Jetzt auf Schweizer Börsenlieblinge setzen?

Der cash Insider geht der Frage nach, ob Anleger am Schweizer Aktienmarkt auf zurückgefallene Börsenlieblinge setzen sollen - Und: Ist die Credit Suisse zu Dividendenkürzungen gezwungen?
09.05.2014 12:30
cash Insider
Jetzt auf Schweizer Börsenlieblinge setzen?

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In New York wird das Wochenende zwar erst in einigen Stunden eingeläutet. Allerdings zeichnet sich schon jetzt eine rabenschwarze Woche für dortige Momentum-Investoren ab, fallen der Korrektur doch immer neue hochbewertete Wachstumsaktien zum Opfer. Mittlerweile macht sie selbst vor Unternehmen nicht mehr halt, die mit überzeugenden Quartalsergebnissen und ermutigenden Ausblicken aufwarten können.

Den europäischen Aktienmärkten ist eine vergleichbare Ausverkaufswelle bislang weitestgehend erspart geblieben. Auch unseren Heimmarkt hat sie noch nicht erreicht. Einzig die zumindest gefühlt ins Unendliche gestiegenen Aktien von Börsenlieblingen wie die des Halbleiterunternehmens U-blox, des Nahrungsmittelergänzungsherstellers Evolva oder jene des Finanzdienstleisters Leonteq mussten Federn lassen.

Eines haben alle diese Unternehmen gemeinsam: Ihre Titel gehören hierzulande zu den beliebtesten Momentum-Aktien. Viele andere weisen einen Börsenwert deutlich unter einer Milliarde Dollar auf. Ihr Markt gilt deshalb als zu eng, weshalb sie bei vielen Hedgefonds gar nicht erst auf dem Radarschirm erscheinen.

Diese Vermutung lassen auch die noch immer inoffiziellen Statistiken für die Baisse-Engagements zu. Indikativ liegen diese gerade mal zwischen 0,2 und 0,3 Prozent aller ausstehenden Aktien. Das gilt sowohl für U-blox als auch für Leonteq. Mit anderen Worten: Obschon diese Titel vermutlich erst einen Teil ihrer Exzesse wieder abgebaut haben, wagen sich die Baissiers nicht, gegen sie zu wetten.

Eine der wenigen Ausnahmen bleibt AMS. Aufgrund eines besser als erwarteten Zahlenkranzes für das zurückliegende erste Quartal und eines vielversprechenden Ausblicks, sahen sich viele Baissiers dazu gezwungen, ihre Wetten zu überdenken. Mittlerweile liegen ihre Engagements gerade noch bei 0,5 Prozent der ausstehenden Aktien.

Zumindest wenn es nach den Strategen der Citigroup geht, dann bieten sich Anlegern mittlerweile auch bei den europäischen Wachstumsaktien günstige Einstiegsgelegenheiten. Nicht zuletzt deshalb, weil für gewöhnlich hoch bewertete Momentum-Aktien zum Preis tief bewerteter zu haben seien. Ein über die letzten Monate entstandenes Ungleichgewicht, das sich wieder korrigieren werde, so sind sich die Experten sicher.

Dass sich auch am Schweizer Aktienmarkt bei einigen Momentum-Aktien Kaufgelegenheiten ergeben könnten, will ich nicht in Abrede stellen. Noch kann ich eine Fortsetzung der in der jüngeren Vergangenheit beobachteten Korrektur nicht ausschliessen. Vermutlich werden viele dieser Titel sogar noch günstiger zu haben sein.

Wichtige Anhaltspunkte erhoffe ich mir vom amerikanischen Nasdaq Composite Index. Nachdem sich dieses Börsenbarometer während den letzten fünf Jahren nahezu vervierfacht hat, zeichnet sich mittlerweile eine sogenannte "Schulter-Kopf-Schulter"-Formation ab. Diese Trendumkehrformation erhält mit dem nachhaltigen Unterschreiten der bei 3970 Punkten verlaufenden Nackenlinie ihre Gültigkeit, was den Nasdaq Composite Index gemäss Lehrbuch in die Region von 3600 Punkten zurückfallen lassen könnte. Zu allem Unglück verläuft bei ziemlich genau 4000 Punkten auch gleich noch der trendbestimmende gleitende Durchschnitt auf 200 Tage.

Vermutlich werden schon die kommenden zwei bis drei Wochen zeigen, in welche Richtung sich das für Momentum-Aktien wichtige Börsenbarometer entwickeln wird. Bis dahin rate ich auch am Schweizer Aktienmarkt zur Zurückhaltung, was dieses Titelsegment anbetrifft.

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Die Eskalation im Steuerstreit mit den USA hat den Namenaktien der Credit Suisse in den letzten Tagen sichtlich zugesetzt. Gerüchtehalber ist mittlerweile von einer Vergleichszahlung von bis zu 2 Milliarden Dollar die Rede.

In einem Kommentar warnt der für die Bank J. Safra Sarasin tätige Verfasser zwar, dass Spekulationen und Fakten derzeit nur sehr schwer voneinander zu trennen seien. Dennoch zeichne sich für die Schweizer Grossbank eine Vergleichszahlung ab, die weit über der anderer ebenfalls involvierter Mitbewerber liege. Und auch das Risiko einer Klage durch das amerikanische Justizdepartement dürfe nicht ausser Acht gelassen werden, selbst wenn eine solche eher unwahrscheinlich sei.

Aufgrund der im Vergleich zu anderen Mitbewerbern schwachen Eigenkapitalbasis der Credit Suisse schliesst der Experte nicht aus, dass eine über die bisherigen Rückstellungen hinausgehende Vergleichszahlung mittels einer vorübergehenden Reduktion der Dividende finanziert werden könnte. Münde der Steuerstreit hingegen in eine vernünftige und nicht allzu teure Lösung, rechnet der Experte mit einer in Zukunft wieder stabileren Kursentwicklung. Das Anlageurteil lautet bis auf weiteres "Neutral".

Ich rechne bei der Credit Suisse zwar nicht mit einer Dividendenkürzung, die von unserer Finanzmarktaufsicht in Zukunft verlangten Eigenmittelanforderungen und die in den USA drohende Vergleichszahlung könnten allerdings die Fantasie einer in Zukunft deutlich grosszügigeren Ausschüttungspolitik vorübergehend eintrüben. Für die Namenaktien der Schweizer Grossbank würde das nichts Gutes bedeuten.

Wer denkt, dass sich die Baissiers vor dieser Drohkulisse auf die Papiere von UBS und Credit Suisse eingeschossen haben, der täuscht sich. Bei der grösseren der beiden Schweizer Grossbanken liegen die Wetten auf tiefere Kurse bei gerade mal 0,31 Prozent aller ausstehenden Aktien, bei der Erzrivalin hingegen bei ebenfalls vernachlässigbaren 1,24 Prozent.