Herunterstufungen - Angriff auf den Schweizer Aktienmarkt?

Eine geballte Ladung an Herunterstufungen aus dem angelsächsischen Raum trifft den Schweizer Aktienmarkt - Und: Kündigen anschwellende Optionsumsätze bei ABB etwas Grosses an?
13.03.2019 12:30
cash Insider
Angriff auf den Schweizer Aktienmarkt?
Bild: fotolia.com

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"Es fühlt sich an, als würden wir angegriffen", so berichtet mir ein langjähriger Freund und Börsenhändler. Er spielt damit auf die seit dem frühen Mittwochmorgen aus dem angelsächsischen Raum eintreffenden Herunterstufungen für einige Aktien aus der Schweiz an. Diese fühlen sich an wie kleine, gezielte Nadelstiche.

Regelrecht in die Tiefe gerissen werden die Partizipationsscheine von Schindler. Die britische Barclays zeigt sich nach einem Treffen mit Firmenvertretern desillusioniert und stuft die Papiere von "Overweight" auf "Equal-weight" herunter. In Erwartung weiterer Verzögerungen bei der Belebung der Margen lautet das Kursziel neu 225 (zuvor 235) Franken.

Seit Tagen stehen die Valoren von Schindler unter Verkaufsdruck. (Quelle: cash.ch)

Ähnlich liest sich eine Unternehmensstudie aus dem Hause Goldman Sachs. Darin stufen die Autoren die Partizipationsscheine nicht nur mit einem Kursziel von 238 (zuvor 255) Franken von "Buy" auf "Neutral" herunter, sondern streichen sie auch gleich noch von der viel beachteten "Conviction Buy List".

Mit Sunrise Communications senkt Goldman Sachs den Daumen über einem weiteren börsenkotierten Unternehmen aus der Schweiz. Die Aktien des Mobilfunkanbieters werden von "Buy" auf "Neutral" heruntergestuft und das Kursziel auf 80 (zuvor 104) Franken zusammengestrichen. Die mächtige amerikanische Investmentbank begründet diesen Schritt mit den verhalteneren Wachstumsaussichten sowie mit der Ungewissheit rund um die milliardenschwere Übernahme von UPC Schweiz.

Späte Einsicht zeigt J.P. Morgan bei der Credit Suisse. Nachdem die amerikanische Investmentbank die Papiere der Grossbank seit einer gefühlten Ewigkeit zum Kauf anpries, stuft sie diese von "Overweight" auf "Neutral" herunter. J.P. Morgan zufolge muss die Credit Suisse gerade im Investment Banking dringend über die Bücher, ist die momentane Strategie doch wertvernichtend. Aufgrund der hohen Kapitalbindung dieses Geschäftszweigs sieht die amerikanische Investmentbank zukünftig nur geringen Spielraum für Aktienrückkäufe. Dadurch fällt das Kursziel für die Aktien auf 14 (zuvor 16) Franken.

Interessant ist, dass der Analyst von J.P. Morgan die Papiere selbst dann noch zum Kauf empfahl, als seine Berufskollegen für quantitative Aktienanalyse sie bereits zu den 30 wichtigsten Verkaufsempfehlungen in Europa zählten.

Erst gestern Dienstag hatte Keefe, Bruyette & Woods (KBW) gar eine Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von gerade mal noch 11 Franken für die Valoren der Credit Suisse ausgesprochen.

Ich kann mich nicht erinnern, schon jemals eine solch geballte Ladung an Herunterstufungen erlebt zu haben. Von einem gezielten Angriff angelsächsischer Marktkreise auf den Schweizer Aktienmarkt möchte ich allerdings nicht gleich sprechen. Denn mit Ausnahme der Aktien der Credit Suisse treffen die Herunterstufungen nur solche, die die hiesigen Indizes nicht gross bewegen.

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Während sich der Swiss Market Index (SMI) in den letzten Tagen bis auf wenige Prozente dem bisherigen Rekordhoch näherte, präsentierte sich den Aktionären von ABB das altbekannte Bild: Die Aktien bekundeten sichtlich Mühe. Gerade mal etwas mehr als einen Franken trennen die Papiere des schweizerisch-schwedischen Industriekonzerns von ihren Mehrjahrestiefstkursen von Ende Dezember.

Analyst Gael de-Bray von der Deutschen Bank sieht in den Aktien denn auch einen "ewigen Unterperformer". Dennoch preist er sie seiner Kundschaft seit nunmehr fast zwei Jahren unentwegt zum Kauf an - selbst jetzt noch.

Im Zuge der Abspaltung des Stromnetzgeschäfts und der geplanten Strukturvereinfachung rechnet de-Bray auf Jahre hinaus mit steigenden Kursen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ernüchternde Kursentwicklung der Aktien von ABB über die letzten zwölf Monate. (Quelle: cash.ch)

Unter uns gesagt: Eigentlich war es überhaupt erst das seit Jahren enttäuschende Abschneiden der Aktien, das im Grossaktionariat überhaupt erst Forderungen nach einer Abspaltung des Stromnetzgeschäfts laut werden liess. Und was die Vereinfachung der Firmenstruktur anbetrifft, so fragt sich: Weshalb nicht schon viel eher?

Noch nicht so recht einordnen lassen sich Berichte aus New York. Dortige Quellen wollen von stark anschwellenden Handelsaktivitäten in mehreren Call-Optionen auf die American Deposit Receipts (ADRs) von ABB wissen.

Für gewöhnlich kündigen stark anschwellende Optionsumsätze etwas Grosses an. Gegen etwas Grosses spricht, dass hierzulande - anders als in Übersee - ziemliche Flaute herrschte...
 

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