Mächtige US-Banken senken für Aktien den Daumen

Der cash Insider sagt, welche anderen Investmentbanken neben Goldman Sachs auch vom Kauf von Aktien abraten - Und: Wissenswertes über das Ausscheiden der Credit Suisse aus dem Stoxx-50-Index.
02.08.2016 12:30
cash Insider
Mächtige US-Banken senken für Aktien den Daumen
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

Aktien sollte man kaufen, wenn die Kanonen donnern, pflegte Carl Mayer Freiherr von Rothschild schon im 19. Jahrhundert zu sagen. Mit diesen Worten gilt der berühmte Banquier - damals übrigens noch ein hochangesehener Berufsstand - als Wegbereiter des antizyklischen Investierens.

Davon, sich gegen den Strom zu stellen, will man gerade in angelsächsischen Kreisen allerdings so gar nichts wissen. Alleine am Donnerstag und Freitag gingen bei der Schweizer Börse SIX zu nicht weniger als 15 mittelgrossen und grossen Unternehmen Offenlegungsmeldungen ein, bei denen Blackrock jüngst Geld vom Tisch genommen hat (siehe Kolumne vom Freitag).

Drei Wochen ist es nun her, dass der weltgrösste Vermögensverwalter die europäischen Aktienmärkte von "Neutral" auf "Underweight" heruntergestuft hat. Womöglich hat Blackrock seit damals noch einmal kräftig Aktien verkauft. Das lassen zumindest die besagten Offenlegungsmeldungen vermuten.

Mit Goldman Sachs findet der Vermögensverwalter in diesen Tagen einen prominenten Nachahmer. Auch diese amerikanische Investmentbank senkt ihre taktische Empfehlung für Aktien von "Neutral" auf "Underweight".

Wie ich einer mir aus London zugespielten Strategiestudie entnehme, sehen die Autoren den Weltaktienindex von MSCI über die nächsten drei Monate um knapp 9 Prozent fallen. Überdurchschnittliche 10 Prozent dürfte dabei der amerikanische S&P-500-Index unter die Räder kommen, der breit gefasste Stoxx-Europe-600-Index sogar um mehr als 11 Prozent.

Die Aktienmärkte seien stolz bewertet und die Unternehmensgewinnentwicklung armselig, so das ernüchternde Urteil der Experten. Ausserdem finden sie wenig Gefallen daran, dass viele Marktakteure mit einer neuen Runde in der "Politik des billigen Geldes" rechnen. Auf einen Horizont von zwölf Monaten wird der Kundschaft allerdings wie bis anhin zu einer neutralen Gewichtung geraten.

Goldman Sachs befindet sich übrigens in bester Gesellschaft. Mit J.P. Morgan und Morgan Stanley sind zwei weitere bekannte amerikanische Investmentbanken ziemlich pessimistisch für die europäischen Aktienmärkte.

Anlegerinnen und Anleger aus der Schweiz hatten gestern gleich doppeltes Nachsehen. Da der Heimmarkt feiertagsbedingt geschlossen war, können sie erst heute auf die taktische Herunterstufung durch Goldman Sachs reagieren. Dasselbe gilt für das Ausscheiden der Aktien der Credit Suisse aus dem Stoxx-Europe-50-Index (siehe untenstehenden Beitrag).

***

Erst vor wenigen Wochen gelang es ausländischen Hedgefonds, die Aktien der Credit Suisse in den einstelligen Kursbereich absacken zu lassen. Schon damals hiess es, die Tage der Schweizer Grossbank im Stoxx-Europe-50-Index seien gezählt (siehe Kolumne vom 16. Juni).

Zwar konnten sich die Valoren der Credit Suisse wieder fangen und sich trotz eines durchwachsenen Zahlenkranzes für das zweite Quartal in der Kursregion von 11 Franken festigen.

Was die Indexzugehörigkeit anbetrifft, sind die Würfel nun gefallen: Aufgrund der sogenannten "Fast Exit"-Regel fällt die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken zum 8. August aus dem viel beachteten Stoxx-Europe-50-Index. Die Regel sieht ein sofortiges Ausscheiden eines Unternehmens vor, wenn dessen Aktie an zwei aufeinanderfolgenden Monatsenden auf Rang 75 oder schlechter liegt.

Einem Kommentar der Commerzbank entnehme ich, dass die Credit Suisse zuletzt auf Rang 80 stand und beim Börsenbarometer gerade mal noch 0,6 Prozent zur Gesamtkapitalisierung beitrug. Im Boxsport würde man wohl von einem "Fliegengewicht" sprechen.

Dieses Schicksal teilt sie übrigens mit der Deutschen Bank. Auch sie bringt nur eine Gewichtung von 0,6 Prozent auf die Waage, was ihr Rang 88 einbringt.

Ein Ausscheiden geht weit über die Prestigefrage hinaus. Schliesslich werden weltweit Milliarden von Franken in Anlehnung an den Stoxx-Europe-50-Index angelegt. In den nächsten Tagen sind indexorientierte Marktakteure und die Emittenten von Index-Zertifikaten gezwungen, sich von Aktien der Credit Suisse im Umfang von schätzungsweise zweieinhalb durchschnittlichen Tagesvolumen zu trennen.

Vier Jahre ist es her, dass der Schweizer Grossbank die "Fast Exit"-Regel schon einmal zum Verhängnis wurde. Die Börse zeigte keine Gnade und strafte die Papiere damals während mehreren Tagen mit Kursverlusten im Umfang von rund 10 Prozent ab. Es sollte ein ganzes Jahr dauern, bis die Credit Suisse wieder Einzug im Stoxx-Europe-50-Index erhielt.

Ein bisschen Schadenfreude spielt bei der Commerzbank und ihren Aktienstrategen wohl mit, war doch auch die deutsche Grossbank einst eine Komponente des Börsenbarometers. Das liegt aber schon einige Jahre zurück.

Womöglich bieten sich die geprügelten Aktien der Credit Suisse in den nächsten Tagen zum Einstieg an. Mehr als eine kleine und vor allem kurzfristige Wette würde ich allerdings nicht eingehen - zu zahlreich sind die Baustellen der Schweizer Grossbank immer noch.
 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.