Hochzeit mit Huntsman - Clariant stösst mit geplantem Zusammenschluss auf Widerstand

Nicht nur im Aktionariat von Clariant regt sich Widerstand gegen den Zusammenschluss mit Huntsman - Und: Kauft der Hauptaktionär von Sunrise Communications wacker zu?
30.05.2017 12:30
cash Insider
Clariant stösst mit geplantem Zusammenschluss auf Widerstand
Bild: fotolia.com

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Allen kann man es nicht recht machen. Diese schmerzhafte Erfahrung macht in diesen Tagen auch Clariant-Chef Hariolf Kottmann. Er gilt als der heimliche Strippenzieher hinter dem letzte Woche bekanntgewordenen Zusammenschluss mit dem amerikanischen Rivalen Huntsman.

Denn wie aus dem Umfeld des Spezialitätenchemieherstellers aus Basel zu vernehmen ist, steht der transatlantische Schulterschluss unter keinem guten Stern. Wie es heisst, darf sich Kottmann der Unterstützung der ehemaligen Südchemie-Aktionäre zwar sicher sein. Mit einem Stimmenanteil von knapp 14 Prozent stellen sie im Aktionariat von Clariant die mit Abstand wichtigste Kraft dar. Doch längst nicht bei allen kommen die Pläne gut an. Angeblich regt sich vermehrt Widerstand gegen den Zusammenschluss mit Huntsman - sowohl im Aktionariat, als auch bei den Mitarbeitern. Letzteres überrascht nicht, stehen in Basel doch Stellen auf dem Spiel.

Nach Jahren der strategischen Neuausrichtung sei der Schulterschluss ein eigentlich vermeidbarer Schritt zurück, so der Hauptkritikpunkt. Und tatsächlich sind die Amerikaner in einigen margenschwachen Geschäftszweigen tätig, aus denen sich Clariant einst verabschiedet hatte.

Stummer Zeuge des Widerstands ist die Kursentwicklung. In den vergangenen Tagen tauchten die Aktien des Spezialitätenchemieherstellers aus Basel vorübergehend gar unter den Schlussstand vom Freitag vor der Ankündigung der transatlantischen Hochzeit.

Zurück auf Start hiess es zuletzt für die Aktien von Clariant (Quelle: www.cash.ch).

Öl ins Feuer goss unter anderem der für Helvea tätige Chemieanalyst. Er hatte sich einen Zusammenschluss mit einem besser aufgestellten amerikanischen Rivalen wie Ashland und W.R. Grace oder mit der britischen Elementis erhofft (siehe Kolumnen vom 13. Januar und 9. März).

Allem Widerstand aus den eigenen Reihen zum Trotz will niemand so richtig an eine Gegenofferte für Clariant glauben. Das erklärt auch, weshalb sich viele Hedgefonds längst wieder aus den Aktien verabschiedet haben (siehe Kolumne vom 24. Mai). Ob und wie viel Überzeugungsarbeit noch auf Hariolf Kottmann wartet, wird sich zeigen müssen...

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Als Sunrise Communications im Februar vor zwei Jahren den Schritt an die Schweizer Börse SIX wagte, rissen sich die Anleger um die zu je 68 Franken ausgegebenen Aktien. Nur wenige Wochen später wurden in der Spitze sogar Kurse von bis zu 90 Franken bezahlt.

Doch auf die anfängliche Champagnerlaune folgte ziemlich schnell Katerstimmung. Mehrere Ergebnisenttäuschungen radierten knapp die Hälfte des Werts des Börsendebütanten aus.

Wer damals den Mut hatte und bei Kursen unter 50 Franken einstieg, kann sich heute die Hände reiben. Denn mittlerweile gelten die Aktien wieder 80 Franken. Bis zum bisherigen Rekordhoch scheint es bloss noch ein Katzensprung.

Frische Impulse gehen ausgerechnet vom Hauptaktionär Freenet aus. Wie der deutsche Telekommunikationsanbieter durchblicken lässt, ist er einer Beteiligungserhöhung nämlich nicht abgeneigt. Eigenen Angaben zufolge stehen ihm rund eine Milliarde Euro für solche Vorhaben zur Verfügung.

Vergleich der Sunrise-Aktien (rot) mit jenen des Grossaktionärs Freenet (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Freenet löste im März letzten Jahres den britischen Finanzinvestoren CVC Capital Partners als langjährigen Aktionär von Sunrise Communications ab. Damals wechselten 23,8 Prozent der Stimmen zu einem Preis von 72,95 Franken je Aktie die Hand.

Obwohl es keine offensichtlichen Synergien zwischen den beiden Unternehmen gibt, könnte der Schlüsselaktionär weitere Aktien zukaufen. Interessant ist, dass mit dem Versicherungskonzern Allianz auch der zweitgrösste Anteilseigner aus unserem nördlichen Nachbarland stammt.

Als Käufer zu erkennen geben müsste sich Freenet mit dem Überschreiten des Schwellenwerts von 25 Prozent. Für Fantasie wäre damit jedenfalls gesorgt.
 

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