Ins UBS-Aktionariat kommt Bewegung

Auffällige Blocktransaktionen bei den Aktien der UBS - Spekulationen bei AMS - Zahlenkranz des Rivalen Travelers lässt bei Zurich Insurance nichts Gutes erahnen - Und: Steht Richemont vor einer Gewinnwarnung?
25.04.2016 15:30
cash Insider
Ins UBS-Aktionariat kommt Bewegung

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Bei der UBS kommt Bewegung ins Aktionariat. Darauf lassen zumindest die schon seit Tagen zu beobachtenden ausserbörslichen Blocktransaktionen schliessen. Alleine am Freitagnachmittag wechselten gleich drei grössere Aktienblöcke die Hand.

Nachdem Knight Vinke Ende Dezember entnervt das Handtuch geworfen hatte, fragt sich manch einer, ob sich der einstige Grossaktionär bei der grösseren der beiden Schweizer Grossbanken nicht doch wieder in Stellung bringt.

Laut eigenen Angaben kontrollierte Knight Vinke vor dem Ausstieg zeitweise mehr als ein Prozent der Aktien. Mittlerweile sind diese knapp 20 Prozent günstiger als Ende Dezember zu haben.

Rund um einen Derivatverfall herum sind ausserbörsliche Blocktransaktionen zwar nichts Ungewöhnliches. Allerdings handelte es sich am Freitag nur um einen kleinen Verfall mit eher unterdurchschnittlichen Handelsaktivitäten. Ganz von der Hand weisen lassen sich die Spekulationen rund um Verschiebungen im Aktionariat deshalb nicht.

Ob die langjährige Forderung von Knight Vinke nach einer Abspaltung des Investment Bankings im Aktionariat endlich auf Gehör stösst, halte ich für unwahrscheinlich. Ein solcher Vorstoss war nie mehrheitsfähig und dürfte es wohl auch nicht werden.

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Heute wird AMS, rund eine halbe Stunde nach Börsenschluss, den Zahlenkranz für das erste Quartal veröffentlichen. So sehr die Umsatz- und Gewinnschätzungen für den Halbleiterhersteller auch auseinandergehen - in einem Punkt sind sich Branchenkenner einig: Grössere Überraschungen sind nicht zu erwarten.

Das Hauptaugenmerk gilt vor allem dem Ausblick für das bereits angelaufene zweite Quartal. Denn nach wachstumsträchtigen Jahren droht dem bei Anlegern einst sehr beliebten Unternehmen erstmals ein Umsatzrückgang. Schuld ist neben dem bis heute nicht offiziell bestätigten Verlust eines Schlüsselauftrags beim Grosskunden Apple auch die harzende Nachfrage nach Smartphones. Unter Ausklammerung der im Herbst bekanntgewordenen Übernahme von CMOSIS geht der für Kepler Cheuvreux tätige Experte von einem um 18 Prozent unter dem Vorjahr liegenden Quartalsumsatz aus. Dank der Firmentransaktion muss AMS vermutlich aber nicht ganz so schwarz malen.

Schon seit Wochen ranken sich Gerüchte rund um das neue iPhone 7 des Grosskunden Apple. Darf man Branchenkreisen Glauben schenken, dann ist diese Gerätegeneration gleich mit zwei Lichtsensoren ausgestattet. Mindestens einer davon könnte aus dem Hause AMS stammen, so mutmasst man bei der MainFirst Bank. Noch müssen sich die Aktionäre des Halbleiterherstellers aus dem österreichischen Unterpremstätten allerdings in Geduld üben, ist diesbezüglich doch frühestens in der zweiten Jahreshälfte mit konkreteren Anhaltspunkten zu rechnen. Meines Erachtens winken bis dahin noch einmal günstigere Einstiegsgelegenheiten.

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An der Börse herrscht im Hinblick auf die Quartalsergebnispräsentation der Zurich Insurance Group vom 12. Mai Nervosität. Übel nehmen kann man das den hiesigen Marktakteuren nicht, enttäuschte der traditionsreiche Versicherungskonzern in den letzten Jahren doch regelmässige die Erwartungen.

Gut möglich, dass Zurich-Chef Mario Greco für die Versäumnisse seines Vorgängers Martin Senn aufkommen und die Reserven stärken muss - mit Folgen für das rechnerische Überschusskapital und damit auch für die zukünftige Dividendenpolitik.

Aufgrund der hohen Abhängigkeit vom amerikanischen Firmenkundengeschäft wird die Zurich Insurance Group gerne für den dortigen Rivalen Travelers in Sippenhaft genommen. So geschehen Ende letzte Woche, als der amerikanische Versicherungskonzern einen überraschend schwachen Zahlenkranz vorlegte. Neben hohen Kosten zur Beseitigung von Unwetterschäden hatte Travelers auch mit Druck auf die Prämienansätze zu kämpfen.

Beides dürfte nicht spurlos an der Zurich Insurance Group vorübergegangen sein. Bleibt für die wenig erfolgsverwöhnten Aktionäre bloss zu hoffen, dass die Börse am 12. Mai getreu dem Motto "sell the rumours - buy the facts" reagieren wird.

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Keine anderen Schweizer Aktien werden von den Banken und ihren Analysten derart häufig empfohlen wie jene von Richemont. Noch immer raten vier von fünf Experten ihrer Anlagekundschaft zum Kauf der Papiere, darunter die Luxusgüteranalystin der UBS. Sie sieht die Aktien des traditionsreichen Luxusgüterkonzerns aus Genf über die kommenden 12 Monate auf 72 Franken klettern.

Offiziell wird Richemont am 20. Mai das Ergebnis für das Fiskaljahr 2015/16 vorlegen. Doch liegt die für die Schweizer Grossbank tätige Expertin mit ihrer Vermutung richtig, dürften die Westschweizer schon in den kommenden Tagen mit ersten provisorischen Zahlen aufwarten.

Unter Berücksichtigung eines ausserordentlichen Gewinns im Zusammenhang mit der Verschmelzung von Net-a-Porter mit Yoox erwartet sie einen im Jahresvergleich um 10,5 Prozent rückläufigen operativen Gewinn (EBIT) von 2,18 Milliarden Euro sowie einen um 77 Prozent höheren Reingewinn von 2,36 Milliarden Euro. Da beide Prognosen unter den jeweiligen Konsensschätzungen liegen, könnte eine vorzeitige Information der Öffentlichkeit durch Richemont als eine Gewinnwarnung verstanden werden.

Die alles entscheidende Frage lautet denn auch: Wieviel einer drohenden Ergebnisenttäuschung spiegelt sich heute schon im Aktienkurs des bei den Banken noch immer sehr beliebten Luxusgüterkonzerns wider?
 

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