Jemand von AMS nimmt gehörig Geld vom Tisch

Ein Geschäftsleitungsmitglied von AMS macht Kasse - Aktien von Emmi werden erneut vehement verteidigt - Und: Kursschwäche beim Börsendebütanten Wisekey gibt Rätsel auf.
13.12.2016 12:30
cash Insider
Jemand von AMS nimmt gehörig Geld vom Tisch
Bild: fotolia.com

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Als Ende Oktober beim Sensorenhersteller AMS eines oder mehrere Geschäftsleitungsmitglieder Aktien des eigenen Unternehmens kauften, war das vor allem eines: ein Warnschuss vor den Bug ausländischer Leerverkäufer.

Im Zuge einer weiteren Umsatz- und Gewinnwarnung und der nicht unumstrittenen Übernahme des Rivalen Heptagon wähnten sich die Leerverkäufer bis dorthin auf der sicheren Seite. Doch der Kauf von einmal 20'000 Aktien zu Kursen um 26 Franken und einmal 500 Aktien zu Kursen knapp unterhalb von 23 Franken verfehlten ihre Wirkung nicht (siehe Kolumne vom 27. Oktober). Liefen Ende Oktober dem Beratungsunternehmen Markit zufolge noch Wetten im Umfang von 12,4 Prozent der ausstehenden Aktien gegen AMS, waren es gut vier Wochen später noch 11,7 Prozent. Seither dürften die Leerverkäufer noch einmal etwas Geld vom Tisch genommen haben.

Kursentwicklung der AMS-Aktien während den letzten Tagen; Quelle: www.cash.ch

Wie eine Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX nun aber zeigt, hat sich in den letzten Tagen ein Geschäftsleitungsmitglied von 100'000 Aktien im Gegenwert von mehr als 3 Millionen Franken getrennt. Mehr als ein Jahr ist es her, dass Mitarbeiter des Unternehmens als Verkäufer eigener Aktien in Erscheinung getreten sind. Die letzte Transaktion in dieser Grössenordnung geht sogar bis in den Mai vor einem Jahr zurück, als die Kursnotierungen noch bei über 50 Franken lagen.

Mit einem Umsatz zwischen 127 und 134 Millionen Euro und einer operativen Marge auf Stufe EBIT von 11 bis 13 Prozent hängt man sich die Messlatte für das Weihnachtsquartal bei AMS niedrig. Die Analystenerwartungen liegen in der jeweils oberen Hälfte dieser beiden Zielbandbreiten.

Umso mehr macht es hellhörig, wenn sich ein Geschäftsleitungsmitglied nur wenige Wochen vor Jahresende im vorliegenden Umfang von eigenen Aktien trennt. Was den Zahlenkranz für das Weihnachtsquartal anbetrifft, so müssen sich die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionäre noch bis Anfang Februar in Geduld üben - in der Hoffnung, dass ihnen dann eine weitere böse Überraschung erspart bleibt.

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Vorbei ist die Zeit, als Emmi der Ruf des trägen und ewiggestrigen Milchverarbeiters anhaftete. Die Aktien des Unternehmens aus der Innerschweiz zählen an der Schweizer Börse SIX zu den Überfliegern der letzten Jahre.

Wenn sich heute schon etwas abschliessend sagen lässt, dann dies, dass sich auch im laufenden Jahr nichts meckern lässt. Denn obschon die bei Anlegern und Analysten gleichermassen beliebten Papiere heute knapp 14 Prozent günstiger als noch im August zu haben sind, errechnet sich seit Jahresbeginn noch immer ein sattes Plus von 30 Prozent.

In Expertenkreisen gibt man sich damit aber nicht zufrieden. Erst vor wenigen Wochen meldete sich der für die MainFirst Bank tätige Analyst zu Wort. Die Ertragsaussichten seien unvermindert intakt, weshalb der Kursrücksetzer übertrieben sei, so liess er gegenüber seinen Kunden durchblicken. Folglich hält der Experte sowohl am "Outperform" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 850 Franken fest.

Ähnlich äussert sich nun sein Berufskollege von der UBS. Auch er bekräftigt seine Kaufempfehlung für die Aktien von Emmi und traut diesen über die nächsten zwölf Monate einen Anstieg auf 720 Franken zu. Treffen seine Einschätzungen zu, ist das Ende der Fahnenstange bei den Margen noch lange nicht erreicht.

Auch wenn es den beiden Analysten nicht gefallen dürfte, so zeigt Emmi sehr eindrücklich, dass die Börse selbst bei beliebten Nebenwerten keine Einbahnstrasse ist.

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Eigentlich hätte das Cybersecurity-Unternehmen Wisekey aus Genf sämtliche Zutaten für eine Erfolgsgeschichte. Doch es sollte alles ganz anders kommen: Schon der erste Handelstag im März dieses Jahres war gelinde gesagt ein Desaster. Nach einem erstbezahlten Kurs von 12 Franken ging es nur noch nach unten. Bei Börsenschluss resultierte schliesslich ein Minus von über 50 Prozent.

Kursentwicklung der Aktien von Wisekey seit dem Börsendebüt von Ende März; Quelle: www.cash.ch

Obwohl Wisekey schon seit Wochen beinahe täglich mit neuen Partnerschaften oder Übernahmen aufwartet, haben sich die Aktien nie mehr von diesem anfänglichen Schock erholt. Der von den Firmenvertretern im Vorfeld der Publikumsöffnung genannte faire Aktienpreis von 15 Franken erweist sich immer mehr als reines Wunschdenken. Dasselbe gilt für den von Research Dynamics in einer vom Unternehmen selber in Auftrag gegebenen Studie errechneten fairen Wert von 14,90 Franken je Aktie (siehe Kolumne vom 29. August).

Die in den vergangenen zwei Handelstagen beobachtete Kursschwäche gibt  Rätsel auf. Eigentlich kommen fast nur die Altaktionäre als Verkäufer in Frage...
 

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