Kursrückschlag bei Aktien - «Der Vermögenserhalt rückt in den Vordergrund»

Der cash Insider über warnende Worte eines bekannten Strategen sowie mit einem Stimmungsbild zum Schweizer Aktienmarkt - Und: Verbrennen sich die Leerverkäufer am Luftfrachtspezialisten Panalpina die Finger?
28.06.2018 12:30
cash Insider
«Der Vermögenserhalt rückt in den Vordergrund»
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Am gestrigen Tag fiel der Swiss Market Index (SMI) kurzum auf 8373 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Februar vergangenen Jahres. Zu diesem Zeitpunkt trennten das Börsenbarometer knapp 13 Prozent von der Bestmarke von Ende Januar dieses Jahres.

Negative Vorgaben aus New York setzten insbesondere den hiesigen Banken- und Versicherungsaktien sichtlich zu. Im Zuge von Futures-Verkäufen gerieten auch die defensiven Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis ins Rutschen - bevor im weiteren Handelsverlauf eine breite Kurserholung einsetzte.

Als ich Anfang Mai ein Stimmungsbild zum Schweizer Aktienmarkt malte, schrieb ich folgendes: "Ob die Korrektur bereits ausgestanden ist, wird sich zeigen müssen. Denn noch haben die Aktienanleger nicht wirklich kapituliert. Der von Panik begleitete Ausverkauf - er lässt bis heute auf sich warten. Im ungünstigsten Fall droht ein "Salami-Crash" - ein Kursrückgang auf Raten. Auch an der Börse gilt nämlich: Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende." (siehe "Noch haben Anleger nicht wirklich kapituliert" vom 4. Mai).

Es kam, wie es kommen musste: Nach einem kurzen Aufbäumen setzte hierzulande ein zermürbender Kurszerfall ein. Auf den von Panik begleiteten Ausverkauf warten wir bis heute.

Kaufe an schwachen Tagen Aktien zu, so lautet zwar auch heute noch der Rat der Banken und ihrer Strategen. Doch sehr viel mehr als ein blosses Lippenbekenntnis dürfte sich nicht mehr dahinter verbergen.

Galt es am Schweizer Aktienmarkt noch bis vor wenigen Wochen, möglichst satte Kursgewinne zu erzielen, rückt neuerdings der Vermögenserhalt in den Vordergrund.

Nicht nur, dass mächtige Grossinvestoren nicht mehr an schwachen Tagen zukaufen - sie stossen an starken Tagen Aktien ab.

Dieser Stimmungsumschwung (siehe auch "cash-Leser werden bei Aktien skeptischer" von heute) ist auch Christopher Potts von Kepler Cheuvreux nicht entgangen. Der Stratege - er ging in der jüngsten Extel-Umfrage als Sieger seiner Berufsgruppe hervor - rechnet in diesem Jahr nicht mit ruhigen Sommermonaten.

Schon seit Wochen bekundet der SMI wieder sichtlich Mühe (Quelle: www.cash.ch)

Potts sieht die Kursschwäche in anderen Titelkategorien auf die Wachstumsaktien an der Technologiebörse Nasdaq übergreifen. Das wiederum würde sich mit meinen kürzlich gemachten Beobachtungen decken (siehe "Vorboten einer Verkaufswelle bei Technologieaktien" vom 19. Juni).

Deshalb rückt für den Strategen in den kommenden Monaten der Kapitalerhalt im Vordergrund. Folglich stuft er europäische Luxusgüteraktien wie jene von Swatch Group oder Richemont von "Overweight" auf "Neutral" herunter und erhöht die taktische Barmittelquote von 5 auf 6 Prozent.

Ich bezweifle stark, dass diese beiden eher bescheidenen Massnahmen ausreichen werden, sollten sich die eher düsteren Prognosen von Kepler Cheuvreux für die Sommermonate bestätigen...

+++

Dem Luftfrachtspezialisten Panalpina fehlte es in den vergangenen Jahren so ziemlich an allem - an Leidenschaft, an Ideen und letztendlich an Erfolg.

Das mag nicht zuletzt auch mit den Eigentumsverhältnissen zu tun haben. Seit Jahren hält die Ernst Göhner Stiftung ihre schützende Hand über die Unternehmensspitze und verhindert so längst überfällige Reformen.

Andere Grossaktionäre wie die beiden Finanzinvestoren Cevian Capital und Artisan Partners verschafften ihrem Unmut in der jüngeren Vergangenheit zwar öffentlich Luft, mehr denn aber auch nicht.

Das ruft nun ausländische Leerverkäufer auf den Plan. Wie ich einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank entnehme, laufen mittlerweile Wetten in Höhe von nicht weniger als 41 durchschnittlichen Tagesvolumen gegen Panalpina.

Die Kursentwicklung der Panalpina-Aktien über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Wenn sich die Leerverkäufer da mal bloss nicht übernehmen. Sie spielen alleine schon der Eigentumsverhältnisse wegen mit dem Feuer. Mit gut zwei Dritteln der ausstehenden Aktien im Rücken, wäre es für die drei Grossaktionäre Ernst Göhner Stiftung, Cevian Capital und Artisan Partners ein leichtes, einen sogenannten Short-Squeeze zu provozieren. Die Leerverkäufer wären dann gezwungen, ihre Wetten zu deutlich höheren Kursen zu schliessen  - zur Freude der nicht gerade erfolgsverwöhnten langjährigen Aktionäre.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.