Holt die SNB im Dezember zum Befreiungsschlag aus?

Eine mächtige Grossbank mit einer gewagten Prognose für den geldpolitischen Entscheid der Schweizerischen Nationalbank vom Dezember - Und: Ziemlich heftige Verkaufsempfehlungen für die Aktien von Adecco.
14.11.2016 12:30
cash Insider
Holt die SNB im Dezember zum Befreiungsschlag aus?
Bild: fotolia.com

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Manchmal beschleicht mich das ungute Gefühl, dass amerikanische Währungsstrategen die Schweizerische Nationalbank (SNB) besser kennen als diese sich selbst. Nur so lässt sich erklären, weshalb die Investmentbank J.P. Morgan ihre Kundschaft nur wenige Wochen vor der überraschenden Aufgabe des Mindestkurses von Mitte Januar vergangenen Jahres zu einer Absicherung ihrer Euro-Bestände drängte.

In einer mir aus New York zugespielten Strategiestudie wartet diesmal Merrill Lynch mit einer brisanten Warnung auf: Denn obschon die beiden Studienautoren weiterhin Fremdwährungskäufe als das bevorzugte Interventionsinstrument der SNB erachten, halten sie einen Befreiungsschlag im Dezember zusehends für möglich.

Mit der von den Währungsstrategen der amerikanischen Investmentbank erwarteten Leitzinsreduktion von minus 0,75 auf minus 1 Prozent rechnet kaum jemand. Umso grösser wäre die Wirkung, die ein solcher Schritt entfalten würde.

Interessant ist, dass die Experten neben der jüngsten Euroschwäche vor allem mit dem Problem rund um die Einschränkung der Personenfreizügigkeit und der davon ausgehenden Gefahr eines Zerwürfnisses zwischen der Schweiz und der EU argumentieren. Tatsächlich bleiben der Politik für eine einvernehmliche Lösung nur noch wenige Monate.

Weder das Verfassungsreferendum in Italien vom 4. Dezember noch die geldpolitische Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) vier Tage später werden in der Strategiestudie auch nur mit einem Wort erwähnt.

Entwicklung des EUR/CHF-Kurses seit Jahresbeginn; Quelle: www.cash.ch

Das überrascht, könnten doch auch diese beiden Ereignisse den Franken weiter erstarken lassen. Schätzungen zufolge musste die SNB alleine seit Jahresbeginn Fremdwährungen im Gegenwert von nicht weniger als 70 Milliarden Franken in ihre Bücher nehmen. Womöglich sind nach der überraschenden Wahl des republikanischen Kandidaten Donald Trump zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten in den letzten Tagen etliche Milliarden hinzugekommen.

Erst am Freitag kündigte Postfinance an, Privatkunden für Kontoguthaben über einer Million Franken mit einem Strafzins von 1 Prozent zu belasten. Und das, obschon der 3-Monats-Libor-Satz für Frankenanlagen weiterhin nur bei minus 0,75 Prozent liegt. Nun stellt sich die Frage: Handelt es sich beim Strafzins um blosse Abschreckung oder nimmt man bei Postfinance sogar eine weitere Leitzinsreduktion durch die SNB im Dezember voraus?

Die nächsten Wochen werden uns eine Antwort liefern - hoffentlich nicht eine solche der unbequemen Art.

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Anfang Juli stufte der für Morgan Stanley tätige Analyst die Aktien von Adecco von "Equal-weight" auf "Underweight" herunter, was einer Verkaufsempfehlung gleichkommt. Und um dieser den nötigen Nachdruck zu verleihen, strich er damals auch gleich noch das Kursziel auf 47,60 (65) Franken zusammen.

Anlagekunden der amerikanischen Investmentbank, die dieser Aufforderung damals Folge leisteten, fuhren rückblickend allerdings nicht gut. Trotz einer Wachstumsverlangsamung im zweiten Quartal und einem wenig überzeugenden Folgequartal notieren die Aktien mit knapp 60 Franken um einiges höher als noch im Juli.

Kursentwicklung der Aktien von Adecco vor und nach der Ergebnispräsentation; Quelle: www.cash.ch

Nach einem gemeinsamen Frühstück mit Firmenvertretern des Stellenvermittlers bekräftigt der Experte sowohl seine Verkaufsempfehlung als auch das 47,60 Franken lautende Kursziel. Das überrascht, muss er doch einräumen, dass den Aktionären im kommenden Frühling über die reguläre Ausschüttung hinaus eine Sonderdividende winken könnte.

Ganz allein auf weiter Flur ist der Analyst von Morgan Stanley mit seiner negativen Haltung für die Aktien von Adecco allerdings nicht. Auch sein für die Deutsche Bank tätiger Berufskollege empfiehlt die Papiere schon eine ganze Weile mit einem Kursziel von 47 Franken zum Verkauf.

In Erwartung einer Wachstumsbelebung im Schlussquartal dieses Jahres und der Bekanntgabe einer Sonderdividende anlässlich der Jahresergebnispräsentation vom kommenden März, sehe ich weiterhin keinen Grund, diesen beiden Empfehlungen Folge zu leisten.
 

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