Jetzt bei den SMI-Verlierern aufspringen?

Der cash Insider durchforstet das Tabellenende der im Swiss Markt Index vertretenen Aktien auf solche mit Erholungsbedarf. Allerdings sind die Verlierer von heute nicht zwingend die Gewinner von morgen.
16.12.2015 12:30
cash Insider
Jetzt bei den SMI-Verlierern aufspringen?

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

"Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein", wurde uns schon im Religionsunterricht eingeimpft. Dieses Zitat dürfte selbst den nicht ganz so bibelfesten Börsianern unter uns gängig sein, wird es umgangssprachlich doch gerne auch im Sinne von "Wer zuletzt lacht, lacht am besten" verwendet.

Ob dieses Zitat den Aktionären von Transocean, LafargeHolcim, Swatch Group, Richemont, Zurich Insurance Group, ABB oder Credit Suisse genügend Trost spendet, bleibt allerdings fraglich. Denn eines haben diese gemeinsam: Sie alle haben in diesem Jahr ziemlich viel Geld verloren.

Gerade Transocean wird mit einem Minus von 32 Prozent die undankbare Rolle des Schlusslichts bei den im Swiss Market Index (SMI) vertretenen Unternehmen zuteil. 2015 geht als Jahr in die Firmengeschichte ein, in dem der Tiefenrekordhalter für die Ölförderung auf offener See die Dividendenzahlung aussetzte.

Aus Kostengründen will das Unternehmen im kommenden Frühjahr die Zweitkotierung an der Schweizer Börse SIX aufgeben. Diese Kostendisziplin ist zwar lobenswert, dürfte den Aktionären allerdings dennoch keine Begeisterungsstürme abringen. Der Grund: Im Zuge des geplanten Rückzugs drohen die Aktien von Transocean aus den hiesigen Aktienindizes auszuscheiden. Indexorientierte Marktakteure und die Emittenten von strukturierten Indexprodukten oder Indexfonds werden dadurch zum Verkauf ihrer Aktien gezwungen.

Noch immer laufen umfangreiche Wetten gegen das Unternehmen, und das nicht erst seit gestern. Irgendwann wollen die gemäss Markit bei gut 11 Prozent aller ausstehenden Aktien liegenden Baisse-Engagements wieder eingedeckt werden.

Nur ein deutlich höherer Rohölpreis hätte das Zeug, aus Transocean im Laufe des nächsten Jahres einen Gewinner zu machen. Nach heutigem Kenntnisstand ist das allerdings höchst unwahrscheinlich.

Die Aktionäre der Swatch Group dürfte in diesen Tagen ein Déjà-Vu ereilen. Nachdem der Westschweizer Uhrenhersteller schon im Vorjahr zu den Schlusslichtern zählte, liegt er bei den im SMI vertretenen Unternehmen mit einem Minus von 23 Prozent erneut auf einem der hintersten Ränge. Das macht ihn zwangsläufig zum Wiederholungstäter.

Die Gold-Medaille gibt es bestenfalls in der Disziplin der "meistgehassten Aktie der Schweiz". Erhebungen von Markit zufolge wetten die Baissiers mit nicht weniger als 23,3 Prozent der ausstehenden Inhaberaktien gegen den Uhrenhersteller.

Wie beim Rivalen Richemont, mit einem Minus von immerhin 21 Prozent ebenfalls auf der Verliererliste zu finden, drückt der Schuh auch bei der Swatch Group in den Schwellenländern. Noch bis vor wenigen Jahren eine schier unerschöpfliche Wachstumsquelle, sind diese längst zum Bumerang geworden.

Dass viele Analysten 2016 mit einem weiteren schmerzhaften Übergangsjahr rechnen, könnte sich als Vorteil erweisen. Da die Börse der effektiven Geschäftsentwicklung gerne sechs bis neun Monate vorauseilt, könnte diesen beiden Aktien alleine schon die Hoffnung auf eine baldige Nachfragebelebung neues Leben einhauchen. Bis dahin wird den Aktionären aber vermutlich noch einiges an Geduld und guten Nerven abverlangt.

Einen bisweilen enttäuschenden Einstand feierten die Aktien von LafargeHolcim. Auch der Weltmarktführer unter den Zementherstellern wurde für seine hohe Abhängigkeit von den Schwellenländern in Sippenhaft genommen. Daumen runter, hiess es für die im bisherigen Jahresverlauf um 27 Prozent schwächeren Papiere. Daran konnten selbst die ambitiösen, sich für die nächsten drei Jahre auferlegten Ziele nichts rütteln.

Es liegt nun an LafargeHolcim, mit den Zweifeln rund um diese Ziele aufzuräumen. Gelingt das Vorhaben, sind schon ins kommende Jahr hinein höhere Kurse möglich. Eine weitere Verschlankung des Firmenportfolios käme bei den Anlegern vermutlich genausogut an wie Fortschritte auf der Kostenseite.

Auch ABB muss sich neu erfinden. Stummer Zeuge ist der seit Jahresbeginn rund 16 Prozent tiefere Börsenwert. Noch ist unklar, ob das Stromübertragungsgeschäft unter dem Dach des in Zürich beheimateten Industriekonzerns eine Zukunft hat. Mit einem Verkauf des Sorgenkindes liessen sich wohl ebenfalls nicht die gewünschten Aktionärswerte erzielen. Es gibt aber genügend andere Mitbewerber, mit welchen sich diese Geschäftsaktivitäten verschmelzen liessen.

Dass die Publikumsaktionäre mit Investor AB und Cevian Capital zwei erfahrene und finanzstarke Grossaktionäre mit an Bord wähnen dürfen, ist ein gewaltiger Pluspunkt. Dasselbe gilt für die grundsolide Bilanz von ABB. Vorbei sind die Zeiten, in denen das traditionsreiche Unternehmen ums nackte Überleben kämpfen musste.

Nach der milliardenschweren Kapitalerhöhung steht es auch um die Credit Suisse besser als auch schon. Es mag merkwürdig anmuten, dass die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken die Aktionäre um neues Kapital anpumpt, nur um an der in den letzten Jahren vermutlich zu grosszügigen Dividendenpolitik festhalten zu können. Als neuer starker Mann steht Tidjane Thiam nun in der Pflicht. Kann er auf der Kostenseite Erfolge verbuchen, steht einem höheren Aktienkurs ins kommende Jahr hinein nichts im Wege. Dabei kommt Thiam allerdings nicht um eine für die Belegschaft schmerzhafte Kürzung des Bonuspools herum.

Nachdem die Massnahmen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis bei der Credit Suisse abgeschlossen sind, werden die Aktien als heisser Kandidat für einen Vorstoss in die Region von 25 Franken gehandelt - vorausgesetzt das Marktumfeld lässt dies zu.

Die Verlierer von heute sind an der Börse nicht zwingend auch die Gewinner von morgen. Unternehmen wie Swatch Group, Richemont oder ABB verfügen zwar über eine grundsolide Bilanz, sind aber auf eine Nachfrageverbesserung in den Absatzmärkten angewiesen. Bis dahin werden die Aktionäre durch grosszügige Dividenden fürs Warten entschädigt.

Bei LafargeHolcim drückt der Schuh hingegen bei der hohen Fremdverschuldung. Auf den neu entstandenen Weltmarktführer wartet auf der Kostenseite mindestens genausoviel Arbeit wie auf die Credit Suisse. Die Aktien beider Unternehmen verfügen über einen nicht unbeträchtlichen Nachholbedarf, wenn sie ihre Hausaufgaben erledigen.

Ähnlich präsentiert sich die Situation übrigens bei der Zurich Insurance Group. Da eine Dividendenkürzung nicht kategorisch ausgeschlossen werden kann, sollten Anleger diesbezüglich auf klare Verhältnisse warten.
 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.