Logitech, Adecco und Co. - Bei einigen Aktien liegen Analysten ziemlich daneben

Der cash Insider zeigt auf, bei welchen Aktien aus der Schweiz Analysten mit ihren Empfehlungen ziemlich schief liegen - Und: Ein erster Analyst reduziert die Dividendenprognosen für Swiss Re.
30.10.2017 12:30
cash Insider
Bei einigen Aktien liegen Analysten ziemlich daneben
Bild: fotolia.com

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Seit Februar beharrte François Meunier von Morgan Stanley darauf: Mehr als 25,60 Franken seien die Aktien von Logitech nicht wert, so liess er seine Anlagekunden bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit wissen.

Nachdem der Peripheriegerätehersteller aus Lausanne vergangene Woche erneut mit einem starken Zahlenkranz aufwarten konnte, zeigt sich der bekannte Technologieanalyst nun aber einsichtig. Obwohl er seine Gewinnschätzungen nur geringfügig nach oben revidiert, gibt er das Kursziel mittlerweile mit 35 Franken an. Endlich stehen das "Equal-weight" lautende Anlageurteil und das Kursziel wieder in Einklang.

Atemberaubende Kursentwicklung der Aktien von Logitech über die letzten drei Jahre (Quelle: www.cash.ch).

Gut möglich, dass Logitech die Zielvorgaben für den operativen Jahresgewinn bei der nächsten Quartalsergebnispräsentation anheben wird. Spätestens dann werden Meunier und viele seiner Berufskollegen ihre Schätzungen erneut mit positiven Vorzeichen überarbeiten müssen.

Weiterhin uneinsichtig gibt sich hingegen der ebenfalls für Morgan Stanley tätige Toby Reeks bei den Valoren von Adecco, die er seit über einem Jahr mit "Underweight" zum Verkauf empfiehlt.

Zumindest beim Kursziel krebste der Analyst etwas zurück und zog dieses von einst 47,60 auf 64 Franken nach. Vom Schlussstand vom Freitag aus betrachtet leitet sich davon allerdings noch immer ein Rückschlagspotenzial um satte 18 Prozent ab.

Als vor wenigen Tagen der Rivale Randstad seinen Zahlenkranz vorlegte, weckte dieser Befürchtungen, wonach die Niederländer dem Stellenvermittler aus der Schweiz schon bald die Marktführerschaft streitig machen könnten.

Unangenehme Fragen muss sich Joerg-Andre Finke von HSBC gefallen lassen. Er empfiehlt die Valoren von Sulzer seit einer gefühlten Ewigkeit mit "Reduce" zum Verkauf. Selbst der zuletzt ziemlich erfreuliche Bestellungseingang für das dritte Quartal veranlasste den Analysten vor wenigen Tagen gerade mal zu einer leichten Erhöhung des Kursziels auf 95 (zuvor 92) Franken.

Er erachtet die schwierigen Absatzmärkte und den anhaltenden Preisdruck als von den Anlegern unterschätzt.

Es mangelt mir nicht an weiteren Beispielen, bei denen Analysten entweder mit ihrem Anlageurteil oder aber mit dem Kursziel ziemlich daneben liegen.

Da wäre auch noch der für die UBS tätige Joern Iffert mit seiner vor gut einem Jahr ausgesprochenen Verkaufsempfehlung für die Aktien von Gurit. Er sieht die Papiere des Verbundstoffherstellers angesichts des schwachen Wachstums und der stolzen Bewertung auf 790 Franken abtauchen. Nachdem die Aktien im Sommer in der Spitze auf über 1200 Franken gestiegen waren, notierten sie zuletzt bei 1045 Franken.

Mir ist durchaus bewusst: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Ich sehe den Grund für die teils heftigen Diskrepanzen zwischen den Aktienkursen und den Kurszielen denn auch eher bei den zu Übertreibungen neigenden Aktienmärkten...

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Wie die alte Fasnacht stufen die Autoren die Aktien von Swiss Re in einer Studie der Credit Suisse zur europäischen Rückversicherungsindustrie von "Underperform" auf "Neutral" herauf. In Erwartung eines nachlassenden Drucks auf die Prämiensätze erhöhen sie das Kursziel zwar auf 89 (bisher 85) Franken. Am Freitag gingen die Papiere des Traditionsunternehmens aus Zürich jedoch bei fast 94 Franken aus dem Handel. Überzeugung sieht anders aus.

Interessant ist, dass die Studienautoren ihre diesjährigen Dividendenprognosen zurückschrauben. Gingen sie bisweilen von einer Ausschüttung von 5,10 Franken je Aktie aus, sehen sie Swiss Re neuerdings nur noch 4,85 Franken entrichten.

Die Aktien von Swiss Re trotzten in den letzten Wochen jeglichen Widrigkeiten (Quelle: www.cash.ch).

Weitere Analysten dürften diesem Beispiel folgen und die diesjährigen Dividendenschätzungen auf den Stand vom Vorjahr zurücknehmen. Nicht weniger wichtig ist allerdings, ob das geplante Aktienrückkaufprogramm in Höhe von einer Milliarde Franken umgesetzt wird oder nicht. Diesbezüglich dürfte die Quartalsergebnispräsentation vom Donnerstag Klarheit schaffen.

Nachdem die Papiere von Swiss Re zuletzt einen überraschend guten Lauf hatten, sichere ich diese Titelposition bei meinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017 im Vorfeld mit dem Put-Warrant WSRAPV ab.
 

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