Ist die Komax-Aktie über 100 Franken wert?

Nach einer Unternehmensaufspaltung wäre die Aktie von Komax mehr als 100 Franken wert – Meyer Burger trotz starken China-Vorgaben unter Druck - Und: Trennt sich die ZKB schon bald von der Ascom-Beteiligung?
13.12.2012 14:00
cash Insider
Ist die Komax-Aktie über 100 Franken wert?
Bild: cash

Schon seit Tagen ist bei den Namenaktien von Komax Kaufinteresse aus dem institutionellen Lager auszumachen. Auslöser ist eine gestern von Helvea veröffentlichte Unternehmensstudie. In der Studie schlägt der für die Genfer tätige Verfasser vehement verteidigende Töne an und bekräftigt sowohl die Kaufempfehlung als auch das Kursziel von 100 Franken.

Zwar streicht der Experte seine Gewinnschätzungen für die Jahre 2012 und 2013 um 23 und 15 Prozent zusammen. Begründet werden diese Anpassungen einerseits mit fehlenden Anzeichen einer baldigen Nachfragebelebung im Solargeschäft und andererseits mit dem Ausbleiben einer materiellen Verbesserung im Medizinaltechnikgeschäft. Auf sein Sum-of-the-Parts-Modell abgestützt hält der Experte dennoch am bisherigen Kursziel fest. Das Modell ergibt einen Wert von über 100 Franken je Aktie, obschon Komax Solar gar nicht und Komax Medtech nur in einem geringen Ausmass beitragen.

 
Dem Experten zufolge werden die Verluste der beiden Problemsparten den operativen Gewinn des Kerngeschäfts im laufenden Jahr um rund die Hälfte schmälern. Sollten die Firmenverantwortlichen die Bereitschaft signalisieren, sich von den beiden Geschäftszweigen zu trennen, sei mit einer Neubeurteilung und -bewertung der Aktien durch den Markt zu rechnen.
 
Bislang macht das Unternehmen keine Anstalten, sich von den beiden Problemkindern zu trennen. Ich gehe mit dem Experten von Helvea einig, dass sich bei Komax mit einer Redimensionierung auf das Kerngeschäft Aktionärswerte schaffen liesse. Vermutlich haben sich nur aufgrund der statutarischen Stimmrechtsbeschränkung von 5 Prozent noch keine Private-Equity-Unternehmen ins Aktionariat eingekauft. Der Druck auf die Firmenverantwortlichen dürfte aber immer mehr zunehmen. Und wer weiss: Vielleicht gewinnt letztendlich ja doch noch die Vernunft.
 
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Seit dem frühen Mittwochnachmittag stehen die Namenaktien von Meyer Burger unter Verkaufsdruck. Wie mir aus dem Berufshandel berichtet wird, drohen die aggressiven Deckungskäufe der letzten Tage zu versanden.
 
Eigentlich müssten die Papiere des im bernischen Gwatt niedergelassenen Solarzulieferunternehmens mit einem Kursfeuerwerk auf die Vorgaben aus Übersee reagieren. Viele chinesische Solaraktien gingen vergangene Nacht mit prozentual zweistelligen Kursgewinnen aus dem US-Handel. Auch die Papiere der beiden Schlüsselkunden Jingli Green und Trina Solar haussierten um 18,2 und 10,3 Prozent.
 
Auslöser des Kursfeuerwerks ist ein neues Subventionsvorhaben der chinesischen Regierung in die heimische Solarindustrie. Letztere leidet schon seit Monaten unter Überkapazitäten, einem dadurch nahezu ruinösen Preiskampf unter den Anbietern sowie unter von den USA eingeführten Importzöllen.
 
Für Meyer Burger sind die Pläne Pekings grundsätzlich ermutigend, erzielte der einstige Börsenliebling in den vergangenen Jahren zeitweise doch rund 80 Prozent des Umsatzes in der Volksrepublik. Ob die Subventionen dem Solarzulieferunternehmen aus der Auftragsflaute verhelfen, wird sich allerdings zeigen müssen. Denn Überkapazitäten sind noch immer reichlich vorhanden und viele potenzielle Kunden finanziell zu schwach auf der Lunge, um in neue Produktionsanlagen investieren zu können.
 
Dazu kommt, dass Meyer Burger im laufenden Jahr ausserordentliche Abschreibungen auf nicht werthaltigen Aktiven wie dem für die Übernahme von Roth & Rau aktivierten Goodwill sowie auf Lagerbeständen drohen. Den Aktionärinnen und Aktionären werden damit wohl auch in Zukunft gute Nerven sowie eine hohe Risikofähigkeit und -bereitschaft abverlangt.
 
Ein Wort noch zu den in den vergangenen Wochen immer wieder öffentlich gefeierten Plänen der Firmenverantwortlichen, in neue Märkte vorzustossen: Eine solche Offensive ist im ersten Moment vor allem mit hohen Investitionen verbunden. Und ob das Unternehmen solche aufgrund der angespannten finanziellen Situation einfach so zu stemmen vermag, wage ich zu bezweifeln.
 
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Für die Zürcher Kantonalbank verkommt die an Ascom gehaltene Beteiligung immer mehr zur unendlichen Geschichte. Seit die Staatsbank das Aktienpaket im Frühjahr 2007 von der österreichischen Beteiligungsgesellschaft Victory übernommen hat, kontrolliert sie gut 26 Prozent am Berner Technologieunternehmen.
 
In den vergangenen Jahren wurden am Markt immer mal wieder Spekulationen laut, wonach sich die Zürcher Kantonalbank von der Beteiligung trennen werde. Es blieb allerdings bei Spekulationen.
 
In einem Kommentar der UBS lese ich heute, dass der Verfasser im Laufe des nächsten Jahres einen Beteiligungsverkauf an einen strategischen Investor für möglich hält. Unter einem neuen strategischen Investor könnten sich die Ertragsaussichten von Ascom weiter aufhellen, so ist sich der Experte sicher.
 
Ascom könnte 2013 auch in anderer Hinsicht für eine Überraschung gut sein, geht doch auch von einem möglichen Verkauf des Problemkinds Network Testing Fantasie aus. Veränderungen im Aktionariat könnten diesen Prozess zusätzlich beschleunigen.