Ist der SMI-«Rebound» bloss ein Strohfeuer?

Der cash Insider geht der Frage nach, ob der jüngste Kursrückschlag am Schweizer Aktienmarkt nun ausgestanden ist. Ausserdem erklärt er, was für eine Rolle den hiesigen Bankaktien zukommt.
20.06.2016 12:30
cash Insider
Ist der SMI-«Rebound» bloss ein Strohfeuer?
Bild: fotolia.com

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Der jüngste Rücksetzer kam unerwartet - und er kam äusserst heftig. Just als die Marktauguren dem Swiss Market Index (SMI) einen kräftigen Vorstoss in die Region von 9000 Punkten vorhersagten, gerieten die Kurse auf breiter Front ins Rutschen. Heute, zwei Wochen später und knapp 600 Indexpunkte tiefer, sind diese Stimmen verstummt. Katerstimmung macht sich breit.

Besonders arg erwischte es die Finanzwerte. Die Aktien von EFG International, GAM, VZ Holding, Leonteq und Credit Suisse haben eines gemeinsam: Sie alle haben prozentual zweistellige Kursverluste zu beklagen (siehe Kolumne vom Freitag). Schuld ist - da sind sich zumindest die Medienschaffenden einig - der drohende Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union.

Der schwarze Schwan, das Wappentier des Unheils, war für uns Schweizer bisweilen nur ein Fabelwesen aus der Welt der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Seit gut zwei Wochen sieht man ihn nun aber hoch über der Downing Street in London seine Runden drehen.

Diesem schwarzen Schwan die alleinige Schuld für den Börseneinbruch zu geben, wäre zu einfach. Denn würde nicht das britische Stimmvolk über das Referendum zum Verbleib in der Europäischen Union befinden, die Marktakteure hätten mühelos eine andere Entschuldigung gefunden, sich von ihren Aktien zu trennen.

Nachdem der SMI am vergangenen Donnerstagnachmittag vorübergehend auf 7578 Punkte tauchte, setzte von dort aus eine technisch bedingte Gegenbewegung ein. Dieses Phänomen, Freunde des gepflegten Anglizismus sprechen auch gerne von einem "Rebound", zog sich weit in den Freitag hinein. Allerdings konnte das Börsenbarometer nicht nur die Tageshöchststände nicht halten, er ging an diesem Tag mit einem Plus von gut 1 Prozent sogar in der Nähe des Tagestiefs aus dem Handel.

Nach dem Verlust von 600 Indexpunkten innerhalb kürzester Zeit war dem SMI ein "Rebound" so sicher wie das Amen in der Kirche. Nun fragt sich allerdings: Ist diese Gegenbewegung wirklich nichts weiter als ein Strohfeuer?

Antworten liefert einmal mehr die charttechnische Ausgangslage - wenn auch bloss in Form zweier Szenarien.

Fakt ist: Die langjährige Hausse fand schon im September letzten Jahres ein Ende. Rückblickend durchbrach der gleitende Durchschnitt auf 50 Tage damals jenen auf 200 Tage zu einem "Kreuz des Todes". Nach dem Rückschlag in die Nähe von 7425 Punkten von Mitte Februar kann das Börsenbarometer auf eine Abfolge mehrerer übereinanderliegender Zwischentiefs zurückblicken. Diese Konstellation hätte eigentlich den Haussiers in die Karten gespielt, wäre sie im Zuge des jüngsten Turbulenzen nicht zunichte gemacht worden.

Solange der SMI jedoch seine Mehrjahrestiefststände von Mitte Februar bei 7425 Zählern nicht verletzt, ist eine Fortsetzung der am Freitag begonnenen Gegenbewegung sehr wahrscheinlich. Dabei könnte das Börsenbarometer sogar das im laufenden Monat zwischen 7910 und 7875 Punkten entstandene Luftloch schliessen. Taucht das Börsenbarometer hingegen unter die Schlüsselunterstützung bei 7575 Zählern, droht es in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Einem Anlauf auf die Mehrjahrestiefststände bei 7425 Punkten stünde dann nichts mehr im Wege.

Wichtige Anhaltspunkte erhoffe ich mir wie gewohnt von den hiesigen Bankaktien, wird diesen doch die undankbare Rolle des vorauseilenden Indikators für den breiten Aktienmarkt zuteil. Hier wird sich vermutlich schon in den kommenden Tagen zeigen, ob und wie nachhaltig das Aufbäumen vom Freitag wirklich ist. Aufgrund der zumindest teilweise hausgemachten Problemeist die Aussagekraft der Valoren der Credit Suisse in Frage zu stellen. Die Aktien von UBS und Julius Bär sind womöglich der zuverlässigere Vorausindikator.

Kummer und Sorgen bereitet mir die Börse in New York (siehe Kolumne vom 1. Juni). Denn obschon sich die Gewinnaussichten amerikanischer Unternehmen in den vergangenen Wochen und Monaten eingetrübt haben, liegt der breit gefasste S&P-500-Index noch immer in unmittelbarer Nähe zu seiner bisherigen Bestmarke. Auch die charttechnischen Divergenzen lassen erahnen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Rückschlags zugenommen hat.

Und die Vergangenheit lehrt uns: Hustet die Leitbörse in New York zweimal laut, verschlägt es unseren Schweizer Aktienmarkt mit einer schweren Grippe ins Bett. Diese Gefahr ist nicht zu unterschätzen, schwebt sie doch wie ein Damoklesschwert über unserem Heimmarkt.
 

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