Herber Rückschlag in letzter Minute für den Insider

Der cash Insider zieht bei seinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2016 die Schlussbilanz. Er verrät, welche Aktie ihn in den letzten zwei Wochen den Vorsprung auf den SPI gekostet hat.
29.12.2016 12:30
cash Insider
Herber Rückschlag in letzter Minute für den Insider
Bild: fotolia.com

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Die Freude war gross, als meine Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2016 Ende November quasi auf der Zielgeraden den Swiss Performance Index (SPI) überholten (siehe Kolumne vom 1. Dezember). Doch es sollte noch besser kommen: Nur wenige Tage später errechnete sich dann sogar absolut betrachtet ein positives Ergebnis.

Sehr lange hielt meine Freude allerdings nicht. Am Morgen des 19. Dezember, keine vier Wochen nach dem diesjährigen Investorentag, sprach Leonteq eine ziemlich einschneidende Gewinnwarnung aus (siehe Kolumne vom 20. Dezember). Wie in solchen Fällen üblich, kannte die Börse keine Gnade und watschte die Aktien des Anbieters von strukturierten Produkten mit prozentual zweistelligen Kursverlusten ab.

Auch wenn ich erst Mitte Oktober bei Leonteq aufgesprungen bin, habe ich mir rückblickend ein "ziemlich faules Ei" ins Nest gelegt. Das Abenteuer schmälert die ansonsten einigermassen ansehnliche Performance meiner Aktienfavoriten um satte 350 Basispunkte und führt dazu, dass diese wieder hinter den SPI zurückfallen.

Leonteq ist nur eines von vielen Beispielen, wie selektiv das Handelsgeschehen bei uns am Schweizer Aktienmarkt in den vergangenen Wochen und Monaten war. Ich erinnere mich in den letzten Jahrzehnten an keine auch nur annähernd vergleichbare Situation.

Insgesamt resultierte auf meinen heute vor einem Jahr kommunizierten Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2016 ein Minus von 3,72 Prozent. Dem steht ein um gerademal 1,7 Prozent tieferer SPI gegenüber. Morgen Freitag werde ich übrigens meine Favoriten für das Börsenjahr 2017 präsentieren - getreu der Devise: Neues Jahr, neues Glück.

Bilanz der letzten Jahre:

Jahr

Aktienfavoriten

SPI

2013

+40,1 Prozent

+23,9 Prozent

2014

+11,4 Prozent

+15,2 Prozent

2015

+ 4,1 Prozent

+ 2,4 Prozent

2016*

- 3,7 Prozent

- 1,7 Prozent

* = bis und mit 28. Dezember (Stand: 17.30 Uhr)

Auch an den Dogs of the SMI ist die Weihnachtsrally spurlos vorübergegangen. Mit einem Plus von 3,8 Prozent liess sich der SPI aber wenigstens mit diesem Aktienkorb schlagen.

Die Korken knallen lassen dürfen die Leerverkäufer. Obschon nur gerade drei der Mitte Juli genannten zehn unbeliebtesten Aktien der Schweiz Kursverluste verbuchen, beträgt der durchschnittliche Verlust 2,08 Prozent. Eine goldene Nase liess sich mit Wetten gegen die Aktien von Meyer Burger, Leonteq und Sonova verdienen. Die prozentual zweistelligen Gewinne auf Basilea, Aryzta und Logitech reichten nicht aus, um das Ruder herumzureissen.

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten:

Titel

Anzahl

Einstand

akt. Wert

Erfolg

G/V

Barmittel

   

21'016,43

   

Zurich N

39

257,00

10'966,80

943,80

+9,42%

Basilea N

105

95,30

7'691,25

-2'315,25

-23,14%

OC Oerlikon N

1110

9,01

11'155,50

1'154,40

+11,54%

Roche GS

39

257,40

9'087,00

-951,60

-9,48%

Syngenta N

26

380,00

10'649,60

769,60

+7,79%

UBS Group N

440

14,10

7'110,40

906,40

+14,61%

Leonteq N

190

52,85

6'631,00

-3'410,00

-33,96%

GAM N

1032

9,69

11'971,20

1'971,12

+19,71%

           

Total

   

96'279,18

 

-3,72%

Am stärksten entwickelten sich - eher überraschend - die Aktien von GAM. Sie profitierten in den vergangenen Wochen von grösseren Umschichtungen in die Finanzwerte. Selbst das Ausscheiden aus dem viel beachteten Stoxx Europe 600 Index mit Wirkung vom 19. Dezember drückte nur vorübergehend auf die Kursentwicklung. Die Titelverkäufe seitens von indexorientierten Marktakteuren wurden überraschend gut absorbiert. Letztendlich resultierte ein sattes Plus von 19,71 Prozent.

Ebenfalls in den Genuss einer kräftigen Kurserholung kamen die Valoren der UBS. Ob sich bei der grösseren der beiden Schweizer Grossbanken im Schlussquartal endlich eine Belebung im Kerngeschäft bemerkbar gemacht hat, werden wir wohl erst im Zuge der Jahresergebnispräsentation von Ende Januar erfahren. Fakt ist: Nicht zuletzt dank der strategischen Neuausrichtung vor mittlerweile vier Jahren gehört die UBS zu den am stärksten Kapitalisierten Banken der Welt. Dementsprechend gut sind meines Erachtens auch die Dividendenaussichten.

Bei den Aktien von OC Oerlikon kam erst in den letzten Tagen so richtig Bewegung in die Kursentwicklung. Nach dem Zusammenschluss der beiden Gaskonzerne Linde und Praxair wird dem Industriekonzern aus Zürich ein Interesse am Oberflächentechnologiegeschäft von Praxair nachgesagt. Eine solche Verstärkung des Kerngeschäfts käme für OC Oerlikon einem Quantensprung gleich. Da sich eine solche Grossübernahme ohne Kapitalerhöhung stemmen liesse, käme sie an der Börse womöglich sehr gut an.

Transaktionen:

Datum

Titel

 

Anzahl

Kurs

 

Total

29.12.2015

LafargeHolcim N

Kauf

200

50,00

CHF

10'000,00-

29.12.2015

Credit Suisse N

Kauf

456

21,92

CHF

9'995,52-

29.12.2015

Zurich N

Kauf

39

257,00

CHF

10'023,00-

29.12.2015

Nestlé N

Kauf

134

74,65

CHF

10'003,10-

29.12.2015

Logitech N

Kauf

665

15,05

CHF

10'008,25-

29.12.2015

OC Oerlikon N

Kauf

1'110

9,01

CHF

10'001,10-

29.12.2015

Basilea N

Kauf

105

95,30

CHF

10'006,50-

21.01.2016

Roche GS

Kauf

39

257,40

CHF

10'038,60-

21.01.2016

Logitech N

Verkauf

665

14,70

CHF

9'775,50+

04.02.2016

Syngenta N

Kauf

25

395,90

CHF

9'897,50-

05.02.2016

WLHA0V

Kauf

2'000

0,32

CHF

640,00-

09.02.2016

Credit Suisse N

Verkauf

456

13,53

CHF

6'169,68+

09.02.2016

UBS Group N

Kauf

440

14,10

CHF

6'204,00-

09.02.2016

Nestlé N

Verkauf

134

72,55

CHF

9'721,70+

17.03.2016

WLHA0V

Verkauf

2‘000

0,13

CHF

260,00+

06.05.2016

Leonteq N

Kauf

155

64,50

CHF

9'997,50-

19.05.2016

Leonteq N

Verkauf

155

59,30

CHF

9'191,50+

03.06.2016

SCMAIZ

Kauf

10'400

0,24

CHF

2'496,00-

03.06.2016

SCMCJB

Kauf

35'000

0,07

CHF

2'450,00-

06.06.2016

SCMCJB

Verkauf

35'000

0,13

CHF

4'550,00+

06.06.2016

SCMAIZ

Verkauf

10'400

0,07

CHF

728,00+

16.06.2016

Syngenta N

Verkauf

25

382,00

CHF

9'550,00+

24.06.2016

GAM N

Kauf

1'032

9,69

CHF

10'000,08-

19.07.2016

Syngenta N

Kauf

26

380,00

CHF

9'880,00-

09.08.2016

LafargeHolcim N

Verkauf

200

49,89

CHF

9'978,00+

18.10.2016

Leonteq N

Kauf

190

52,85

CHF

10'041,50-

15.11.2016

LEOFJB

Kauf

19'000

0,12

CHF

2'280,00-

16.11.2016

LEOFJB

Verkauf

19'000

0,17

CHF

3'230,00+

01.12.2016

GAMPJB

Kauf

10'320

0,04

CHF

412,80-

05.12.2016

GAMPJB

Verkauf

10'320

0,03

CHF

309,60+

Neben den Papieren von Leonteq kosteten auch jene von Basilea einiges an Performance. Die von New York auf die europäischen Aktienmärkte übergreifende Verkaufswelle bei den Biotechnologiewerten traf die Aktien kleinerer Vertreter aus diesem Titelsegment besonders hart. Dass dem Pharmahersteller aus dem Baselbiet in den vergangenen 12 Monaten weitere Fortschritte auf dem Weg in Richtung eines vollintegrierten Anbieters gelangen, ging dabei weitestgehend vergessen. Der Börsenwert von Basilea schmolz im Jahresvergleich um 23,14 Prozent.

Dividendenabgänge:

Datum

Titel

 

Ertrag

03.03.2016

Roche GS

Dividende

315,90

01.04.2016

Zurich N

Dividende

663,00

29.04.2016

Syngenta N

Dividende

275,00

12.05.2016

UBS Group N

Dividende

374,00

17.05.2016

LafargeHolcim N

Dividende

300,00

Ebenfalls Mühe bekundeten die um 9,48 Prozent tieferen Genussscheine von Roche. Neben den zu Lasten des europäischen Pharmasektors gehenden Umschichtungen drückten einige produktseitige Rückschläge auf die Kursentwicklung. Letztere wecken Zweifel daran, dass der traditionsreiche Pharma- und Diagnostikkonzern im Hinblick auf den Ablauf wichtiger Patente den milliardenschweren Umsatzbeitrag mit Krebsmedikamenten wie Rituxan oder Herceptin verteidigen kann. Allerdings hat Roche in den vergangenen Jahren so viele neuartige Wirkstoffe auf den Markt gebracht wie kein anderer Pharmahersteller. Die Innovationskraft der Basler scheint ungebrochen, was sich für die Aktionäre aber erst mit den Jahren ausbezahlt machen dürfte.

 

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