Leonteq, Swatch und Co. - Spekulationen dominieren das Schweizer Börsengeschehen

Neben Leonteq und Swatch Group rücken zwei weitere Unternehmen aus der Schweiz in den Mittelpunkt von Börsenspekulationen - Und: Gedankenspiele rund um die geplante Kapitalerhöhung bei der Credit Suisse.
27.04.2017 12:30
cash Insider
Spekulationen dominieren das Schweizer Börsengeschehen
Bild: fotolia.com

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Wer wie ich schon Jahrzehnte an den Aktienmärkten tätig ist, der weiss: Wenn sich starke Kursausschläge häufen, die Leerverkäufer kapitulieren und vermehrt Spekulationen um sich greifen, dann ist eine mehrjährige Aufwärtsbewegung oft weit fortgeschritten.

Auch hierzulande kommen immer abenteuerlichere Spekulationen auf. Darunter fallen insbesondere jene, die mir zur Swatch Group zugetragen werden. Einen geradezu idealen Nährboden bietet die augenscheinliche Häufung von Kaufempfehlungen.

Innerhalb weniger Tage haben gleich mehrere Analysten ihre Vorbehalte an den Uhrenhersteller aus Biel über den Haufen geworfen und dessen Inhaberaktien heraufgestuft.

Den Anfang machte der für die MainFirst Bank tätige Vertreter dieser nicht gerade beliebten Berufsgilde (siehe Kolumne vom Dienstag), gefolgt von seiner Kollegin bei der UBS. Heute meldet sich nun auch noch der für die australische Investmentbank Macquarie tätige Analyst zu Wort. Er stuft die Inhaberaktien von "Neutral" auf "Outperform" herauf. Die deutlich höheren Gewinnerwartungen für die kommenden Jahre spiegeln sich auch im kräftig angehobenen Kursziel von 455 (bisher 330) Franken wider.

Im hiesigen Handel will man nicht so recht an einen Zufall glauben. Womöglich stecke sehr viel mehr hinter diesem plötzlich erwachten Interesse an der Swatch Group, so lautet der Tenor. Es ist nur allzu verständlich, dass deshalb vermehrt wieder auf einen Rückzug des Unternehmens von der Börse oder eine Publikumsöffnung der auf die Herstellung von Batterien spezialisierten Tochter Belenos spekuliert wird.

Mehrere Kaufempfehlungen heizen den Swatch-Aktien so richtig ein (Quelle: www.cash.ch).

Bei LafargeHolcim heisst es nach dem überraschenden Rücktritt von Eric Olsen, dass der Konzernchef sowieso hätte gehen müssen. Die angeblichen Schutzgeldzahlungen an die Terrorgruppe "Islamischer Staat" in Syrien seien nur ein Vorwand, wird in einem Kommentar von Alliance Bernstein vermutet. Der Autor sieht den Integrationsprozess durch die sich abzeichnende Rochade an der Konzernspitze des schweizerisch-französischen Weltmarktführers um bis zu zwölf Monate zurückgeworfen.

Ebenfalls im Mittelpunkt von Spekulationen steht einmal mehr der hochverschuldete Backwarenhersteller Aryzta. Von grossem Einfallsreichtum zeugen die Gerüchte allerdings nicht, wird dem Unternehmen doch einmal mehr ein happiger Goodwill-Abschreiber nachgesagt. Auch eine Bilanzsanierung mittels einer stark verwässernden Kapitalerhöhung wird Aryzta nachgesagt. Die ausländischen Leerverkäufer dürfte dies freuen.

Auffällige Derivatkäufe sind seit gestern bei Leonteq zu beobachten. Das Interesse gilt insbesondere den Warrants LEOUJB, WLEA4V und LEFFJB.

Schon seit Wochen warten Trittbrettfahrer beim aufstrebenden Anbieter von strukturierten Produkten mit einem Beteiligungsausbau durch den neuen Grossaktionär Rainer-Marc Frey. Nach einem Treffen mit Firmenvertretern schloss der ehemalige UBS-Verwaltungsrat den Zukauf weiterer Aktien nicht aus und goss damit selber kräftig Öl ins lodernde Spekulationsfeuer.

Die Derivatkäufe legen nahe, dass das Warten endlich ein Ende haben könnte und eine Beteiligungsmeldung an die Schweizer Börse SIX bloss noch eine Frage von Tagen ist.

Auch den gestern bekannt gewordenen Einstieg des chinesischen Mischkonzerns HNA bei Dufry hatten Warrantskäufe zuvor angekündigt (siehe Kolumne vom 21. April).

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Was die Spatzen am Hauptsitz der Credit Suisse schon seit Wochen von den Dächern pfiffen, ist seit gestern endlich offiziell: Die Publikumsöffnung der Universalbank Schweiz ist abgesagt. Stattdessen werden einmal mehr die Aktionäre zur Kasse gebeten. Nicht weniger als 4 Milliarden Franken will sich die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken über eine Bezugsrechtemission beschaffen.

Nach der Stärkung der Eigenmittelbasis soll den Anteilseignern die Dividende künftig in bar ausbezahlt werden - mit dem erklärten Ziel, eine schleichende Verwässerung über die Wahldividende vermeiden zu können. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, werden sich einige Leserinnen und Leser jetzt denken.

Die CS-Aktien sind im mehrjährigen Vergleich bloss noch ein Schatten ihrer selbst (Quelle: www.cash.ch).

Dennoch wirft diese Übung Fragen auf. Im übertragenen Sinn ruft die Credit Suisse mit der Bezugsrechtsemission Geld ab, nur um dieses über die nächsten Jahre wieder an die Anteilseigner zurückzuführen. Mit anderen Worten: Die Aktionäre zahlen heute für die Dividende von morgen und müssen diese womöglich auch noch versteuern.

Fein raus sind die Grossaktionäre aus dem Nahen Osten. Sie werden von der Credit Suisse mit üppigen Zinszahlungen auf den Pflichtwandelanleihen bei Laune gehalten und profitieren als Anleihengläubiger von der geplanten Stärkung der Eigenmitteldecke.

Dabei verkommen die kleineren Aktionäre der Schweizer Grossbank immer mehr zur Manövriermasse...
 

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