Ist die SNB wirklich am Ende ihres Lateins?

Die Commerzbank wähnt die Schweizerische Nationalbank mit ihrem Negativzins auf verlorenem Posten - Und: Kann Aryzta wenigstens mit dem zukünftigen Verwaltungsratspräsidenten punkten?
15.09.2016 12:30
cash Insider
Ist die SNB wirklich am Ende ihres Lateins?
Bild: fotolia.com

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Das Verhältnis der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zur Öffentlichkeit trägt zunehmend die Symptome einer Ehekrise. Man trifft sich zwar noch zu Pressekonferenzen zur geldpolitischen Lagebeurteilung oder anlässlich von Vorträgen. Tatsächlich aber lebt man schon seit geraumer Zeit aneinander vorbei. Die Kluft zwischen Geldpolitik und Bürgern wird tiefer und tiefer - nicht das nur in der Schweiz, in ganz Europa.

Mit jeder Milliarde, mit welcher die Bilanz der SNB anschwillt, wächst die öffentliche Kritik an Thomas Jordan und seinen beiden Direktoriumsmitgliedern. Insbesondere zwei Währungsstrategen müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, den Hangrutsch auf Seiten der Bürger weiter zu beschleunigen.

Da wäre zum einen die für ABN Amro tätige Expertin. Sie sieht im Zuge der zuletzt starken Entwicklung der Wirtschaftsleistung in der Schweiz ein zentrales Argument für Devisenkäufe wegfallen und lässt durchblicken, dass die SNB den Dingen freien Lauf lassen sollte (siehe Kolumne vom 12 September). Und zum anderen wäre da noch ihr Berufskollege von der Commerzbank. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und wähnt die Schweizer Währungshüter am Ende ihres Lateins.

Aufgrund von Berichten über eine steigende Versicherungsnachfrage für Bargeldbestände folgert der Stratege, dass Schweizer Unternehmen zur Vermeidung von Negativzinsen ganz offensichtlich erhebliche Teile ihrer liquiden Mittel in Form von Banknoten halten. Der Experte vergleicht die Zustände mit jenen in einem schlechten Western und hält sie nicht eines hochentwickelten Industrielandes für würdig. Harsche Worte also, die es aus dem nördlichen Nachbarland hagelt.

Für den Währungsstrategen steht deshalb fest: Jede weitere Zinssenkung würde die Bargeldhortung nur noch weiter anheizen und damit ins Leere laufen. Aufgrund dieser Erkenntnis und der weiterhin rasant steigenden Fremdwährungsreserven hätten die Währungshüter einem neuen Aufwertungsdruck des Frankens nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen, so die vernichtende Analyse des Experten.

Rückblickend hat sich die kleine SNB in eine direkte Abhängigkeit zur Europäischen Zentralbank (EZB) und ihrer Politik des billigen Geldes hineinmanövriert. Ihr dafür die Schuld zuzuschieben, wäre allerdings etwas gar verwegen. Schliesslich war sie aufgrund der starken wirtschaftlichen Verflechtung der Schweiz mit Europa von Beginn weg in ihren Möglichkeiten beschränkt.

Bleibt zu hoffen, dass die EZB im Dezember nicht ein weiteres unrühmliches Kapitel in ihrer Geldpolitik öffnet und die SNB so zum Handeln zwingt.

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Schon seit Wochen sind die Banken und ihre Analysten hierzulande auf der Suche nach im Kurs zurückgebliebenen Nebenwerten. Noch nicht so richtig wiederentdeckt wurden bis zuletzt die Aktien von Aryzta. Anleger sind zwar wieder bereit, 13 Prozent mehr als noch Ende Juni für diese zu bezahlen. Dennoch ist der Backwarenhersteller aus Zürich an der Börse noch immer nur ein Schatten seiner selbst.

Am Montag in einer Woche wartet das Unternehmen endlich mit dem Zahlenkranz für das Fiskaljahr 2015/16 auf. Nach mehreren Ergebnisenttäuschungen in Folge gelten die Analystenerwartungen alles andere als ambitioniert.

Darf man dem für Kepler Cheuvreux tätigen Analysten Glauben schenken, dann wird Aryzta der Öffentlichkeit an diesem Tag auch gleich den Nachfolger des altershalber ausscheidenden Verwaltungsratspräsidenten Denis Lucey präsentieren. Übernimmt ein profunder Branchenkenner, könnte das zumindest einige ausländische Leerverkäufer dazu veranlassen, ihre noch immer umfangreichen Wetten gegen die Aktien von Aryzta zu überdenken. Eine weitere Gelegenheit erhält das Unternehmen anlässlich des diesjährigen Investorentages vom 6. Oktober, diese ungeliebten Marktakteure zur Aufgabe zu zwingen.

Nicht zuletzt aufgrund des noch immer hohen Goodwills - eine Altlast der aggressiven Akquisitionspolitik vergangener Tage - bleiben die Valoren womöglich auch in Zukunft ein beliebter Spielball ausländischer Spekulanten.

 

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