Jetzt auf die SMI-Verlierer setzen?

Der cash Insider sagt, welche Aktien aus dem Swiss Market Index saisonalen Bereinigungsverkäufen zum Opfer fallen könnten - und ob sich ein Einstieg für Anleger lohnt.
15.12.2014 12:30
cash Insider
Jetzt auf die SMI-Verlierer setzen?

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

"Same procedure as every year, Miss Sophie?", fragt Butler James seine Arbeitgeberin, eine reizende alte britische Dame, jedes Jahr aufs Neue. Und stets lautet die Antwort: "Please, James!".

In gut zwei Wochen wird diese Eröffnungsszene aus der bekannten TV-Produktion "Dinner for One" an Silvester wieder über die Fernsehbildschirme flimmern. Auch in diesem Jahr werde ich gemeinsam mit meiner Familie und mit Freunden dieses kultige Ereignis wieder über mich ergehen lassen.

Bis dahin wird sich am Schweizer Aktienmarkt ebenfalls ein jährlich wiederkehrendes Schauspiel zutragen, wenn sich grosse Marktakteure in letzter Minute noch rasch von Aktien mit einer katastrophalen Kursentwicklung trennen. Im Fachjargon spricht man in diesem Zusammenhang gerne von "Window-Dressing", angelehnt an die Dekoration von Schaufenstern.

Am Schweizer Aktienmarkt gibt es gleich mehrere Aktien, die in den nächsten Tagen noch einmal solchen Bereinigungsverkäufen zum Opfer fallen könnten. Bei den im Swiss Market Index (SMI) berücksichtigten Unternehmen dürfte es in diesem Jahr vor allem Transocean treffen.

Mit einem Minus von über 60 Prozent liegt das in Zug beheimatete Ölserviceunternehmen abgeschlagen auf dem letzten Platz. Von der Quartalsdividende von 0,75 Dollar je Aktie errechnet sich mittlerweile eine geradezu atemberaubende Rendite von 18 Prozent pro Jahr. Spätestens seit dem Dividendenverzicht von Seadrill gilt eine substanzielle Kürzung, wenn nicht gar eine Aussetzung der Dividende allerdings als sicher.

Wie der kleinere Rivale ist auch Transocean dem Ölpreiszerfall zum Opfer gefallen. Das Unternehmen bezeichnet sich als Spezialist für die Förderung auf hoher See und in grosser Meerestiefe. Schon ab einem Rohölpreis von unter 80 Dollar je Fass gilt die Ölförderung auf hoher See jedoch als nicht mehr kostendeckend. Mit anderen Worten: Der einstige Börsenliebling muss sein Geschäftsmodell grundlegend überdenken.

Mittlerweile laufen sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks grosse Wetten gegen die Aktien von Transocean. Von aggressiven Deckungskäufen begleitete Erholungsversuche werden damit immer wahrscheinlicher. Zu mehr als einem vorübergehenden Einstieg ist allerdings nicht zu raten, sind die Probleme des Unternehmens doch sehr ernst.

Auf dem zweitletzten Rang sind die Inhaberaktien der Swatch Group zu finden. Selbst unter Berücksichtigung der im Mai entrichteten Dividende errechnet sich ein Minus von knapp 23 Prozent, was für die erfolgsverwöhnten Aktionäre des Westschweizer Luxusgüterkonzerns eine ganz neue Erfahrung sein dürfte.

Seit Donnerstag machen an den Märkten Spekulationen die Runde, wonach das Weihnachtsgeschäft schleppend angelaufen sei und das im Frühling zur Veröffentlichung anstehende Jahresergebnis enttäuschen werde. Stärker ins Gewicht fallen vermutlich aber die Aussagen der Firmenverantwortlichen für das kommende Jahr.

Die Swatch Group verfügt über eine grundsolide Bilanz. Zudem halte ich die Angst vor einem Siegeszug der Smart-Watches und einem davon losgetretenen Nachfrageeinbruch im Uhrengeschäft für übertrieben. Beides macht vor allem die gegenüber den Inhaberaktien mit einem Abschlag gehandelten Namenaktien zu einem heissen Kandidaten für eine bis weit ins kommende Jahr hineinreichende Kurserholung.

In den letzten Monaten waren die Aktionäre von Syngenta einem regelrechten Wechselbad der Gefühle ausgesetzt. Obschon sich die Namenaktien vom im Oktober erlittenen Einbruch erholt haben, resultiert im bisherigen Jahresverlauf noch immer ein Minus von 12 Prozent.

Neben einem schwierigen Branchenumfeld hat der Basler Agrarchemiehersteller auch mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Das Spezialsaatgut Viptera ist in China noch immer nicht zugelassen. Überraschenderweise erweist sich das gerade in Nordamerika als Bumerang, haben dortige Landwirtschaftsbetriebe doch mit Getreideexporten ins Reich der Mitte zu kämpfen. In diesem Zusammenhang sind gleich mehrere millionenschwere Schadenersatzklagen gegen Syngenta hängig.

Es zeichnet sich immer mehr ab, dass die Erwartungen an den einstigen Börsenliebling zu hoch angesetzt sind. Erste Branchenexperten rechnen mittlerweile sogar mit einer längeren Durststrecke. Die Wahrscheinlichkeit von Enttäuschungen ist hoch. So richtig kann ich mich deshalb noch immer nicht wieder für diese Aktien erwärmen.

Nur ein strategischer Befreiungsschlag, sprich eine Verschmelzung mit den ähnlich ausgerichteten Geschäftsaktivitäten des Partnerunternehmens DuPont oder dem Rivalen Dow Chemical würde an dieser Haltung grundlegend etwas ändern. Noch scheint der Schmerz für die Basler aber nicht gross genug für einen solchen Vorstoss zu sein.

Ein weiteres Opfer des Ölpreiskollapses ist ABB. Mit einem Minus von 11 Prozent seit Jahresbeginn eifern die Namenaktien des in Zürich niedergelassenen Industriekonzerns jenen von Syngenta in nichts nach. Direkt erzielt das Unternehmen rund 10 Prozent des Jahresumsatzes mit Kunden aus der Öl- und Gasindustrie, indirekt Schätzungen zufolge sogar mehr als das Doppelte.

Sollte sich der Ölpreis nicht rasch wieder erholen, sind die erst im September kommunizierten neuen Mittelfristziele nicht mehr länger realistisch. Die Papiere von ABB sind immer mal für eine kurze und für Anleger lukrative Kurserholung gut. Dennoch gibt es im Frühjahr vermutlich noch einmal günstigere Einstiegsgelegenheiten.

Die Namenaktien der Credit Suisse liegen rund 7 Prozent unter dem Stand von Anfang Jahr und zählen damit ebenfalls zu den grössten Verlierern unter den im Swiss Market Index berücksichtigten Standardwerten.

Dass die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken anders als die Erzrivalin UBS am bisherigen Geschäftsmodell festhält, bringt ihr immer öfter Kritik ein. Gerüchtehalber könnte die Finma die Credit Suisse zu einer erneuten Stärkung der Eigenkapitalbasis drängen. Auch eine Dividendenkürzung ist zumindest in Analystenkreisen nicht mehr länger ein Tabuthema.

In Erwartung eines recht ordentlichen Zahlenkranzes für das Schlussquartal und aus saisonalen Überlegungen heraus könnte sich ein mutiger Einstieg für Anleger auf kurze Sicht durchaus ausbezahlt machen.