Macht Straumann-Hauptaktionär weiter Kasse?

Nach dem Ablauf der Sperrfrist könnte sich der Hauptaktionär von weiteren Straumann-Anteilen trennen – Nestlé erleidet weiteren Rückschlag bei Nespresso – Und: Analyst bricht Lanze für Aktien von UBS und CS.
27.11.2013 12:30
cash Insider
Macht Straumann-Hauptaktionär weiter Kasse?

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Ziemlich genau ein Jahr ist es her, als sich bewahrheitete, was die Spatzen am Hauptsitz von Straumann in Basel schon Wochen zuvor von den Dächern gepfiffen hatten. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion verscherbelte der Hauptaktionär Thomas Straumann ein 10-Prozent-Paket an den Staatsfonds von Singapur.

Im Gegenzug verpflichtete sich der Enkelsohn des Firmengründers über einen Zeithorizont von 12 Monaten keine weiteren Aktien mehr zu veräussern. Die Sperrfrist läuft in diesen Tagen aus, was am Markt Spekulationen weckt. Händler wollen nicht ausschliessen, dass sich Thomas Straumann von weiteren Teilen seiner bei 17,3 Prozent liegenden Beteiligung trennt.

Immerhin liegen die Aktien des Dentalimplantateherstellers seit dem Beteiligungsverkauf von damals mit rund 60 Prozent im Plus, den Dividendenabgang vom April dieses Jahres eingerechnet. Anders als vor Jahresfrist dürfte Thomas Straumann allerdings keinen unmittelbaren Mittelbedarf mehr haben.

Unklar bleibt die Rolle des Staatsfonds von Singapur. Dieser hält nicht nur 13,8 Prozent an Straumann sondern gleichzeitig auch 7,9 Prozent am Erzrivalen Nobel Biocare. Dennoch dürften die beiden Engagements den Asiaten schon seit Monaten Freude bereiten.

Weitere Aktienverkäufe seitens des Hauptaktionärs Thomas Straumann würden vom Markt möglicherweise als Misstrauensvotum an das Unternehmen und seinen neuen CEO Marco Gadola verstanden und mit einem Kursrückgang bestraft. Bleibt aus Aktionärssicht zu hoffen, dass es nicht soweit kommt.

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Seit Dienstagnachmittag haben die Namenaktien von Nestlé einen eher schweren Stand. Einem Kommentar aus dem Hause Kepler Cheuvreux entnehme ich den Grund für die plötzliche Kursschwäche.

Wie der viel beachtete Verfasser schreibt, hat das europäische Patentamt den Westschweizern ein Patent für die im Tiefpreissegment angesetzte Nespresso-Kaffeemaschine Pixie aberkannt. Nestlé könne den Entscheid zwar noch anfechten. Mit dem Verlust des Patents falle allerdings eine weitere Eintrittsbarriere in den lukrativen Markt für Kaffeekapseln weg.

Der Experte rechnet bei Nespresso denn auch mit einem in Zukunft schwächeren Wachstum. Nach mehreren von zweistelligen Wachstumsraten geprägten Jahren sei letztes mittlerweile nur noch knapp zweistellig. Der Geschäftszweig werde im laufenden Jahr rund 4,6 Milliarden Franken oder 5 Prozent zum Gruppenumsatz beitragen. In Kombination mit den hohen Investitionen drücke die Wachstumsverlangsamung auf kurze Sicht auf die Rentabilität.

Nestlé werde das mittelfristige Ziel eines organischen Umsatzwachstums von 5 bis 6 Prozent pro Jahr im laufenden Jahr verfehlen und über die kommenden Jahre nur ein Wachstum am unteren Ende dieser Zielbandbreite erreichen. Der Experte stützt sich bei dieser Prognose auf eine in Zukunft geringere Preisgestaltungsmacht, einem schwächeren Absatz in den USA, einer weiteren Eintrübung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Schwellenländern sowie einem in einigen Produktkategorien intensiveren Wettbewerb ab.

Nach der letzten Ergebnisveröffentlichung hätten die Aktien von Nestlé zu einer Gegenbewegung angesetzt, so der Experte. Nicht zuletzt aufgrund der mittlerweile stolzen Bewertung laufe diese allerdings bereits wieder aus. Ein Kurswechsel in Bezug auf die an L'Oréal gehaltene Beteiligung sei unwahrscheinlich und mit einer negativen Kursreaktion zu rechnen, sollte das Unternehmen dies noch vor Jahresende entsprechend kommunizieren.

Die von Nestlé Mitte Oktober veröffentlichten Quartalsumsatzzahlen fielen recht ordentlich aus. Eine Schwalbe macht aber noch keinen Sommer und so werden die Westschweizer den Beweis antreten müssen, dass sich die im dritten Quartal beobachtete Wachstumsbeschleunigung im laufenden Quartal fortgesetzt hat.

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Nicht nur die Namenaktien der Credit Suisse, auch jene der UBS sind in den letzten Wochen von ihren Jahreshöchstständen zurückgefallen. Zumindest für die Expertin von RBC Capital Markets scheint dies ein Grund, eine Lanze für die beiden Grossbanken zu brechen.

Die Papiere der UBS werden von «Sector Perform» auf «Outperform» hochgestuft. Nach einer Aufwärtsrevision ihrer Gewinnschätzungen auf bis zu 7 Prozent über die jeweiligen Konsensschätzungen beziffert die Analystin das Kursziel auf 20 Franken.

Der jüngste Kurszerfall gehe zu weit. Der hohen Rentabilität der Geschäftsaktivitäten ausserhalb des Investment Bankings wegen habe die Schweizer Grossbank einen Bewertungsaufschlag verdient. Aufwärtspotenzial sieht die Analystin in Bezug auf die geplanten Kosteneinsparungen und die diesbezüglich tiefe Erwartungshaltung ihrer Berufskollegen.

Nach dem strategischen Kurswechsel von vor zwei Jahren treffe die UBS die Diskussion rund um gesetzliche Vorgaben für das Leverage Ratio nur am Rande. Und aufgrund der geplanten Reduktion von Risikoaktiven könne die Schweizer Grossbank den diskutierten Schwellenwert von 6 Prozent bis Ende 2017 erreichen und trotzdem die Hälfte des jeweiligen Jahresgewinns als Dividende ausschütten.

Auch bei den mit «Outperform» und einem Kursziel von 33 Franken empfohlenen Aktien der Credit Suisse hält die Analystin den jüngsten Rückgang für übertrieben. Anders als bei der Erzrivalin UBS liegen hier die Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre nur um durchschnittlich 2 Prozent über den Konsensschätzungen.

Sofern die Situation an den Finanzmärkten keine Eintrübung erfährt, verfügen die beiden Schweizer Grossbankaktien über Erholungspotenzial. Längerfristig frage ich mich allerdings, wie die beiden Unternehmen die ambitiös hohen Gewinnerwartungen der Analysten in Zukunft erfüllen wollen.