Ist Sulzer überhaupt noch glaubwürdig?

Die Firmenverantwortlichen von Sulzer haben ein ernstes Problem mit der Glaubwürdigkeit – Logitech droht Konkurrenz durch Apple – Und: An wen ging die von der UBS an Schmolz + Bickenbach gehaltene Beteiligung?
17.10.2013 12:30
cash Insider
Ist Sulzer überhaupt noch glaubwürdig?

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Die Namenaktien von Sulzer geraten heute Donnerstag unter starken Verkaufsdruck. Nach der Ergebnisenttäuschung von Ende Juli kriegen die Aktionäre des Winterthurer Traditionsunternehmens eine weitere eiskalte Dusche ab: Entgegen anders lautenden Beteuerungen hat sich die Auftragslage während des zurückliegenden dritten Quartals weiter eingetrübt.

Die Firmenverantwortlichen sehen sich deshalb zu einer Reduktion der Gesamtjahresprognosen veranlasst. Das Unternehmen rechnet neu mit einer EBIT-Marge von über 8 Prozent bei einer gegenüber dem Vorjahr gehaltenen Umsatzentwicklung. Davon lässt sich ein EBIT von gut 340 Millionen Franken ableiten. Nach den einschneidenden Abwärtskorrekturen nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen müssen die Analysten erneut den Rotstift ansetzen, scheinen die diesjährigen Konsensschätzungen doch noch immer um 10 bis 15 Prozent zu hoch.

Im Berufshandel fragt man sich mittlerweile, ob Sulzer überhaupt noch glaubwürdig sei. Denn trotz einem ziemlich ernüchternden Geschäftsgang in der ersten Jahreshälfte hielten die Firmenverantwortlichen Ende Juli unbeirrt an den Gesamtjahresprognosen fest. Und noch bis vor wenigen Wochen versprühte das Unternehmen auf Road-Shows Zuversicht.

Umso ernüchternder sind die heutigen Neuigkeiten: Nur gerade Sulzer Metco wurde den Markterwartungen im dritten Quartal gerecht. Und diese Tochter steht bekanntlich zum Verkauf. Der Auftragseingang bei Sulzer Pumps brach gegenüber dem vorangegangenen Quartal um 22 Prozent ein und verfehlte die Erwartungen damit um 13 Prozent. Sulzer Pumps ist für gewöhnlich für gut die Hälfte des Jahresumsatzes verantwortlich.

An der ausserplanmässig einberufenen Analystenkonferenz von heute Morgen mussten sich die Firmenverantwortlichen vermutlich die eine oder andere unangenehme Frage gefallen lassen.

Die Analysten sind mit ihrer Geduld zusehends am Ende. Mit der UBS nimmt ein erstes Bankinstitut das «Neutral» lautende Anlageurteil und das 12-Monats-Kursziel von 145 Franken in negative Revision. Mit anderen Worten: Der verantwortliche Experte prüft mittlerweile sogar, eine Verkaufsempfehlung für die Aktien auszusprechen.

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Seit das Kultunternehmen Apple für den kommenden Dienstag zur Präsentation neuer Produkte eingeladen hat, liegen die Namenaktien von Logitech im Angebot. Im Berufshandel wird befürchtet, dass die Amerikaner nicht nur mit der neusten iPad-Generation, sondern auch gleich noch mit den dazugehörenden Peripheriegeräten aufwartet.

Ein Vorstoss von Apple in den Markt für Peripheriegeräte wäre für Logitech und andere Anbieter verheerend. Denn die Kundschaft der Amerikaner gilt in Branchenkreisen als so markentreu wie bei keinem anderen Unternehmen.

Einem Kommentar aus dem Aktienhandel der UBS Investment Bank entnehme ich, dass Logitech alleine mit Tastaturen für den iPad jährlich 100 Millionen Dollar umsetzt, was 5 Prozent des Gruppenumsatzes entspricht.

Sofern Apple jedoch nicht in den Markt für Peripheriegeräte vorstösst, ergäben sich bei den Aktien von Logitech kommende Woche jedoch interessante Einstiegsgelegenheiten. Denn die Firmenverantwortlichen liessen in der jüngeren Vergangenheit durchblicken, dass der Turnaround immer mehr Formen annehme. Alleine schon ein Quartalsergebnis im Rahmen der Erwartungen könnte den Baissiers weiter den Wind aus den Segeln nehmen.

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Gemäss einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX ist die von der UBS an Schmolz + Bickenbach gehaltene Beteiligung vor Wochenfrist unter den meldepflichtigen Schwellenwert von 3 Prozent gefallen. Nur wenige Tage zuvor hielt die Schweizer Grossbank noch Erwerbspositionen im Umfang von 27,4 Prozent.

Im Berufshandel hat diese Beteiligungsveränderung Spekulationen entfacht, wonach die Aktionärsgruppe bestehend aus der Gründerfamilie und Viktor Vekselberg ihre Macht im Aktionariat des Innerschweizer Edelstahlherstellers weiter festigen konnte.

Schmolz + Bickenbach konnte anlässlich der kürzlichen Kapitalerhöhung etwas mehr als 825 Millionen Namenaktien platzieren. Die 1,6 Millionen nicht bezogenen Aktien übernahm das mit der Kapitalmarkttransaktion beauftragte Bankensyndikat.

Da die UBS dieses Bankensyndikat anführte, überraschen mich die Offenlegungsmeldungen der letzten Wochen nicht sonderlich.