Höchster Stand seit 30 JahrenSchweizer Dividenden so attraktiv wie lange nicht

Berechnungen der Grossbank UBS zufolge schliesst die Dividendenrendite in der Schweiz erstmals seit 30 Jahren wieder zu Europa auf - Und: Bekannter Leerverkäufer steigt entnervt bei Leonteq aus.
19.05.2017 12:30
cash Insider
Schweizer Dividenden so attraktiv wie lange nicht
Bild: fotolia.com

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Unser Schweizer Aktienmarkt gilt als der teuerste in ganz Europa. Und tatsächlich errechnet sich für die im Swiss Market Index (SMI) vertretenen Unternehmen für das laufende Jahr ein stolzes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18. Das wiederum entspricht einem Aufschlag von knapp 10 Prozent gegenüber dem breit gefassten Stoxx Europe 600 Index.

Erklären lässt sich dieser Aufschlag mit der schon seit einer gefühlten Ewigkeit eher hohen Bewertung der drei Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis. Aufgrund der gut vorhersehbaren und weitestgehend von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unabhängigen Geschäftsentwicklung sind Anleger bereit, deutlich tiefer für diese Aktien in die Tasche zu greifen. Kommt dazu, dass diese drei Vertreter aus dem SMI eine überdurchschnittlich hohe Eigenkapitalrendite aufweisen.

Und noch etwas haben diese drei Unternehmen gemeinsam: Sie alle sind bekannt für eine grosszügige Ausschüttungspolitik. Dennoch hinkte der Schweizer Aktienmarkt dem umliegenden Ausland in der Vergangenheit auch an der Dividendenrendite gemessen hinterher.

Der um Dividendenabgänge bereinigte SMI steht in der Nähe seiner Höchststände (Quelle: www.cash.ch)

Wie die Ökonomen der UBS in einem Strategiepapier schreiben, hat unser Heimmarkt diesbezüglich allerdings zu Europa aufgeschlossen. Im Zuge der überraschenden Aufgabe des Mindestkurses gegenüber dem Euro und der unterdurchschnittlichen Kursentwicklung der letzten Jahre weise der Schweizer Aktienmarkt mit 3,5 Prozent eine mit anderen europäischen Börsenplätzen vergleichbare Dividendenrendite auf, so die Autoren.

Bankeigenen Erhebungen zufolge muss man schon dreissig Jahre in die Vergangenheit zurückgehen, um auf eine vergleichbare Konstellation zu stossen.

Dementsprechend kräftig ist der Schweizer Aktienmarkt auf der Länderrangliste der UBS gestiegen. Mittlerweile liegt er auf dem zweiten Platz, unmittelbar nach Norwegen. Nicht nur bei der Dividendenrendite, auch bei der relativen Bewertung sowie bei den zukünftigen Gewinnaussichten kann unser Heimmarkt in der Auswertung der Grossbank punkten.

Als im Kurs zurückgeblieben erachten die Autoren des Strategiepapiers insbesondere die dividendenstarken Aktien der Zurich Insurance Group (Rendite: 6,1 Prozent), Swisscom (Rendite: 4,8 Prozent), SPS (Rendite: 4,2 Prozent), Novartis (Rendite: 3,5 Prozent), Givaudan (Rendite: 3 Prozent) sowie die Genussscheine von Roche (Rendite: 3,3 Prozent).

Dass mächtige ausländische Grossinvestoren dennoch schon seit Monaten einen grossen Bogen um den Schweizer Aktienmarkt machen, lässt sich mit dem freundlichen Wirtschaftsumfeld erklären. Im aktuellen Umfeld rücken defensive Qualitäten wie ein weitestgehend von der konjunkturellen Entwicklung unabhängiger Geschäftsgang oder eine attraktiv hohe Dividendenrendite in den Hintergrund. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt allerdings: Das Blatt kann sich jederzeit zugunsten unseres Heimmarktes wenden.

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Gut fünf Wochen ist es her, dass ich an dieser Stelle die der Schweizer Börse SIX gemeldeten Beteiligungsveränderungen kommentiert habe. Darunter auch eine freche Wette von Renaissance Technologies gegen den bekannten neuen Leonteq-Aktionär Rainer-Marc Frey (siehe Kolumne vom 10. April).

Mit Veräusserungspositionen im Umfang von 3,01 Prozent setzte der auf mathematische Handelssysteme spezialisierte Hedgefonds beim Anbieter strukturierter Produkte auf einen rückläufigen Aktienkurs.

Nun sei der amerikanische Leerverkäufer bei Leonteq entnervt ausgestiegen, so wollen Händler wissen. Eine heute bekannt gewordene Offenlegungsmeldung scheint diese Vermutung zu erhärten, sind die Veräusserungspositionen von Renaissance Technologies zuletzt doch unter den Schwellenwert von 3 Prozent gefallen.

Seit Donnerstagnachmittag sind die Aktien von Leonteq sehr gefragt (Quelle: www.cash.ch)

Dem Beratungsunternehmen Markit zufolge liefen Ende April noch Wetten im Umfang von 11,5 Prozent aller ausstehenden Aktien gegen Leonteq. Der Handtuchwurf des amerikanischen Hedgefonds dürfte deshalb wohl den einen oder anderen Leerverkäufer nervös machen und ihn zur Kapitulation zwingen.

Das seit gestern zu beobachtende Kursfeuerwerk lässt jedenfalls tief blicken...

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