Hedgefonds kaufen auf Pump kräftig Aktien zu

Angeblich kaufen mächtige Hedgefonds zu Höchstkursen Aktien zu, und das erst noch auf Pump - Goldman Sachs nicht mehr ganz so negativ für Aktien - Und: Bringt sich ein neuer Aktionär bei Lifewatch in Stellung?
24.08.2016 12:30
cash Insider
Hedgefonds kaufen auf Pump kräftig Aktien zu
Bild: fotolia.com

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Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs ist eine ganz grosse Nummer - und das nicht nur an der Wall Street in New York. Denn sowohl in Wirtschaft und Politik als auch bei den Zentralbanken sitzen viele ihrer ehemaligen Kadermitarbeiter in Schlüsselpositionen. Deshalb wird das Unternehmen auch gerne mit einer mächtigen Krake verglichen, deren Arme überall hin reichen.

Wie einer mir aus London zugespielten Strategiestudie zu entnehmen ist, reichen die Arme bis weit in die Hedgefonds Industrie hinein. Nur so lässt sich erklären, dass die Studienverfasser bei 826 Fonds mit einem Aktienvermögen von nicht weniger als 1800 Milliarden Dollar Einblick in die Anlagetätigkeit haben. Davon entfallen übrigens knapp zwei Drittel auf Wetten auf steigende Kursnotierungen. Mit dem verbleibenden Drittel spekulieren die Hedgefonds auf rückläufige Kurse.

Den Experten zufolge schnitten die bei den Fonds beliebtesten Aktien in den vergangenen sechs Wochen 4,7 Prozent besser als der breit gefasste amerikanische S&P-500-Index ab. Das ist allerdings bloss ein Tropfen auf den heissen Stein, hatten sich diese Aktien zuvor doch um 15 Prozent schlechter als das Börsenbarometer entwickelt.

Viele Hedgefonds scheinen dem Druck der Investoren nachgegeben und sozusagen zu Höchstkursen auf Pump Aktien zugekauft zu haben - und das erst noch im grossen Stil. Denn wie die Studienverfasser zu berichten wissen, ist der Hebel über die gesamten 826 Fonds hinweg kräftig gestiegen. Auch von Umschichtungen in Richtung konjunkturabhängiger Aktien und Sektoren wissen sie zu berichten. Insbesondere die beliebten Aktien aus der Informationstechnologie haben es den Hedgefonds angetan.

Erst vor wenigen Wochen sorgte Goldman Sachs bei uns für Schlagzeilen, als die Anlagestrategen der amerikanischen Investmentbank taktisch den Daumen für Aktien senkten (siehe Kolumne vom 2. August). Ihre ebenso simple wie auch einleuchtende Begründung: Weltweit standen die Aktienindizes damals am oberen Ende ihres mehrmonatigen Handelbandes.

Doch es sollte alles ganz anders kommen. Weil sich die Leitbörse in New York von einem Rekord zum nächsten hangelt, sehen sich die Leerverkäufer rund um den Globus dazu gezwungen, das Handtuch zu werfen. Auch bei uns in der Schweiz hatten diese Marktakteure in der jüngeren Vergangenheit einen sehr schweren Stand, wie ich schon in der Kolumne vom 28. Juli zu berichten wusste.

Nun krebsen auch die für Goldman Sachs tätigen Strategen zurück. Sie halten zwar sowohl an der empfohlenen Untergewichtung für Aktien auf einen Anlagehorizont von 3 Monaten als auch am 12 Prozent unter dem heutigen Stand liegenden Ziel für den breit gefassten Stoxx Europe 600 Index fest. So richtig überzeugend kommt diese Empfehlung allerdings nicht mehr daher.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich besser als erwartet entwickelt und die Zinsen seien im Zuge der lockeren Geldpolitik tief geblieben, so räumen die Experten mittlerweile ein. Darüber hinaus warnen sie vor einer Kapitulation pessimistischer Marktakteure, welche womöglich noch einmal steigende Aktienkurse zur Folge hätte.

Die Strategen legen ihrer Anlagekundschaft sogar den Kauf kurzfristiger Kauf-Optionen auf den EuroStoxx 50 Index oder Umschichtungen aus konjunkturunabhängigen in konjunkturabhängige Aktien sowie in die Finanzwerte nahe. Überzeugung sieht meines Erachtens anders aus.

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Lifewatch ist aus dem israelischen Medizinaltechnikunternehmen Card Guard hervorgegangen und zählt damit zu den letzten Überlebenden aus der SWX New Market Ära. Dass der Anbieter von Dienstleistungen für die Fernüberwachung der Herzaktivität von Patienten heute überhaupt noch existiert, grenzt schon fast an ein Wunder.

Erst letzte Woche wartete Lifewatch überraschend mit einem Verlust für die erste Jahreshälfte sowie mit einer Reduktion der diesjährigen Wachstumsprognosen auf. Die Börse reagierte gnadenlos und watschte die Aktien alleine an diesem Tag mit einem prozentual zweistelligen Kursrückgang ab.

Seit gestern nun wechselten ausserbörslich knapp 10 Prozent aller ausstehenden Aktien in mehreren Blöcken die Hand. Dass dabei ein Kurs von 10 Franken zur Anwendung kam, lässt auf einen sich in Stellung bringenden neuen Aktionär schliessen.

Womöglich wird schon in den nächsten Tagen bei der Schweizer Börse SIX eine Offenlegungsmeldung eingehen und Klarheit schaffen.

 

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