Handelskrieg, Zinsen, Dollar - Drei «Aktien-Körbe» für alle Fälle

Die Strategen der Deutschen Bank präsentieren drei interessante «Aktien-Körbe», aber nur zwei mit Vertretern aus der Schweiz. - Und: Machen bei Comet zwei Grossaktionäre gemeinsame Sache?
20.09.2018 12:30
cash Insider
Drei «Aktien-Körbe» für alle Fälle
Bild: fotolia.com

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Als die Strategen der Deutschen Bank vor wenigen Tagen den Schweizer Aktienmarkt von "Overweight" auf "Underweight" herunterstuften, ging ein Aufschrei durch unser kleines Land.

Dass die deutsche Grossbank mit je einem "Aktien-Korb" zu den Themen Handelskrieg, steigende Zinsen und drohende Dollarschwäche aufwartete, ging hingegen vergessen. Dass nur in zwei der drei "Aktien-Körbe" Vertreter aus der Schweiz anzutreffen sind, dürfte vermutlich mithinein gespielt haben.

Zu den Gewinnern steigender Zinsen zählt die Deutsche Bank neben den Aktien der beiden Erzrivalinnen UBS und Credit Suisse auch jene des Stellenvermittlers Adecco sowie der Luxusgüterhersteller Swatch Group und Richemont.

Seit wenigen Tagen sind die Aktien von UBS (grün) und Credit Suisse (rot) wieder gefragt (Quelle: www.cash.ch)

Offiziell zum Kauf rät die deutsche Grossbank einzig die Papiere der Credit Suisse. Die Aktien von Adecco hingegen werden seit einer halben Ewigkeit zum Verkauf empfohlen - und das aus gutem Grund, wie die überraschende Umsatzwarnung von gestern zeigt (siehe Adecco gerät immer mehr ins Schlingern von gestern).

Interessant ist, welche Aktien der Deutschen Bank zufolge von einer erneuten Dollarschwäche profitieren sollten. Aus Schweizer Sicht sind dies jene von Bucher Industries, OC Oerlikon, Sika, Clariant, Barry Callebaut, Georg Fischer, Straumann und AMS - wobei Bucher Industries, OC Oerlikon und Sika die höchste negative Korrelation zum Dollar aufweisen. Offiziell werden nur die Aktien von Sika und AMS zum Kauf empfohlen.

Rein gefühlsmässig müssten viele der genannten Unternehmen eher von einem steigenden und nicht von einem fallenden Dollar profitieren. Allerdings untermauert die deutsche Grossbank ihre Erhebungen mit Korrelationstabellen für die letzten zwei und fünf Jahre.

Wer mit rückläufigen Zinsen oder einem anhaltend festen Dollar rechnet, für den haben die Strategen der Deutschen Bank übrigens keine Schweizer Aktien auf Lager - als ob es sowas bei uns am Heimmarkt gar nicht gäbe.

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Der Juli war erst wenige Tage alt, als Comet seine diesjährigen Umsatzerwartungen kappte. Stellte der Halbleiterzulieferer aus Flamatt den Aktionären bis dahin mit einem Jahresumsatz von 460 bis 490 Millionen Franken, so sind es seither noch 440 bis 460 Millionen Franken.

Und obwohl die Aktien bereits zuvor einen schweren Stand hatten, wurden sie an diesem Tag mit einem satten Minus von 20 Prozent auf 84 Franken abgestraft.

Eine gute Nase bewies damals der Camox Master Fund. In den ersten Juni-Wochen trennte er sich noch rechtzeitig von Aktien. Bekannt wurden diese Titelverkäufe nur, weil im Zuge dieser der meldepflichtige Schwellenwert von 3 Prozent verletzt wurde (siehe Auf der Suche nach Erklärungen für die Kursschwäche bei Comet vom 19. Juni).

Mittlerweile werden für Comet wieder Kurse von 100 Franken oder mehr bezahlt. Und selbst der Camox Master Fund hält seit gut zwei Wochen wieder mehr als 3 Prozent am Halbleiterzulieferer. Die Börse verzeiht nie, aber wenigstens vergisst sie schnell.

Seit gestern ist bekannt, dass sich auch Veraison mit etwas mehr als 3 Prozent beim Unternehmen aus dem Freiburgischen eingekauft hat. Verhält es sich wie bei früheren Beteiligungsnahmen, dürfte der für seine aktive Einflussnahme berüchtigte Vermögensverwalter weitere Aktien zukaufen. Für gewöhnlich vergehen zwischen dem Erreichen der 3-Prozent-Marke und der ebenfalls meldepflichtigen 5-Prozent-Marke nur wenige Wochen.

Kursentwicklung der Aktien von Comet über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Was zur Beteiligungsnahme führte, darüber lässt sich mit heutigem Wissensstand bloss spekulieren. Die Halbleiterindustrie ist seit Wochen ein eher hartes Pflaster. Das gilt erst recht für Zulieferunternehmen.

Spätestens seit dem orchestrierten Angriff auf die Gategroup wissen wir allerdings: Nicht nur Veraison, auch der Camox Master Fund weiss, wie (Aktionärs-)Opposition geht.

Die Trittbrettfahrer werden wohl nicht lange auf sich warten lassen und eins und eins zusammenzählen - nämlich, dass die beiden Finanzinvestoren Grösseres mit Comet vorhaben...

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