Heute würde die Börse womöglich sehr viel besonnener, wenn nicht gar mit Skepsis auf einen Zusammenschluss von Novartis und Bristol-Myers Squibb oder einem anderen grossen Rivalen reagieren.

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Grosses Köpferollen beim Backwarenhersteller Aryzta: Der zuletzt erfolglose Konzernchef Owen Killian tritt auf den Sommer hin zurück. Mit ihm verlassen auch sein Finanzchef Patrick McEniff und John Yamin, der Verantwortliche für Nord- und Südamerika, das Unternehmen.

Nach der genauso überraschenden wie einschneidenden Gewinnwarnung vor drei Wochen hätten die kreditgebenden Banken den neuen Verwaltungsratspräsidenten Gary McGann regelrecht zu diesem personalpolitischen Entscheid genötigt, so wird gemunkelt. Das legt auch die gleichzeitig bekanntgegebene Lockerung der Kreditvorgaben nahe.

Vor allem auf diese Lockerung reagierte die Börse gestern mit Erleichterung. In der Spitze wurden Kurse von bis zu 36 Franken bezahlt - ein Plus von über 20 Prozent.

Interessant sind weniger die Aktivitäten in den Aktien selber als vielmehr jene im Call-Warrant ARYBBZ. Schon am Montag vor einer Woche schrieb ich an dieser Stelle von auffälligen Käufen in diesem Warrant. Damals lag die Vermutung nahe, dass sich ein Finanzinvestor beim Backwarenhersteller einkaufen und für radikale Veränderungen sorgen könnte (siehe Kolumne vom 6. Februar). Allerding gab sich bis heute kein neuer Grossaktionär gegenüber der Schweizer Börse SIX zu erkennen.

Am Dienstag früh machte jemand beim Call-Warrant ARYBBZ gross Kasse; Quelle: www.cash.ch

Dass gestern alleine in der ersten Handelsstunde gut 2 Millionen dieser Call-Warrants zu deutlich höheren Kursen wieder an den Markt gelangten, lässt die Frage zu: Wusste jemand vorzeitig vom personellen Kahlschlag oder gar von der Lockerung der Kreditvorgaben - oder basierten alle diese Derivatkäufe auf einer blossen Vorahnung?
 

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