Gründe für den Höhenflug der Schweizer Nebenwerte

Der cash Insider über die «Schweizer Nebenwerte der Stunde» und mögliche Gründe für das Kursfeuerwerk in diesem heissgelaufenen Titelsegment.
08.03.2017 12:30
cash Insider
Gründe für den Höhenflug der Schweizer Nebenwerte
Bild: fotolia.com

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Die Aktien von Straumann sind kein Schnäppchen mehr. Der Dentalimplantatehersteller aus Basel wird mittlerweile selbst auf Basis optimistischer Annahmen mit dem Dreissigfachen des für dieses Jahr erwarteten Gewinns bewertet. Die Dividendenrendite liegt bei gerademal einem Prozent - wie es sich für ein Wachstumsunternehmen eben gehört.

Mitte Februar wartete Straumann mit einem soliden Zahlenkranz auf, mehr aber auch nicht. Eine Entschuldigung für den eher vorsichtigen Ausblick war schnell gefunden: Hohe Vorabinvestitionen in zukünftiges Wachstum.

Schon seit Tagen tingeln die Firmenvertreter durch die Lande, um den Investoren die eigenen Aktien schmackhaft zu machen. Finanzchef Peter Hackel wähne seinen Arbeitgeber vor weiteren wachstumsreichen Jahren, so lässt die MainFirst Bank in einem Kommentar durchblicken. Aufgrund von Produktneueinführungen, der Fortsetzung der geografischen Expansion sowie dem vermehrten Einsatz von Biomaterial hält der Autor die anlässlich einer Road-Show gemachten Aussagen seiner Gäste für gut nachvollziehbar.

Kein Wunder hangeln sich die bei Anlegern beliebten Valoren von Straumann von einem Rekordhoch zum nächsten. Qualität hat eben ihren Preis.

Eine Einbahnstrasse nach oben ist die Börse auch für den Bauzulieferer Forbo. Das seit gestern bekannte Jahresergebnis lässt kaum Anlegerträume offen und diese danken es dem Unternehmen mit neuen Höchstkursen. Mit dem für einige Beobachter überraschenden Aktienrückkaufprogramm wird Forbo in Zukunft selber wieder kräftig an der Kursschraube drehen können.

Im Vergleich mit anderen Schweizer Nebenwerten hinterlassen die mit dem Neunzehnfachen für dieses Jahr erwarteten Gewinns einen geradezu vernünftig bewerteten Eindruck. Und das, obwohl sich der Börsenwert des Bauzulieferers in den vergangenen acht Jahren nahezu verzehnfacht hat. Auch an der rechnerischen Dividendenrendite von gerademal 1,4 Prozent gibt es nichts auszusetzen. Schliesslich will Forbo in den kommenden drei Jahren bis zu 10 Prozent der ausstehenden Aktien zurückkaufen.

Ebenfalls nicht aufzuhalten sind die Aktien der Genfer Softwareschmiede Temenos. Die Hoffnung auf lukrative Folgeaufträge aus Nordamerika wirkt wie Doping für die Kursentwicklung. Dass sich zwei Geschäftsleitungsmitglieder kürzlich von eigenen Aktien in Millionenhöhe getrennt haben, scheint die hiesigen Marktakteure nicht weiter zu beunruhigen.

Nicht so recht in die Karten blicken lässt sich der langjährige Grossaktionär Martin Ebner. Seit der bekannte Financier seine über Patinex gehaltene Beteiligung auf knapp unter 15 Prozent reduziert hat, bewegt er sich bis auf weiteres unter dem Radarschirm der Öffentlichkeit. Meldepflichtig werden Ebner und seine Frau Rosmarie erst wieder, sollte der Schwellenwert von 10 Prozent unterschritten werden.

Mit dem Vierunddreissigfachen des für dieses Jahr erwarteten Gewinns zählen die Valoren von Temenos zu den teuersten Aktien der Schweiz.

Die Aktien von Temenos (violett), Straumann (rot) und Forbo (grün) kennen kein Halten (Quelle: www.cash.ch)

Der schon seit Jahren beobachtete Höhenflug hiesiger Nebenwerte hat in den vergangenen Wochen noch einmal völlig neue Dimensionen angenommen. Der Kapitalfluss in die beliebtesten Vertreter aus diesem Titelsegment scheint nicht abreissen zu wollen, wie ein Blick auf die jüngste Kursentwicklung von Straumann, Forbo oder Temenos verrät.

Eine interessante Erklärung liefert ein für die UBS tätiger Aktienstratege. Seinen Berechnungen zufolge hat sich der Marktanteil passiver Nebenwertefonds innerhalb der letzten zehn Jahre auf 30 Prozent der investierten Vermögen verdoppelt. Diese Fonds tummeln sich hierzulande zwangsläufig in den oben genannten Einzelaktien.

Im Gespräch mit Pensionskassenverwaltern und Vermögensverwaltern offenbart sich mir aber ein noch viel triftigerer Grund: Schon seit Wochen wird bei uns im grossen Stil aus den als langweilig verschrieenen Blue Chips in die Nebenwerte umgeschichtet.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Die Aktienmärkte sind keine Einbahnstrasse nach oben. Für gewöhnlich dauern Trends an den Finanzmärkten länger als gedacht, dessen bin ich mir sehr wohl bewusst. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass der Höhenflug bei den Nebenwerten weit fortgeschritten ist und schon bald in Tränen endet. Spätestens wenn Fondsmanager und Anlagestrategen - wie in den letzten Wochen - vom "Anbruch einer neuen Ära für die Nebenwerte" sprechen, werde ich hellhörig...

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