Ist die Transocean-Aktie jetzt ein Kauf?

Der cash Insider geht der Frage nach, ob die Aktien von Transocean unter 10 Franken ein Kauf sind - Und: Nerven der Aktionärsgruppe um Teleios werden bei Vögele auf eine harte Probe gestellt.
15.01.2016 12:30
cash Insider
Ist die Transocean-Aktie jetzt ein Kauf?

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Es ist nicht alltäglich, dass ein milliardenschweres Unternehmen an der Börse in die Knie gezwungen wird. Dem Ölförderkonzern Transocean kann man in diesen Tagen regelrecht dabei zuschauen. Einst frenetisch als Spezialität am Schweizer Aktienmarkt gefeiert, tauchten die Aktien gestern erstmals in den einstelligen Frankenbereich ab. Prompt trat dies limitierte Verkaufsaufträge los, so wird mir berichtet.

Die Talfahrt beim Rohöl stellt den Auftragsförderer vor immense Herausforderungen. Denn seine Stärken liegen bei der Ölförderung auf hoher See, und die ist für die Auftraggeber schon seit Monaten defizitär. Stummer Zeuge ist der Rückzug von gleich zwei bekannten Grosskunden aus bestehenden Verträgen gegen eine Einmalzahlung.

Mich amüsiert das Rätselraten um den Preiszerfall beim Rohöl immer wieder, liegen die Gründe für diesen doch auf der Hand: Die vorwiegend in harten Dollar verschuldeten Schwellenländer sind dringender denn je auf Devisen angewiesen. Die erdölexportierenden unter ihnen verschaffen sich durch den Verkauf von Ölbeständen Luft. Je tiefer die Preise, desto grösser der Druck - und je grösser der Druck, desto weiter öffnen sich die Schleusen. Ein tödlicher Teufelskreis, aus dem es auch für Auftragsförderer wie Transocean de facto kein Entrinnen gibt.

Auf den ersten Blick sind die Aktien regelrecht ein Schnäppchen. Nach drei überraschend soliden Zahlenkränzen in Folge errechnet sich auf Basis der aktuellen Konsensschätzungen gerademal ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 4. Sofern sich der Rohölpreis nicht substanziell erholt - er müsste sich quasi verdoppeln - ist über die nächsten Jahre mit einer Gewinnerosion zu rechnen. In Kombination mit der hohen Fremdverschuldung und der alternden Förderflotte ist das eine Wette, welche aus Anlegersicht auch bei Kursen unter 10 Franken schlichtweg nicht zu gewinnen ist.

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"Aktiengewinne sind Schmerzensgeld. Zuerst kommt der Schmerz, dann das Geld!", pflegte der schon vor Jahren verstorbene Börsenfuchs André Kostolany einst zu sagen.

Die Aktionäre des traditionsreichen Modekonzerns Charles Vögele warten bis heute auf das Geld. Was bleibt ist der Schmerz - und der steigt langsam aber sicher ins Unerträgliche.

Seit gestern schneit es zwar auch im Flachland. Nach einem rekordverdächtig milden Dezember setzt der Wintereinbruch jedoch zu spät ein, um dem hiesigen Detailhandel aus der Bredouille helfen zu können. Vielerorts ist die Winterbekleidung schon seit Wochen stark heruntergeschrieben.

Deshalb verhinderte selbst der Schnee von gestern nicht, dass die Aktien von Charles Vögele in die Nähe der bisherigen Tiefststände rutschten. Obschon die Kursverluste von 7 Prozent und mehr im weiteren Tagesverlauf eingegrenzt werden konnten, resultiert alleine seit Mitte November ein sattes Minus von 25 Prozent.

Schuld ist unter anderem die Gewinnwarnung von Ende November, als der Modekonzern einräumen musste, dass für 2015 mit einem Umsatzrückgang und einem negativen operativen Gewinn (EBITDA) in einstelliger Millionenhöhe zu rechnen sei.

Die Aktionärsgruppe um den Teleios Global Opportunities Master Fund mit Sitz auf den Cayman Islands bewies damals Mut und stockte ihren Stimmenanteil auf 15,02 Prozent aus. So richtig behagen wird dem Grossaktionär der Kurszerfall der letzten Wochen vermutlich jedoch nicht.

Sein Interesse könnte dem Liegenschaftenportfolio von Charles Vögele gelten. Schliesslich wird dessen Wert im Berufshandel höher geschätzt als die derzeitige Börsenkapitalisierung des Modekonzerns.

Fragen bleiben im Zusammenhang mit dem im April fällig werdenden Konsortialkredit. Gut möglich, dass die Banken zusätzliche Sicherheiten einverlangen und sich des Liegenschaftenportfolios behändigen werden.

Finanzinvestoren kamen und gingen bei Charles Vögele. Geld haben womöglich nur die wenigsten verdient. Wenn selbst finanzkräftige und einflussreiche Grossaktionäre sich die Zähne an einem dem Publikum geöffneten Unternehmen ausbeissen, dann die Privatanleger erst recht. Ich bleibe den Aktien deshalb weiterhin fern und lege meinen Leserinnen und Lesern nahe, es mir gleichzutun.
 

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