Mächtigste Bank warnt vor Börsenrücksetzer

Goldman Sachs, die wohl mächtigste Bank der Welt, warnt unverblümt vor Börsenrückschlägen und sagt, wie sich Anleger vor solchen schützen - Und: Was weiss Barclays bei der Credit Suisse, was wir nicht wissen?
09.06.2016 12:30
cash Insider
Mächtigste Bank warnt vor Börsenrücksetzer
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

Wenn Goldman Sachs eine Empfehlung ausspricht, hört die Finanzwelt genaustens hin. Denn diese sorgen an den Märkten regelmässig für ziemliche Kursverwerfungen.

Das überrascht nicht, gilt doch keine andere Investmentbank auch nur als annähernd so gut vernetzt wie die Amerikaner. In Politik, Wirtschaft und bei den Zentralbanken - überall haben ehemalige Kadermitarbeiter leitende Funktionen inne. Und die Liste wird immer länger und länger.

In einer mir aus London zugespielten Strategiestudie geben sich die Autoren von Goldman Sachs gewohnt vorsichtig für die Aktienmärkte. Gewohnt deshalb, weil die amerikanische Grossbank schon seit Monaten vor den überzogen hohen Bewertungen und den Folgen der Wachstumsflaute warnt.

Neuerdings gehen die Strategen aber noch einen Schritt weiter und warnen vor einem Börsenrückschlag, wie wir ihn beim amerikanischen S&P-500-Index seit Anfang 2014 neunmal erlebt haben. Bei zwei Gelegenheiten tauchte das breit gefasste Börsenbarometer um mehr als 10 Prozent, ansonsten immerhin um 5 oder mehr Prozent.

Sei es Anlegern früher möglich gewesen, sich über Anleihen oder Rohstoffe gegen fallende Aktienkurse abzusichern, sei dies heute nicht mehr möglich, schreiben die Autoren. Der Grund: Im Zuge der "Politik des billigen Geldes" bewegen sich alle diese Anlageklassen mehr oder weniger im Gleichschritt.

Für die Strategen kommt gerade den taktischen Barmittelbeständen wieder eine Bedeutung zu. Auch durch Umschichtungen in Aktien von als weitestgehend konjunkturunabhängig geltenden Unternehmen lässt sich ihres Erachtens ein Börsenrückschlag abfedern. Allerdings geben sie zu verstehen, dass dieses Titelsegment schon seit knapp zwei Jahren überdurchschnittlich stark abgeschnitten hat und vermutlich nicht mehr den gewünschten Schutz bietet. Sie raten ihrer Anlagekundschaft deshalb entweder zum Verschreiben von Aktienengagements mittels Call-Optionen, zur Absicherung dieser über Put-Optionen oder zum Kauf von Volatilitätszertifikaten. Eines haben diese Absicherungsstrategien jedoch gemeinsam: Sie alle richten sich in erster Linie an institutionelle Grossinvestoren.

Was die Gefahr eines deutlicheren Rücksetzers anbetrifft, halte ich am heimischen Aktienmarkt vor allem die Nebenwerte für gefährdet. Nicht wenige dieser Aktien haben sich über die letzten 12 bis 18 Monate mehr als im Kurs verdoppelt – und sich weit von der eigentlichen Gewinnentwicklung abgekoppelt (siehe auch meine Kolumne vom 25. Mai). Mein Bauchgefühl sagt mir, dass sich dieser Höhenflug in einem weit fortgeschrittenen Stadium befindet.

***

Seinen Einstand bei der Credit Suisse hatte sich der neue Konzernchef Tidjane Thiam womöglich anders vorgestellt. Mitte Februar dieses Jahres tauchten die Aktien seines Arbeitgebers bei 12,23 Franken gar auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken scheint einiges im Argen zu liegen. Denn während der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) seither knapp 13 Prozent gutgemacht hat, notieren die Valoren der Credit Suisse weiterhin nur unwesentlich über ihren Tiefstständen.

Alleine seit dem letzten Spätsommer ist der Wert der traditionsreichen Grossbank aus Zürich an der Börse um mehr als die Hälfte geschmolzen. Immer mittendrin: der für Barclays Capital tätige Analyst und seine Kundschaft.

Nun wirft dieser heute völlig unerwartet das Handtuch und stuft die Aktien der Credit Suisse von "Overweight" auf "Equal-weight" herunter. Aufgrund des schwierigen Marktumfelds streicht der Experte seine diesjährigen Gewinnschätzungen um 75 Prozent zusammen. Das hat Folgen für das Kursziel, das neu bei gerade mal 14 (19) Franken liegt. Noch bis vor wenigen Monaten wurde das Kursziel sogar auf 31 Franken beziffert.

Dieser Handtuchwurf nahe den langjährigen Tiefstständen liess heute ein Raunen durch den hiesigen Berufshandel gehen. Weiss Barclays Capital bei der Credit Suisse eventuell etwas, was wir nicht wissen?

Fakt ist: Auch die britische Grossbank gerät immer wieder wegen Manipulationsvorwürfen in die Schlagzeilen. Dass nun ausgerechnet sie bei ihrer Schweizer Rivalin vor drohenden Rechtskosten und einer weiteren möglichen Kapitalerhöhung warnt, ist an Brisanz kaum zu überbieten.

Interessantes entnehme ich übrigens einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX. So ist der rechnerische Stimmenanteil der Olayan Group von 11,36 auf 10,15 Prozent gefallen. Begründet wird diese Beteiligungsveränderung mit angepassten Bedingungen für Finanzinstrumente. Schon seit Tagen kursieren an der Börse nämlich Spekulationen, wonach einer oder mehrere Grossaktionäre sich von Aktien trennen würden. Sollten sich diese Mutmassungen erhärten, hätte das durchaus Signalwirkung.

So bleibt denn auch der einzige Trost, dass der Bankenanalyst von Barclays Capital über einen bestenfalls mässigen Leistungsausweis verfügt. Bei der heutigen Herunterstufung könnte es sich deshalb gegebenenfalls sogar um ein Kaufsignal handeln, so lasse ich mir von Händlern sagen.
 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.