Idorsia, ABB und Co. - Schweizer Firmen im Zentrum wilder Spekulationen

Der cash Insider berichtet von Börsengerüchten über Sulzer, Idorsia, ABB, Schmolz+Bickenbach, Aryzta und Dufry.
23.11.2017 12:30
cash Insider
Schweizer Firmen im Zentrum wilder Spekulationen
Bild: fotolia.com

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Der gestrige Tag dürfte in die Geschichte eingehen, erklomm der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) am frühen Nachmittag bei knapp 10'725 Punkten doch ein neues Rekordhoch. La hausse amène la hausse...

In Szene zu setzen wusste sich insbesondere der Börsendebütant Idorsia. Von stark anschwellenden Handelsvolumina begleitet, schossen die Aktien des Pharmaherstellers aus dem Baselbiet bis auf 22,85 Franken hoch.

Mögliche Erklärungen für das Kursfeuerwerk liessen nicht lange auf sich warten. Ein Grossaktionär kaufe weitere Titel zu, so wurde im hiesigen Handel gemutmasst. Dabei wurden - wenig überraschend - einmal mehr Jean-Paul und Martine Clozel ins Spiel gebracht. Unmittelbar nach dem Börsengang hatte das Gründer-Ehepaar das Aktienpaket auf knapp 26 Prozent ausgebaut.

Beeindruckendes Abschneiden der Idorsia-Aktien seit dem Börsengang vom Frühsommer (Quelle: www.cash.ch).

Ebenfalls neue Kursrekorde schrieben die Valoren von AMS. Sie stiessen in den letzten Tagen erstmals auf über 100 Franken vor (siehe "Anlegerliebling AMS schafft den Sprung über 100 Franken" von gestern), was prompt für Übernahmegerüchte sorgte. Seit der Sensorenhersteller aus dem österreichischen Unterpremstätten mit Sunny Opotech bei 3D-Sensorik-Kameralösungen zusammenarbeitet, gilt er wieder als mögliches Ziel der Chinesen.

Mit Spekulationen ganz anderer Art hat hingegen ABB zu kämpfen. Dem in Zürich niedergelassenen Industriekonzern wird Interesse an Vestas Wind Systems nachgesagt. Die Angst vor wegfallenden Steuervergünstigungen in den Vereinigten Staaten setzte dem dänischen Hersteller von Windkraftanlagen zuletzt sichtlich zu, weshalb dieser nun als heisser Übernahmekandidat gilt.

Dass ABB als potenzieller Käufer für Vestas Wind Systems und sogar als "weisser Ritter" für den belagerten amerikanischen Rivalen Rockwell Automation herhalten muss, haben sich die Zürcher selbst zuzuschreiben. Nach den milliardenschweren Übernahmen von Bernecker + Rainer und dem Industriegeschäft von General Electric wähnen Beobachter das Unternehmen in einem Kaufrausch.

Ob Vestas Wind Systems ins Beteiligungsportfolio von ABB passt, darüber lässt sich allerdings streiten. Dennoch scheint, als melde sich bei den Aktien der "25-Franken-Fluch" zurück (siehe "Die ABB-Aktie und der 25-Franken-Fluch" vom 14. Juni).

Weiterhin einen schweren Stand haben auch die Valoren von Sulzer. Nachdem sich der russische Milliardär Viktor Vekselberg Anfang November überraschend von einer Million Aktien trennte (siehe "Rätselraten um die Sulzer-Platzierung durch Vekselberg" vom 3. November), reissen die Spekulationen um eine weitere Beteiligungsreduktion durch den Ankeraktionär nicht ab.

Seit wenigen Tagen stehen die Aktien von Sulzer wieder unter Druck (Quelle: www.cash.ch).

Wie seit Montag bekannt ist, will Schmolz+Bickenbach den französischen Rivalen Asco Industries übernehmen. Um eine solche Transaktion stemmen zu können, kommt der Edelstahlhersteller vermutlich nicht um eine Kapitalerhöhung herum.

Da Vekselberg auch bei Schmolz+Bickenbach die Fäden zieht, gehen die Kursschwäche bei Sulzer und der angebliche Kapitalbedarf beim Edelstahlhersteller aus Luzern Hand in Hand.

Mit Aryzta steht ein weiteres Unternehmen im Zentrum von Spekulationen rund um eine Kapitalerhöhung, und zwar in Form einer Bezugsrechtsemission an die bisherigen Aktionäre. Der Backwarenhersteller gilt als hochverschuldet und kämpft darüber hinaus erst noch mit hausgemachten Problemen - eine eher ungünstige Kombination.

Deshalb ist gut möglich, dass die kreditgebenden Banken dem neuen Konzernchef Kevin Toland gehörig Druck machen. Toland muss zudem aufpassen, will er verhindern, dass sein Arbeitgeber zum Ziel finanzkräftiger Finanzinvestoren werden könnte. Nicht so recht in dieses Bild zu passen scheinen da die in den letzten Tagen beobachteten Deckungskäufe.

Für neuen Gesprächsstoff sorgt auch der chinesische Grossaktionär von Dufry. Der Einstieg des übernahmewütigen Mischkonzerns HNA verkommt immer mehr zum Bumerang für den Reisedetailhandelskonzern aus Basel. Schätzungen zufolge sitzen die Chinesen auf Schulden in Höhe von umgerechnet 100 Milliarden Dollar. Davon wird bis Mitte nächsten Jahres ein guter Viertel zur Rückzahlung fällig (siehe "Dufry-Grossaktionär HNA hat milliardenschweres Problem" vom 6. November).

Darf man einem Artikel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Glauben schenken, hat sich die Situation bei HNA zuletzt verschärft. Angeblich war der Mischkonzern sogar gezwungen, sich von ersten Firmenbeteiligungen zu trennen.

Schon seit Juli hängt die Gefahr, dass die Chinesen bei Dufry irgendwann zwangsexekutiert werden, wie ein Damoklesschwert über den Aktien.
 

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