Im Vorfeld des ABB-Investorentags brodelt die Gerüchteküche

Im Vorfeld des diesjährigen Investorentages von ABB jagt ein Gerücht das nächste - Und: Wird das Asien-Geschäft zum Bumerang für die grossen Schweizer Banken?
08.09.2016 12:30
cash Insider
Im Vorfeld des ABB-Investorentags brodelt die Gerüchteküche
Bild: fotolia.com

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Nicht nur die Aktionäre von ABB, auch die ausländischen Leerverkäufer sollten sich den 4. Oktober fett in ihrer Agenda anstreichen. An diesem Tag lädt der Industriekonzern nämlich zum diesjährigen Investorentag nach Zürich. Verhält es sich wie in früheren Jahren, geben sich auch heuer wieder die wichtigsten Vertreter aus der Finanzwelt ein Stelldichein. Mit Interesse werden diese den Ausführungen von Konzernchef Ulrich Spiesshofer und seinem Finanzchef Eric Elzvik horchen, wenn diese über die Fortschritte der "Next Level Strategie" berichten.

Schon im Vorfeld dieses denkwürdigen Anlasses bringt die Aktienkursentwicklung die ausländischen Leerverkäufer schier an den Rand der Verzweiflung. Denn schon seit Wochen klettern die Papiere von ABB still und leise nach oben. Seit Ende Juni errechnet sich ein Plus von 13 Prozent, seit Jahresbeginn sogar eines von über 20 Prozent - den Dividendenabgang von Mitte Juli noch nicht einmal aufgerechnet.

Der Grund: Im Hinblick auf den Investorentag jagt ein Gerücht das nächste. Kräftig Öl ins Feuer gossen in den letzten Tagen die Vertreter von Cevian Capital. Der Grossaktionär pocht auf einen Verkauf des Stromübertragungsgeschäfts. Mit einem Stimmenanteil von 5,2 Prozent ist das schliesslich "sein gutes Recht" - ganz egal, ob die Forderung beim Verwaltungsrat Gehör findet oder nicht. Doch auch Investor AB, mit einem Stimmenanteil von 10 Prozent der grösste Aktionär von ABB, lässt im Vorfeld des diesjährigen Investorentages durchblicken, dass endlich eine Lösung für das Sorgenkind auf den Tisch muss.

Den Vertretern der beiden Grossaktionäre sei die erst am Dienstag veröffentlichte Unternehmensstudie der britischen Investmentbank Liberum ans Herz gelegt. Darin berichtet der Autor von Anhaltspunkten für eine Belebung der Investitionen ins Stromübertragungsnetz. Darauf abgestützt erhöht er seine nächstjährigen Gewinnschätzungen um 7 Prozent. Neu liegen die Annahmen um 15 Prozent über jenen anderer Berufskollegen. Dieser Umstand spiegelt sich nicht nur in der Kaufempfehlung sondern auch im 25 Franken lautenden Kursziel für die Aktien wider.

Spätestens am Investorentag wird sich zeigen, ob die Entscheidungsträger bei ABB klein beigeben und das Stromübertragungsgeschäft zum Verkauf ausschreiben. Denn auch an der Börse gilt: Der Ungeduldige führt sein Heu nass ein.

Neben dem Analysten von Liberum - er erwartet anlässlich des diesjährigen Investorentags übrigens die Bekanntgabe eines 4 Milliarden Dollar schweren Aktienrückkaufprogramms - hat sich bisweilen nur sein für Barclays Capital tätiger Kollege zu Wort gemeldet. Er scheint nicht so recht an einen Verkauf des Stromübertragungsgeschäfts zu glauben und sieht ABB eine Wachstumsstrategie für diesen Bereich vorlegen. Zudem rechnet der Experte mit einem ambitiöseren Einsparungsziel auf dem Umlaufvermögen. Auch bei Barclays Capital werden die Aktien mit "Overweight" und einem Kursziel von 23 Franken zum Kauf empfohlen.

Vermutlich werden die Spekulationen rund um den diesjährigen Investorentag nicht verstummen. Den ausländischen Leerverkäufern werden deshalb vermutlich auch weiterhin gute Nerven abverlangt.

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Wer in Asien Bankgeschäfte tätigen wollte, kam früher kaum an der britischen HSBC vorbei. Mit einer Bilanzsumme von umgerechnet 2,5 Billionen Franken und 266'000 Angestellten weltweit gilt sie im fernen Osten auch heute noch als das Mass aller Dinge. Dass sich heute ausgerechnet die beiden Bankenanalysten der HSBC zu den Aussichten von UBS, Credit Suisse und Julius Bär in Asien äussern, wirft hierzulande verständlicherweise hohe Wellen.

Das Vermögensverwaltungsgeschäft in Asien sei riskanter geworden, so lassen sie durchblicken. Noch erachten die Experten die Probleme nicht als erdrückend. Allerdings warnen sie davor, dass sich das aufgrund der grossen Beliebtheit von Wertpapierkäufen auf Kredit und der allgemein höheren Risiken im Kreditgeschäft jederzeit ändern kann.

Eine Gegenüberstellung der drei grössten Schweizer Banken liefert interessante Erkenntnisse. So halten die Bankenanalysten der HSBC die Risiken bei der UBS für am überblickbarsten. Deutlich höher schätzen sie diese bei der Credit Suisse ein, entfällt im Wealth Management doch weniger als die Hälfte der ausstehenden Kreditsumme auf vergleichsweise sichere Hypothekar- und Lombardkredite. Zudem seien die notleidenden Kredite in Schlüsselländern wie Malaysia, Indonesien oder Singapur im Steigen begriffen. Doch auch Julius Bär weise in Asien hohe Kreditengagements auf, so heisst es weiter.

Während die Aktien von UBS und Credit Suisse bei der HSBC mit Kurszielen von 16 und 14 Franken zum Kauf empfohlen werden, werden jene von Julius Bär mit "Hold" und einem Kursziel von 40 Franken eingestuft.

Bleibt bloss zu hoffen, dass sich die Wachstumsambitionen der grossen Schweizer Banken in Asien aus Sicht der Aktionäre nicht eines Tages rächen. Je weniger Baustellen in diesen Tagen offen sind, desto besser.

 

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