Kostet der Dollar bald wieder einen Franken?

Währungsstratege rechnet mit einem schwächeren Franken, rät allerdings zum Kauf von Dollars und nicht von Euros - Und: Im Aktionariat von Holcim wächst der Widerstand gegen die Hochzeit mit Lafarge.
02.03.2015 12:30
cash Insider
Kostet der Dollar bald wieder einen Franken?

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Am kommenden Donnerstag treffen sich die Entscheidungsträger der Europäischen Zentralbank (EZB) am Hauptsitz in Frankfurt unter Ausschluss der Öffentlichkeit zur nächsten geldpolitischen Sitzung.

Diese Sitzung hat es in sich, dürfte sie wenige Tage später doch die geplante Ausweitung des Rückkaufprogramms für verbriefte Schuldverschreibungen auf Staatsanleihen einläuten. Ab dann werden monatlich 60 Milliarden Euro in die Märkte fliessen.

Auch wenn unsere Schweizerische Nationalbank (SNB) das nicht gerne hört: Die mit den Anleihekäufen einhergehende Liquiditätswelle, übrigens die grösste seit mehreren Jahren, dürfte auch über die Schweiz hereinbrechen.

Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns in gut einer Woche bevorsteht, gibt der zuletzt wieder erstarkte Franken. Innerhalb kürzester Zeit tauchte der Euro von 1,08 vorübergehend in die Nähe von 1,06 Franken und selbst der Dollar gab gegenüber der Schweizer Währung nach. Vermutlich finden diese Tendenzen in den ersten Tagen der Anleihenkäufe noch einmal eine Fortsetzung.

Beruhigende Worte hat allerdings der für Nomura tätige Währungsstratege parat. In einem mir zugespielten Kommentar gibt er zwar zu verstehen, dass sich der Franken seit Mitte Januar schneller als erwartet abgeschwächt hat. Allerdings erachtet ihn der Experte noch immer als überbewertet und hält die Talsohle beim Euro für durchschritten. Er sieht die europäische Einheitswährung bis September auf 1,10 Franken steigen. Dennoch rät der Währungsstratege der eigenen Anlagekundschaft nicht zum Kauf von Euros, sondern von Dollars. Der Greenback werde gegenüber dem Franken schon bald wieder auf die Parität klettern, so zeigt sich der Verfasser des Kommentars zuversichtlich.

Interessant sind meines Erachtens vor allem die langfristigen Währungsprognosen von Nomura. Diese sehen für den Dollar bis Ende nächsten Jahres einen Anstieg auf 1,10 (bisher: 1,05) Franken und für den Euro einen Vorstoss bis auf 1,15 (bisher: 1,10) Franken vor.

Würde man mich fragen, so könnte der Euro mit dem Beginn der Anleihenkäufe durch die EZB von Anfang nächster Woche noch einmal unter Druck geraten – auch gegenüber dem Franken. Im weiteren Jahresverlauf sollte sich die europäische Einheitswährung dann zwischen 1,05 und 1,10 Franken einpendeln. Den Dollar sehe auch ich schon bald auf die Parität zum Franken klettern. Denn anders als diesseits zeichnet sich jenseits des Atlantiks eine erste Leitzinserhöhung ab. Nach dem überraschend starken Anstieg der Kerninflation im Januar hat der Druck auf die Entscheidungsträger bei der US-Notenbank weiter zugenommen. Vermutlich werden die Zinsen früher als von den Märkten erwartet angehoben, was dem Greenback Auftrieb verleihen sollte.

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Vor etwas mehr als einer Woche legte Holcim ein von Licht und Schatten geprägtes Jahresergebnis vor. Im Rahmen der Ergebnispräsentation bekräftigte der Ostschweizer Weltmarktführer für Zement seine Gewinnprognosen für das neue Jahr.

Seither werden aus dem Aktionariat Forderungen laut, die auf eine Nachbesserung des Umtauschverhältnisses für den geplanten Zusammenschluss mit Lafarge pochen. Denn nur wenige Tage zuvor gelangte die französische Braut mit einem deutlich verhalteneren Zahlenkranz an die Öffentlichkeit.

Öl ins Feuer giesst nun der für Helvea tätige Experte. Er hegt berechtigte Zweifel, dass die benötigten zwei Drittel der Holcim-Aktionäre dem Vorhaben in heutiger Form zustimmen werden. In Erwartung einer Nachbesserung des Umtauschverhältnisses von 53 zu 47 Prozent auf 57 zu 43 Prozent zugunsten des Ostschweizer Unternehmens rät er seiner Anlagekundschaft zu Umschichtungen aus den Aktien von Lafarge in jene von Holcim. Und um seiner Empfehlung Nachdruck zu verleihen, stuft der Experte die Papiere des französischen Zementherstellers mit einem Kursziel von 60 Euro von "Hold" auf "Sell" herunter. Das Anlageurteil für jene von Holcim lautet hingegen "Hold" mit einem Kursziel von 75 (66) Franken.

Noch machen die beiden heiratswilligen Grosskonzerne keine Anstalten, am ursprünglichen Umtauschverhältnis zu rütteln. Allerdings spricht alleine schon der mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank erstarkte Franken für eine Nachbesserung zugunsten der Holcim-Aktionäre.

Im Hinblick auf die ordentliche Generalversammlung von Mitte April dürften die Oppositionellen im Aktionariat des Ostschweizer Weltmarktführers weiteren Zulauf erhalten. Noch unklar ist, ob auch die beiden Grossaktionäre Thomas Schmidheiny (Stimmenanteil von 18,2 Prozent) und Eurocement (Stimmenanteil von 10,8 Prozent) in diese Ecke wechseln werden. Gerade der russischen Eurocement ist das durchaus zuzutrauen. Es bleibt abzuwarten, ob Holcim die Aktionäre mit einer Sonderdividende "ködern" kann oder tatsächlich zu Nachverhandlungen mit Lafarge gezwungen ist.
 

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