Jetzt fängt der Spass an der Börse erst an

Darf man der Citigroup Glauben schenken, dann fängt der Spass an der Börse jetzt erst richtig an - Und: Am Schweizer Aktienmarkt jagt mittlerweile ein Übernahmegerücht das nächste.
18.05.2015 12:30
cash Insider
Jetzt fängt der Spass an der Börse erst an

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Die Partylaune an den Aktienmärkten ist ungebrochen. Während bei den Anleihen schon seit Tagen eine Ausverkaufswelle rund um den Globus rollt, lassen die Börsenakteure weiterhin die Champagnerkorken knallen.

Da sich nur noch schwerlich mit rekordtiefen Zinsen argumentieren lässt, müssen neuerdings Firmenübernahmen und -zusammenschlüsse als treibende Kraft herhalten. Den Spekulationen sind dabei keine Grenzen gesetzt. Auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt machen beinahe täglich wieder neue Übernahmegerüchte die Runde. Das geht mittlerweile sogar soweit, dass gezielt Fehlinformationen kolportiert werden. So Donnerstagnacht bei Avon Products an der Börse in New York gesehen.

Zumindest bei der Citigroup zeigt man sich davon allerdings nicht sonderlich besorgt. Die Aktienhausse sei nach sechs Jahren in die dritte und letzte Phase übergegangen, so schreiben die für die amerikanische Grossbank tätigen Strategen. Für die Experten steht fest: Trotz steigenden Zinsen und Risikoaufschlägen werden die Börsen noch einmal kräftig steigen.

Darf man den Strategen Glauben schenken, dann fängt der Spass an den Aktienmärkten jetzt erst richtig an. Denn in dieser dritten und letzten Phase der Hausse sind Übertreibungen an der Tagesordnung. Das heisst: Aus Anlegersicht lässt sich sehr viel Geld verdienen, vorausgesetzt man steigt rechtzeitig aus. Und genau darin liegt die Kunst.

Die Experten machen denn auch kein Geheimnis daraus, dass sie bei den Aktien aus dem Gesundheitssektor und dem Detailhandel bereits Anhaltspunkte für eine Blasenbildung ausmachen können. Dennoch wird der Anlagekundschaft bei der Citigroup noch immer in beiden Sektoren zu einem taktischen Übergewicht geraten. Der Grund liegt auf der Hand: Bankeigene Erhebungen haben ergeben, dass die dritte Phase einer Aktienhausse bis zu drei Jahre dauern kann und meist prozentual zweistellige Kursgewinne abwirft.

Mit dem mir aus London zugespielten Strategiepapier werden die Verfasser zu „Wiederholungstätern“. In den letzten Wochen warteten die Strategen gleich mehrfach mit atemberaubenden Prognosen für die europäischen Aktienmärkte auf. Diesen trauen sie beispielsweise bis Ende des nächsten Jahres einen Anstieg um nicht weniger als 40 Prozent zu (siehe Kolumne vom 22. April).

Nicht nur die ausufernden Übernahmespekulationen, auch die immer extremeren Kaufempfehlungen seitens von Aktienstrategen und –analysten lassen darauf schliessen, dass sich die Aktienhausse in einer weit fortgeschrittenen Phase befindet. Trends dauern an den Märkten immer länger als gedacht, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Dennoch sagt mir mein Bauch, dass das Ende dieser dritten und letzten Phase nicht eine Frage von Jahren, sondern bestenfalls von Monaten ist.

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Eigentlich müsste der starke Franken die Firmenkäufer im Ausland abschrecken. Das dem Verwaltungsrat von Syngenta unterbreitete Angebot des US-Rivalen Monsanto zeigt allerdings, dass sich die hiesige Firmenwelt deswegen nicht auf der sicheren Seite wähnen sollte.

Am Freitag gerieten gleich mehrere Schweizer Unternehmen ins Zentrum solcher Spekulationen. Einen Kurssprung von teilweise mehr als 4 Prozent auf 51,20 Franken vollzogen die Namenaktien von Julius Bär. Wenige Tage zuvor gemachte Aussagen von Intesa Sanpaolo reichten aus, um ein kleineres Kursfeuerwerk zu zünden. Die italienische Bankengruppe zeigt Interesse an Firmenzukäufen im Gegenwert von bis zu 16 Milliarden Franken. Julius Bär passe damit bestens ins Beuteschema von Intesa Sanpaolo, so hiess es in Marktkreisen.

Einmal mehr musste auch Basilea für Spekulationen herhalten. In Marktkreisen war vor dem Wochenende von einem ominösen unfreundlichen Übernahmeangebot aus dem Ausland zu hören. Hinter vorgehaltener Hand werden die beiden Partnerunternehmen Astellas und GlaxoSmithKline als mögliche Käufer genannt.

Zu regelrechten Exzessen kam es einmal mehr bei Clariant. Obschon dem ursprünglich genannten Interessenten Evonik mittlerweile nachgesagt wird, dass dieser auf den niederländischen Rivalen DSM ausweichen will, schossen die Aktien des Basler Spezialitätenchemiekonzerns um knapp 5 Prozent in die Höhe. Neben Evonik wurden zuletzt schliesslich auch die beiden Rivalen Johnson Matthey und Dow Chemical in Verbindung mit Clariant gebracht.

Letzte Woche standen zudem Leonteq sowie das ehemalige Mutterhaus EFG International im Zentrum von Übernahmegerüchten. In beiden Fällen werden mögliche Interessenten im asiatischen Raum vermutet. Während EFG International eher einem industriellen Käufer in die Hände fallen könnte, drängt sich Leonteq eher für einen Käufer aus der Private Equity Industrie auf.

Regelmässige Leserinnen und Leser wissen, dass ich bei Übernahmespekulationen gerne mal schnell einen Blick auf die derivatseitigen Handelsaktivitäten werfe. Von diesen lassen sich meist ziemlich zuverlässige Rückschlüsse ziehen, ob es sich nicht doch nur um "Positionsgerede" gewiefter Marktakteure handelt.

Anders als bei Julius Bär waren bei Basilea am Freitag in nicht weniger als 13 verschiedenen "aus dem Geld" liegenden Warrants teilweise aggressives Kaufinteresse auszumachen. Nicht so richtig schlau werde ich bei Clariant. Zwar wechselten knapp 3,5 Millionen Namenaktien die Hand, viele davon im Laufe des späten Nachmittags. Bei den Warrants fielen die Handelsaktivitäten jedoch überraschend dünn aus.

Auf Übernahmespekulationen hin zu handeln, kann sich aus Anlegersicht zwar durchaus lohnen, ist aber mit nicht zu unterschätzenden Risiken verbunden.
 

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