Ist die Kurserholung bei der Credit-Suisse-Aktie gerechtfertigt?

Eine wenig überzeugende Firmenpräsentation stellt die Kurserholung bei den Aktien der Credit Suisse in Frage - Und: MainFirst Bank bricht eine Lanze für die vernachlässigten Aktien von Helvetia.
02.09.2016 12:30
cash Insider
Ist die Kurserholung bei der Credit-Suisse-Aktie gerechtfertigt?
Bild: fotolia.com

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Spiel, Satz und Sieg für Tidjane Thiam im Spiel gegen ausländische Leerverkäufer. Obschon der Konzernchef der Credit Suisse in seiner Freizeit vermutlich eher auf dem Golf- als auf dem Tennisplatz anzutreffen ist, hat er es den feindlich gesonnenen Hedgefonds in den vergangenen Wochen so richtig gezeigt.

Anfang Juli gaben sich diese noch siegessicher. Und das nicht ohne Grund: Schliesslich gelang es ihnen sogar, den Aktienkurs der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken in den einstelligen Frankenbereich zu drücken. Tatkräftige Unterstützung erhielten die Leerverkäufer damals vom für Bernstein Research tätigen Bankenanalysten. In den Tagen rund um die Tiefststände herum nahm er die Erstabdeckung der Aktien mit "Underperform" und einem Kursziel von gerade mal 6 Franken auf. Gleichzeitig pries er Anlegern diese als "strukturellen Leerverkauf" an (siehe Kolumne vom 12. Juli).

Doch die Freude sollte nicht lange währen. So waren die Aktien nur am 6. und dann noch einmal kurz am 8. Juli für weniger als 10 Franken zu haben. In den letzten Tagen kosteten sie zeitweise wieder mehr als 13 Franken.

Ein mysteriöser Käufer von Aktien der Credit Suisse musste sich gegenüber der Schweizer Börse SIX noch vor Ende August zu erkennen geben. Seither wissen wir, dass die Capital Group ihre Beteiligung in den Wochen zuvor von 3,01 auf 5,05 Prozent ausgebaut hat. Damit löst der amerikanische Vermögensverwalter den Substanzinvestor Franklin Resources ab. Letzterer hatte sich erst Ende Juli aus dem Aktionariat der Schweizer Grossbank zurückgezogen.

Wie mir berichtet wird, ist in den vergangenen Tagen einiges an Geld in die europäischen Bankaktien zurückgeflossen - auch in die Valoren der Credit Suisse. In der Folge seien neben den Leerverkäufern auch viele unterinvestierte Institutionelle gezwungen gewesen, kräftig Aktien zuzukaufen, so heisst es weiter.

Wenn ich mir die Rückmeldungen einer In-House-Präsentation der Schweizer Grossbank bei Kepler Cheuvreux so anhöre, dann frage ich mich allerdings, ob diese Kurserholung wirklich gerechtfertigt ist. So richtig scheinen die entsandten Firmenvertreter die Teilnehmer nämlich nicht überzeugt zu haben.

Auch nach seinem Triumpf über die Leerverkäufer wartet noch immer eine ganze Menge Arbeit auf Konzernchef Tidjane Thiam und seine Gefolgsleute. Wer heute Aktien der Credit Suisse kauft, muss jedenfalls starke Nerven und viel Geduld haben.

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Am Schweizer Aktienmarkt ist in den letzten Tagen eine Jagd nach zurückgebliebenen Nebenwerten entbrannt. Als zurückgeblieben gelten unter anderem die einst sehr beliebten Aktien von Helvetia.

In einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank bricht der Autor denn auch wenig überraschend eine Lanze für den Versicherungskonzern und seine Papiere. Offiziell werden Letztere schon eine ganze Weile mit "Outperform" und einem Kursziel von 600 Franken zum Kauf empfohlen.

Die seit Jahresbeginn unterdurchschnittliche Kursentwicklung wird im Kommentar einerseits auf die auf Volumenwachstum ausgerichteten Mittelfristziele und andererseits auf Anhaltspunkte für einen strategischen Einstieg bei Leonteq zurückgeführt.

Der Verfasser des Kommentars rechnet kommenden Montag mit einem soliden Zahlenkranz für die erste Jahreshälfte. Allerdings macht er keinen Hehl daraus, dass die Aktien womöglich erst dann in Fahrt kommen, wenn die Zweifel in Bezug auf die Mittelfristziele und die Akquisitionspolitik ausgeräumt seien.

Meines Erachtens müsste die Kursentwicklung der Papiere von Helvetia eher mit jener der anderen Schweizer Versicherungsaktien und nicht mit den Nebenwerten als Ganzes verglichen werden. Diesbezüglich fällt die Entwicklung nämlich sehr viel weniger aus dem Rahmen.

 

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