Kaufempfehlung für Geberit wirft Fragen auf

Verwirrung rund um eine Kaufempfehlung von Goldman Sachs für die beliebten Aktien von Geberit - Und: Julius Bär sieht die Aktien von Galenica auf 1045 Franken tauchen.
12.08.2016 12:30
cash Insider
Kaufempfehlung für Geberit wirft Fragen auf
Bild: fotolia.com

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Am kommenden Dienstag hat das Warten der Aktionäre von Geberit endlich ein Ende. Dann nämlich legt der Sanitärtechnikkonzern aus Rapperswil-Jona seinen Zahlenkranz vor. Dass das traditionsreiche Unternehmen auf ein gutes zweites Quartal zurückblicken kann, gilt in Analystenkreisen schon heute als sicher.

Verhält es sich wie in anderen Jahren, warten die Firmenvertreter zudem endlich mit konkreten Wachstums- und Margenprognosen für das laufende Jahr auf. Noch immer dürfte sich die nicht unumstrittene Übernahme von Sanitec in beiderlei Hinsicht als bremsend erweisen.

Davon lassen sich die Marktakteure allerdings nicht abschrecken. Heute kletterte der Aktienkurs bei 402,30 Franken einfach mal schnell auf den höchsten Stand in der Firmengeschichte. Alleine seit Anfang Monat errechnet sich ein Plus von 7 Prozent, seit Jahresbeginn sogar eines von fast 20 Prozent.

Ein Kränzchen muss ich der für Goldman Sachs tätigen Analystin winden. Nach der gewinnverwässernden Übernahme von Sanitec war sie eine der ersten, welche sich für die Aktien von Geberit erwärmen konnte. Die mutige Kaufempfehlung hat sich für die Anlagekundschaft der amerikanischen Investmentbank rückblickend ausbezahlt gemacht, das muss man neidlos anerkennen.

In einer Studie zum europäischen Investitionsgütersektor sorgt die Autorin heute allerdings für Verwirrung: Denn obschon sie darin das 12-Monats-Kursziel gerademal auf 340 (335) Franken anhebt, was einem rechnerischen Abwärtspotenzial von 15 Prozent entspricht, hält sie unbeirrt an ihrer Kaufempfehlung fest. Überzeugung sieht anders aus.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Entweder die Analystin stuft die Aktien im Anschluss an die Quartalsergebnispräsentation vom kommenden Dienstag von "Buy" auf "Neutral" herunter, oder aber sie erhöht das 12-Monats-Kursziel konsequenterweise substanziell an.

Die Valoren von Geberit stehen übrigens stellvertretend für zahlreiche andere Nebenwerte aus der Schweiz. Während die Standardwerte schon seit Wochen vor sich hin darben, hangeln sich erstere von einem Rekordhoch zum nächsten. Dieser Höhenflug nimmt immer groteskere Formen an und mahnt zur Vorsicht (siehe Kolumne vom 13. Juli).

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Grösse zukaufen und das um jeden Preis, so scheint die Devise bei Galenica im Hinblick auf die geplante Unternehmensaufspaltung zu lauten. Nur so lässt sich erklären, weshalb der in Bern beheimatete Gesundheitskonzern mit der milliardenschweren Übernahme von Relypsa auf Jahre hinaus eine nicht unbeträchtliche Gewinnverwässerung in Kauf nimmt.

Noch ist nicht bekannt, wie Martin Ebner zu diesen Plänen steht. Über ihre Beteiligungsgesellschaft Patinex kontrollieren der Financier und seine Frau Rosmarie immerhin 17,3 Prozent der Stimmen, einen Teil davon indirekt über Derivate. Ganz anders die Aktionärsgruppe rund um die bekannte Private Equity Firma Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Erst kürzlich liess sie gegenüber Firmenvertretern von Galenica durchblicken, sich von weiteren Tranchen ihrer bei gut 20 Prozent liegenden Beteiligung trennen zu wollen.

Das wiederum ruft nun den Pharmaanalysten von Julius Bär auf den Plan. Er senkt seinen Daumen für die Aktien von Galenica und stuft diese von "Hold" auf "Reduce" herunter. Und um seiner Verkaufsempfehlung gebührend Nachdruck zu verleihen, streicht er auch gleich noch das Kursziel auf 1045 Franken zusammen.

Noch spiegle sich die signifikante Gewinnverwässerung aus der Übernahme von Relypsa nicht in den Konsenserwartungen seiner Berufskollegen wider, so die Begründung des Experten. Darüber hinaus rechnet er mit Verkaufsdruck, sollte sich die besagte Aktionärsgruppe von weiteren Aktien trennen.

Als diese im Mai einen Fünftel ihrer Beteiligung bei institutionellen Investoren platzierte, geriet der Aktienkurs ins Rutschen. Dasselbe dürfte auch diesmal der Fall sein – selbst wenn die Börse diesmal wesentlich besser vorbereitet wäre.

 

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