Jagd auf Tech-Aktien geht weiter

Weshalb die Charttechniker von Julius Bär dem amerikanischen Nasdaq-100-Index noch so einiges zutrauen - Und: Kauf eigener Aktien durch den CEO von Transocean nur ein halbherziges Bekenntnis.
05.12.2014 12:30
cash Insider
Jagd auf Tech-Aktien geht weiter

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Nur den wenigsten meiner Leserinnen und Leser dürfte das Platzen der Technologieblase im Frühjahr 2000 noch in Erinnerung sein. Eventuell offenbart sich beim Blick auf den aktuellen Depotauszug die eine oder andere wertlose "Depot-Leiche" aus alten Zeiten, damit hat es sich dann aber auch schon.

Dass wir die unangenehmen Ereignisse schnell und gerne verdrängen, liegt vermutlich in der Natur des Menschen. Das gilt auch für den rasanten Anstieg des viel beachteten Nasdaq-100-Index, der für viele Anleger in einem finanziellen Desaster endete. Nachdem das Börsenbarometer bei 4816 Punkten auf einen neuen Rekordstand geklettert war, brach es innerhalb von gerade mal zwei Jahren um über 80 Prozent ein.

Es sollte nahezu 15 Jahre dauern, bis es der Nasdaq-100-Index in die Nähe seiner Höchststände zurückschaffte. Und obschon sich das Börsenbarometer seit März 2007 mehr als vervierfacht hat, trennen es noch immer knapp 500 Punkte oder knapp 10 Prozent vom damaligen Rekord.

Viele während der Euphorie hochgefeierte Anlegerlieblinge gibt es heute gar nicht mehr, andere sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Neue Unternehmen sind im Laufe der Zeit hinzugekommen und gehören heute an der amerikanischen Leitbörse zu den treibenden Kräften der ins sechste Jahr gehenden Hausse. Heutige Indexschwergewichte wie Google oder Facebook waren damals noch gar nicht gegründet, und das Kultunternehmen Apple war bestenfalls unter "ferner liefen" zu finden.

Geht es nach den Charttechnikexperten von Julius Bär, dann ist der jüngste Höhenflug beim Nasdaq-100-Index noch lange nicht zu Ende. Relativ betrachtet wähnen sie den Anstieg dieses Börsenbarometers erst in der Halbzeit.

In ihrem aktuellen Kommentar warten die Verfasser diesbezüglich denn auch mit einer ganzen Menge an Zahlenmaterial auf. Ins Verhältnis zum breiter gefassten S&P-500-Index gesetzt, errechnen die Experten ein Aufwärtspotenzial von 40 Prozent zum damaligen Rekordstand, im Verhältnis zu den amerikanischen Staatsanleihen sogar ein Aufwärtspotenzial von 155 Prozent. Am extremsten fällt aber der Vergleich zum Gold aus. Dieses würde sogar noch einmal eine Vervierfachung des Börsenbarometers zulassen, so heisst es bei Julius Bär.

Für die Charttechnikexperten der Zürcher Traditionsbank steht deshalb fest: Der Nasdaq-100-Index wird seinen Anstieg im weiteren Jahresverlauf ungebremst fortsetzen und die Höchststände aus dem Jahr 2000 anpeilen.

Und um ihrer Meinung Nachdruck zu verleihen, erhöhen die Verfasser des Kommentars auch gleich noch ihre Haltung für den amerikanischen Halbleitersektor auf "Overweight". Aktien aus den für den Nasdaq-100-Index wichtigen Branchen Biotechnologie, Technologie und Software werden bereits seit Ende August mit "Overweight" empfohlen.

An dieser Stelle möchte ich noch schnell auf die Meinung derselben Experten zum Thema Energiesektor zu sprechen kommen. Nach dem jüngsten Ölpreiszerfall sehen sie sich an die Situation von 1986 zurückerinnert. Der Anlagekundschaft wird deshalb davon abgeraten, bei Aktien aus diesem Bereich ins "fallende Messer" zu greifen. Noch befinde sich der Energiesektor auf dem Rückzug, so ist im Kommentar nachzulesen.

Erst vor vier Wochen wagten die Charttechniker von Julius Bär sogar einen Vergleich mit den Neunzigerjahren. Mit dem aktuellen Kommentar schlagen die Experten mehr oder weniger in dieselbe Kerbe. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Geschichte knapp 15 Jahre nach Platzen der letzten Technologieblase nicht wiederholt. Meinungen wie die der Zürcher Traditionsbank stimmen mich zumindest nachdenklich.

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Es gibt Momente, da läuft für ein Unternehmen einfach alles schief, was nur schieflaufen kann. Am Schweizer Aktienmarkt trifft das vor allem auf Transocean zu. Das in Zug beheimatete Ölserviceunternehmen befindet sich inmitten eines "perfekten Sturms", wie eine solche Abfolge negativer Entwicklungen im Berufshandel auch gerne genannt wird.

Anfang November musste Transocean die Veröffentlichung des Zahlenkranzes für das dritte Quartal vertagen. Der Grund: Das Unternehmen sah sich zu ausserordentlichen Goodwillabschreibungen im Umfang von 2 Milliarden Dollar sowie zu weiteren Wertberichtigungen auf der Förderflotte von weiteren knapp 800 Millionen Dollar gezwungen.

Zu den hausgemachten Problemen wie der veralteten Förderflotte und Überkapazitäten gesellen sich immer mehr auch branchenspezifische Herausforderungen. Viele auf die Förderung auf offener See spezialisierte Ölserviceunternehmen haben in den letzten Jahren ihre Kapazitäten ausgebaut. Der seit Mitte Juni beobachtete Ölpreiszerfall hat sich nach dem kürzlichen Nullentscheid der Opec noch einmal beschleunigt, was die Ölförderung auf hoher See vom finanziellen Standpunkt her uninteressant macht.

Sollte der Ölpreis auf dem aktuellen Stand bleiben oder sogar noch fallen, ist das auf die Förderung in grosser Meerestiefe ausgerichtete Geschäftsmodell von Transocean kaum mehr überlebensfähig.

Für Schlagzeilen sorgte am Montag Steven Newman. Gemäss einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX baute der CEO und Verwaltungsratspräsident seine Beteiligung um 9800 auf 109'000 Aktien aus.

Mit einem Gesamtwert von 193'000 Franken hält sich die Signalwirkung dieser Transaktion für die Märkte allerdings in Grenzen. Wer dem widersprechen will, dem sei gesagt, dass Newman im letzten Jahr für seine Tätigkeit umgerechnet 4,7 Millionen Franken kassierte.

Der CEO und Verwaltungsratspräsident von Transocean muss sich damit den Vorwurf gefallen lassen, dass das Bekenntnis zum Arbeitgeber und seinen Aktien nur halbherzig daherkommt. Kein Wunder also, befinden sich die Papiere des einstigen Börsenlieblings weiterhin auf Talfahrt.