Ist der Startschuss zur Jahresendrally bereits gefallen?

Ein bekannter Stratege bezeichnet das Italien-Referendum als Startschuss für eine Jahresendrally - Und: Wie wahrscheinlich ist ein Gegenangebot bei Actelion?
06.12.2016 12:30
cash Insider
Ist der Startschuss zur Jahresendrally bereits gefallen?
Bild: fotolia.com

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Wie in jedem Jahr stellt sich auch in diesen Tagen wieder die Frage: Setzt in den kommenden Wochen am Schweizer Aktienmarkt endlich die von den Banken und ihren Strategen herbeiersehnte Jahresendrally ein?

Diesmal dürfte der Wunsch nach einer solchen sogar noch grösser sein als sonst, fällt die Zwischenbilanz nach etwas mehr als elf Monaten doch ziemlich ernüchternd aus. Den breit gefassten Swiss Performance Index (SPI) trennen nämlich noch immer gut 5 Prozent vom Stand von Ende Dezember letzten Jahres.

Darf man dem für das Cross Asset Research von Kepler Cheuvreux tätigen Strategen Glauben schenken, dann befinden wir uns bereits inmitten der Jahresendrally. Seines Erachtens ist der Startschuss mit dem - wenn auch unglücklichen - Ausgang des Verfassungsreferendums in Italien gefallen.

Und der Experte hat aus Schweizer Sicht noch eine gute Nachricht: Er erachtet den Kurszerfall bei europäischen Qualitätsaktien wie Nestlé, Roche oder Novartis als nahezu ausgestanden.

Entwicklung des SPI in den letzten Wochen; Quelle: www.cash.ch

Deswegen in Jubel zu verfallen, wäre allerdings voreilig. Der Stratege rät seiner Anlagekundschaft nämlich auch weiterhin von einem Einstieg bei Qualitätsaktien ab und setzt statt dessen auf konjunkturabhängige Aktien und Sektoren. Das liefert auch eine Erklärung, weshalb der Schweizer Aktienmarkt bei Kepler Cheuvreux weiterhin mit "Underweight" eingestuft wird.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: In den letzten sieben Jahren ist der SPI jeweils im November um durchschnittlich 0,78 Prozent und im Dezember sogar um 0,99 Prozent angestiegen. Die stärksten Resultate für den Schlussmonat liegen allerdings schon einige Jahre zurück. In den letzten drei Jahren resultierte im Dezember sogar jeweils ein Minus.

Bleibt dennoch zu hoffen, dass sich die nicht gerade erfolgsverwöhnten Anleger hierzulande auf einen versöhnlichen Jahresausklang freuen dürfen.

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Angeblich hat in den letzten Jahren schon so mancher finanzkräftige Interessent sein Glück bei Actelion versucht - und sich die Zähne an den Allschwilern ausgebissen. Dabei erging es der britischen Shire nicht etwa besser als der amerikanischen Amgen, die vor wenigen Jahren mit der Hilfe des Hedgefonds Elliott eine Palastrevolution anzettelte.

Denn obschon der Konzernchef und Mitgründer Jean-Paul Clozel und seine Frau weniger als 5 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, geht es nicht ohne die beiden. Nicht ohne Grund, werden die Erfolge mit den beiden zukünftigen Schlüsselmedikamenten Opsumit und Uptravi doch hinter vorgehaltener Hand Martine Clozel zugeschrieben. Das macht die Leiterin der Forschungs- und Entwicklungsabteilung zu einem wichtigen Aktivposten von Actelion, wenn nicht gar zum Wichtigsten überhaupt.

Seit vergangener Nacht verdichtet sich, was schon seit Tagen vermutet wird: Neben Johnson & Johnson könnten sich weitere Käufer zu erkennen geben. Ein gern genannter Namen ist der für seinen Übernahmehunger geradezu berüchtigte Pharmakonzern Sanofi. Den Franzosen wird übrigens nicht zum ersten Mal ein Interesse am kleineren Rivalen aus dem Baselbiet nachgesagt. Doch auch Roche und Pfizer werden mittlerweile als finanzkräftige Käufer ins Spiel gebracht.

Kursentwicklung der Actelion-Aktien im heutigen Handelsverlauf; Quelle: www.cash.ch

Interessant ist, dass selten zuvor bei einem sich in Übernahmeverhandlungen befindlichen Unternehmen aus der Schweiz so viele und sich teilweise erst noch widersprechende Informationen in die Medien durchgesickert sind wie bei Actelion. Allerdings lässt sich das im vorliegenden Fall auch mit den unterschiedlichen Interessen der involvierten Parteien erklären.

Dass Johnson & Johnson gerüchteweise zu einer strategischen Beteiligungsnahme und zur Einbringung von Geschäftsaktivitäten in ein gemeinsames Unternehmen bereit wäre, lässt jedenfalls tief blicken. Doch es gibt ein weiteres Argument, das für die Amerikaner und gegen Sanofi oder einen anderen Käufer spricht: In der Vergangenheit übernommenen Firmen werden unter dem Konzerndach unternehmerische Freiheiten gewährt wie bei kaum einem anderen Gesundheitskonzern. Dessen dürften sich das Ehepaar Clozel und ihre langjährigen Mitarbeiter durchaus bewusst sein.

Darüber hinaus verfügt Johnson & Johnson über Auslandsvermögen in geschätzter Höhe von 52 Milliarden Dollar, mehr als die Hälfte davon in bar. Kein anderes der oben genannten Unternehmen verfügt auch nur annähernd über eine derart gut gefüllte Kriegsschatulle. Ein Mitbieter hätte deshalb wohl kein einfaches Spiel.

Anders als in den vergangenen Handelstagen ist in den Call-Warrants bisweilen kaum Kaufinteresse auszumachen. Bei einem bevorstehenden Gegenangebot von Sanofi oder einem anderen Interessenten ginge die Post wahrscheinlich anders ab...

 

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