Julius Bär droht eine Kapitalerhöhung

Das neue Steuerabkommen mit der USA könnte bei Julius Bär eine Kapitalerhöhung notwendig machen – Zunehmende Skepsis gegenüber der Dollarstärke – Und: Kann sich die Logitech-Aktie verdoppeln?
29.05.2013 10:50
cash Insider
Julius Bär droht eine Kapitalerhöhung

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Seit nunmehr drei Jahren verhandelt die Schweiz mit den USA über eine Beilegung des Steuerstreits. Die Anhaltspunkte häufen sich, dass das Abkommen zwischen den beiden Ländern mittlerweile fertig ausgehandelt ist.

Dies hielt die US-Steuerbehörde IRS gestern allerdings nicht davon ab, noch einmal ihre Muskeln spielen zu lassen. Mit einem Amtshilfegesuch bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung gegen Kunden von Julius Bär verlieh die Behörde ihren Forderungen Nachdruck.

Hierzulande wird nicht erst seit dem gestrigen Amtshilfegesuch über das finanzielle Ausmass des Abkommens zwischen der Schweiz und den USA spekuliert. Allerdings nutzen einige Analysten den gestrigen Vorstoss dazu, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Einem mir zugespielten Kommentar aus dem Hause Morgan Stanley entnehme ich, dass sich der Verfasser an den von der hiesigen Presse kolportierten 7 bis 10 Milliarden Dollar orientiert.

Bei Julius Bär lässt der Experte eine Strafzahlung von 200 Millionen Franken ins Bewertungsmodell einfliessen. Die Konsensschätzungen seiner Berufskollegen beziffert er hingegen mit rund 300 Millionen Franken. Der Experte geht davon aus, dass die Zürcher Privatbank mit 10 bis 15 Prozent der Vermögen amerikanischer Steuersünder gebüsst wird. Die Strafzahlung werde deshalb irgendwo zwischen 100 Millionen Franken bis zu 1,3 Milliarden Franken liegen. Eine Busse am unteren Ende dieser Prognosenspanne werde die Aktie nach Bekanntgabe möglicherweise um 2 Prozent ansteigen lassen, während eine Busse am oberen Ende mit einem Kursrückgang von bis zu 12 Prozent einher gehen könnte.

Eine Strafzahlung von bis zu 750 Millionen Franken könne Julius Bär aus eigener Kraft stemmen, so der Experte weiter. Ähnlich sieht es sein Berufskollege bei der MainFirst Bank. Dieser hält sogar eine Busse von bis zu einer Milliarde Franken für verkraftbar. Erst darüber werde es kritisch, drohe der Zürcher Privatbank dann möglicherweise eine Kapitalerhöhung.

Interessant ist auch, was die MainFirst Bank über die Credit Suisse schreibt. Denn auch die Schweizer Grossbank befindet sich schon seit geraumer Zeit im Visier der US-Steuerbehörde IRS. Im Kommentar ist von Kosten von rund 1,5 Milliarden Franken die Rede. Rund 300 Millionen Franken davon habe die Credit Suisse bereits zurückgestellt.

Interessant ist, dass sich in den letzten Tagen gleich mehrere Vertreter aus der hiesigen Bankengilde in der Presse zu Wort gemeldet haben. Und alle Wortmeldungen deuten in die gleiche Richtung: Eine Einigung im Steuerstreit mit den USA sei eine Notwendigkeit, egal was sie unseren Finanzplatz koste. Und auch vor einem automatischen Informationsaustausch scheut man sich allem Anschein nach nicht mehr länger. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass die Öffentlichkeit hierzulande auf ein möglicherweise ernüchterndes Abkommen mit den USA vorbereitet wird. Bleibt bloss zu hoffen, dass dieses nicht die Büchse der Pandora öffnet und bei unseren europäischen Nachbarländern ähnliche Begehrlichkeiten weckt. Ansonsten droht das Abkommen mit den USA zu einem Schuss ins eigene Knie zu verkommen.

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Auch gegenüber dem Franken konnte sich der Dollar in den letzten Wochen weiter festigen. In einem Devisenkommentar warnt Julius Bär nun allerdings vor Übertreibungen. So seien die von Devisenspekulanten gehaltenen Hausseengagements in die Nähe der historischen Höchststände gestiegen.

Für gewöhnlich sei eine solche Beobachtung beim Greenback von einer mehrere Monate andauernden Schwächephase abgelöst worden. Dies sei verständlich, denn wer kaufe denn noch Dollars, wenn bereits alle engagiert seien?

In einem sind die Experten von Julius Bär allerdings etwas inkonsequent: Denn obschon sie mit einem schwächeren Dollar rechnen, gehen sie ebenfalls von einer Fortsetzung der jüngsten Frankenschwäche aus. Aus Schweizer Sicht könnte sich dies letztendlich als Nullsummenspiel herausstellen.

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Ich gebe zu, dass ich das Thema Logitech in den letzten Tagen und Wochen vielleicht etwas überstrapaziert habe. Regelmässige Leserinnen und Leser meiner Kolumne werden deshalb wohl mit den Augen rollen, wenn ich das Thema heute noch einmal kurz streife.

Die anlässlich des Investorentages von vergangener Woche kommunizierten Zielsetzungen brachte dem Westschweizer Peripheriegerätehersteller vor allem eines ein: Skepsis. Zahlreiche Analysten erhöhten ihre Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre zwar leicht. Auf Stufe EBIT liegen die Konsensschätzungen allerdings noch immer um bis zu 50 Prozent unter den firmeneigenen Projektionen.

Umso interessanter ist, was Goldman Sachs heute in einem Kommentar zu Logitech schreibt. Der Verfasser schreibt darin, dass die Aktien mindestens 12 Franken wert wären, sollten die firmeneigenen Zielsetzungen über die kommenden Jahre erreicht werden.

Selten ist der Markt hierzulande einem Unternehmen so skeptisch begegnet wie Logitech. Die strukturell bedingten Probleme in den Absatzmärkten sind nicht von der Hand zu weisen. Auf der Kostenseite und bei den geplanten Bereichsverkäufen haben die Westschweizer jedoch die Möglichkeit, den Markt eines Besseren zu belehren und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.