Grosse Wette gegen den SMI droht zu Scheitern

Es wird eng für eine bekannte Genfer Privatbank und ihre Wette gegen den SMI - Analyst poltert gegen die Zurich Insurance Group - Und: Aufatmen nach dem Ausstieg eines Multimilliardärs bei Actelion.
16.02.2017 14:30
cash Insider
Grosse Wette gegen den SMI droht zu Scheitern
Bild: fotolia.com

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Wenn es um die Verwaltung von Anlagevermögen geht, gilt Pictet & Cie als eine der führenden Adressen in Genf. Auch das Firmenwappen - es zeigt das Gründungsjahr 1805 - verrät: Die Privatbank hat eine traditionsreiche Geschichte.

Vor etwas mehr als zwei Wochen ging ein lautes Raunen durch unser kleines Land, als die Handelsstrategen von Pictet & Cie eine kurzfristige Verkaufsempfehlung für den Swiss Market Index (SMI) mit einem Ziel von 8175 Punkten aussprachen. Das Börsenbarometer notierte damals bei 8325 Zählern und in komfortabler Distanz zur genannten Schmerzgrenze bei 8525 Punkten.

Der stärkere Franken werde den exportabhängigen Schweizer Grossunternehmen zusetzen. Zudem zeichne sich aus charttechnischer Sicht eine Trendumkehr-Formation nach unten ab, so die Begründung der Experten (siehe Kolumne vom 31. Januar).

Dank Spekulationen rund um die beiden Basler Pharmaschwergewichte Roche und Novartis (siehe gestrige Kolumne) und den nicht weniger festen Grossbankaktien von UBS und Credit Suisse kam der SMI den 8525 Punkten in den letzten Tagen gefährlich nahe. Wird diese Schmerzgrenze überschritten, will man bei Pictet & Cie die Reissleine ziehen und die Wette schliessen.

Auch der defensive SMI will nach oben; Quelle: www.cash.ch

In den Handelsräumen in Genf dürften die Nerven trotz dem etwas bremsenden Jahresergebnis von Nestlé blank liegen. Denn obwohl der Westschweizer Nahrungsmittelkonzern die Analystenprognosen im Schlussquartal verfehlt hat, werden die zu beobachtenden Titelverkäufe bisweilen gut absorbiert.

Der Grund: Unter Konzernchef Ulf Mark Schneider - er ist erst wenige Wochen im Amt - sind beim gewichtigsten Unternehmen aus dem SMI grössere strategische Veränderungen zu erwarten.

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In etwas mehr als sechs Wochen werden den Aktionären der Zurich Insurance Group 17 Franken je Aktie teilweise unter Abzug der Verrechnungssteuer auf ihre Konten gutgeschrieben. Mit einer Dividendenrendite von 6 Prozent ist dem Versicherungskonzern aus Zürich der Platz auf dem SMI-Dividendenthron für ein weiteres Jahr sicher.

Das Nachsehen hat der für Alliance Bernstein tätige Analyst. Die Aktionäre müssen den Gürtel in Zukunft wohl enger schnallen, so warnt dieser schon seit einer gefühlten Ewigkeit.

Aufgrund eines immer intensiver werdenden Wettbewerbs im amerikanischen Firmenkundengeschäft und einer Häufung kostspieliger Naturkatastrophen sieht er den Gewinn bei der Zurich Insurance Group ab dem nächsten Jahr regelrecht wegbrechen. Das lassen zumindest die um 24 Prozent unter den Konsenserwartungen liegenden Schätzungen des Experten vermuten.

Und weil ein solcher Gewinneinbruch auch Konsequenzen für die Dividendenpolitik hätte, empfiehlt er die Aktien weiterhin mit "Underperform"“ und einem Kursziel von 230 Franken zum Verkauf.

Bei den Aktien der Zurich Insurance Group dauert es für gewöhnlich etwas länger, bis der Dividendenabgang wettgemacht ist. Alleine schon aufgrund der Ausschüttungshöhe überrascht das allerdings wenig.

Je nach Betrachtungszeitraum trägt die Dividendenkomponente bei Schweizer Aktien zwischen 50 und 65 Prozent zur Gesamtrendite bei. Gleichzeitig wirkt sie stabilisierend auf Letztere. Aus Anlegersicht ist eine hohe Dividende deshalb mehr als bloss ein Apropos.

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"Multimilliardär verscherbelt seine Aktien" titelte ich, nachdem sich der Hedgefonds-Milliardär Dan Och weit unter dem vorliegenden Barangebot von Aktien des Baselbieter Pharmaherstellers Actelion trennte (siehe Kolumne vom 6. Februar).

Liess sich damals bloss über die Beweggründe spekulieren, gibt es seit vergangener Nacht eine ziemlich einleuchtende Erklärung: Denn nach 8 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr, zogen Anleger beim börsengehandelten Hedgefonds Och Ziff im Januar noch einmal 5 Milliarden Dollar ab. Rückblickend machte Dan Och wohl dort Kapital für Rückzahlungen frei, wo es am wenigsten weh tat.

Dass die Titelverkäufe bei Actelion nicht firmenspezifischer Natur sind, ist beruhigend. Einer Annäherung der Kursnotierungen an das rechnerische Barangebot scheint mir nun sehr viel wahrscheinlicher.
 

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