Grossinvestoren in der Schweiz so aktiv wie nie

Ein Milliardär steigt bei Actelion ein, Hedgefonds setzen nur kurz auf Meyer Burger, der weltgrösste Vermögensverwalter baut bei Lonza aus und mehrere Grossinvestoren nehmen bei Sonova, Temenos und Tecan Geld vom Tisch.
28.12.2016 12:30
cash Insider
Grossinvestoren in der Schweiz so aktiv wie nie
Bild: fotolia.com

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Seit Freitag dürften die meisten Grossinvestoren ihre Bücher für dieses Jahr geschlossen haben. Allerdings kam es kurz zuvor noch zu höchst interessanten Beteiligungsveränderungen, wie mehrere Offenlegungsmeldungen an die Schweizer Börse SIX verraten.

Hohe Wellen wirft insbesondere der Einstieg von Dan Och bei Actelion. Der bekannte amerikanische Milliardär und Mitgründer des Hedgefonds Anbieters Och-Ziff hält neu 3,18 Prozent am begehrten Pharmahersteller aus dem Baselbiet. Dass die Beteiligung gegenüber der SIX nicht nach Aktien und Derivaten aufgeschlüsselt wird, lässt die Vermutung zu, dass Och ausschliesslich über Derivate auf eine satte Übernahmeofferte spekuliert. In den letzten Tagen sind die Handelsaktivitäten in den Call-Warrants regelrecht eingeschlafen, was sich nur bedingt mit saisonalen Verhaltensmustern (Altjahreswoche) erklären lässt.

Die Actelion-Aktien bleiben weiterhin spekulationsgetrieben; Quelle: www.cash.ch

Erst vor wenigen Wochen gab sich der Milliardär als grösster Aktionär von Meyer Burger zu erkennen. Dass der Einstieg rund um die Bezugsrechtsemission erfolgte und der Stimmenanteil innerhalb weniger Tage von mehr als 24 auf 2 Prozent geschmolzen ist, lässt auf Arbitragetransaktionen (Kauf von Bezugsrechten bei gleichzeitigem Leerverkauf von Aktien) schliessen. Denn auch sein Kontrahent Kenneth Griffin von Citadel hielt vorübergehend knapp 13 Prozent am Solarzulieferunternehmen aus dem Bernischen Gwatt.

Als weltgrösster Vermögensverwalter hält Blackrock die hiesigen Unternehmen auf Trab. Kaum ein Tag vergeht, an dem die Amerikaner nicht einen meldepflichtigen Schwellenwert über- oder unterschreiten. Allerdings liegen nur den wenigsten Offenlegungsmeldungen auch effektive Transaktionen zugrunde. Meist stehen die Meldungen im Zusammenhang mit Leihgeschäften.

Zumindest bei Lonza nutzte Blackrock den jüngsten Kursrücksetzer allerdings zum Zukauf von Aktien. Mit einem Stimmenanteil von 10,3 Prozent sind die Amerikaner jüngst sogar zum grössten Einzelaktionär des traditionsreichen Pharmazulieferers aus Basel aufgestiegen, und kaum jemand hat es bemerkt.

Ob auch die milliardenschwere Übernahme von Capsugel eine Erfolgsgeschichte wird, dürften spätestens die Konditionen für die geplante Kapitalerhöhung verraten. Vorschusslorbeeren hat Lonza bisweilen jedenfalls keine erhalten.

Gleich mehrere Offenlegungsmeldungen gingen bei der SIX seitens von Galenica ein. Mit dem Kauf von Teilen des von Kohlberg Kravis Roberts (KKR) gehaltenen Beteiligungspakets steigt der bekannte Immobilier Remo Stoffel beim Berner Gesundheitskonzern zum zweitgrössten Aktionär nach Martin Ebner auf (siehe Kolumne vom 20. Dezember). Im Hinblick auf den früher als geplant anstehenden Börsengang des Pharmavertriebs könnten die beiden Financiers gemeinsame Sache machen, so wird an der Börse gemutmasst.

Die Galenica-Aktien (rot) bleiben weiterhin hinter den SPI (grün) zurück; www.cash.ch

Die Anhaltspunkte verdichten sich, dass sich die Aktionärsgruppe um KKR vergangene Woche auch über den offenen Markt von Galenica-Aktien getrennt hat. Meldepflichtig wird die amerikanische Private Equity Firma erst wieder beim Unterschreiten des Schwellenwerts von 10 Prozent. Aus steuerlichen Gründen eilt ein vollständiger Ausstieg.

Gleich bei zwei bekannten Unternehmen aus der Schweiz nahm Massachusetts Financial Services (MFS) Geld vom Tisch. Während der traditionsreiche Vermögensverwalter seinen an der Genfer Softwareschmiede Temenos gehaltenen Stimmenanteil von 3,06 auf 2,99 Prozent reduzierte, halbierte sich jener am Hörgerätehersteller Sonova sogar von 9,94 auf 4,97 Prozent. Das Ausmass dieser Beteiligungsveränderung lässt über Änderungen bei den Branchenpräferenzen hinausgehende, eventuell sogar firmenspezifische Gründe vermuten.

Nicht überbewertet werden darf hingegen die Beteiligungsreduktion von 3 auf 2,98 Prozent durch die Wellington Management Group bei Tecan. In den vergangenen Wochen und Monaten fluktuierte der Stimmenanteil nämlich immer wieder um den meldepflichtigen Schwellenwert von 3 Prozent herum.

Signalwirkung hat hingegen der Beteiligungsausbau von Michael Pieper bei Arbonia auf zuletzt wieder etwas mehr als 20 Prozent. Wie es im hiesigen Berufshandel weiter heisst, kauft der Grossaktionär schon seit Tagen munter Aktien zu.

 

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