Massive Umstufungen am Schweizer Aktienmarkt

BNP Paribas senkt den Daumen für die Pharma- und Nahrungsmittelaktien. Ausserdem berichtet der cash Insider von Umstufungen für die Aktien von Swiss Re, Sunrise Communications, SGS, Nestlé, DKSH sowie Dorma+Kaba.
09.09.2016 12:30
cash Insider
Massive Umstufungen am Schweizer Aktienmarkt
Bild: fotolia.com

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Entgegen anders lautenden Erwartungen führender Wirtschaftsexperten beliess die Europäische Zentralbank (EZB) gestern Nachmittag alles beim Alten. Dieselben Experten vertrösten nun auf das nächste Treffen. Dieses steht im Dezember an - ganz nach dem Prinzip: Nach der geldpolitischen Sitzung ist vor der geldpolitischen Sitzung.

Derweil verlagert sich das Handelsgeschehen am Schweizer Aktienmarkt wieder von makroökonomischen auf mikroökonomische Themen. Das macht sich dadurch bemerkbar, dass heute reihenweise zu Umstufungen getätigt werden.

Von Tragweite sind vor allem die veränderten Branchenpräferenzen der für BNP Paribas tätigen Strategen. Die Herunterstufung europäischer Pharmawerte von "Overweight" auf "Neutral" trifft den Heimmarkt nicht weniger stark als jene von "Neutral" auf "Underweight" für die europäischen Nahrungsmittelaktien. Schliesslich sind die hiesigen Vertreter aus diesen beiden Wirtschaftszweigen, Nestlé, Roche und Novartis, beim Swiss Market Index (SMI) für nicht weniger als zwei Drittel der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

Schon zu Wochenbeginn senkte ein bekannter Stratege den Daumen für den Schweizer Aktienmarkt (siehe Kolumne vom 6. September).

Gerade bei Nestlé hält die Deutsche Bank allerdings kräftig dagegen. In einer Branchenstudie nehmen die Autoren die Aktien des Nahrungsmittelherstellers aus Vevey als Schlüsselkaufempfehlung von "Hold" auf "Buy" hoch. In Erwartung grösserer Veränderungen unter dem zukünftigen Konzernchef wird das Kursziel neu mit 90 (80) Franken angegeben.

Als stützend erweisen sich bei diesem Indexschwergewicht heute auch wiedererwachte Spekulationen, wonach sich Nestlé schon bald von der L'Oréal-Beteiligung trennen könnte. Als Käufer des Aktienpakets wird der französische Kosmetikhersteller selber genannt.

Ebenfalls überraschend gut stecken die Valoren von Swiss Re eine Herunterstufung von "Equal Weight" auf "Underweight" durch Barclays Capital weg. Womöglich hängt das damit zusammen, dass der für die britische Grossbank tätige Analyst das Kursziel auf 90 (85) Franken erhöht.

Was ich der Studie zur europäischen Rückversicherungsindustrie entnehmen kann, ist von Brisanz allerdings kaum zu überbieten: Der Autor glaubt nämlich nicht, dass Swiss Re das Aktienrückkaufprogramm ab dem kommenden Jahr im selben Tempo aufrecht halten kann. Diesbezüglich gehen die Meinungen in Expertenkreisen immer stärker auseinander.

Mit SGS trifft es heute einen weiteren Vertreter aus dem SMI. Der schon seit Jahren für den Warenprüfkonzern aus Genf verantwortliche Analyst von Morgan Stanley stuft dessen Aktien von "Equal-weight" auf "Underweight" herunter. Neuerdings liegt das Kursziel bei 2095 (1980) Franken.

Der Experte zeigt zwar sichtlich Gefallen am Geschäftsmodell sowie an der Akquisitionspolitik des Unternehmens. Mittlerweile nehme die Börsenbewertung allerdings die Barmittelgenerierung des nächsten Vierteljahrhunderts vorweg, so schreibt er.

Wie mir Händler berichten, schichtet Morgan Stanley heute über London kräftig aus den Papieren von SGS in jene von "aussichtsreicheren" Branchengrössen um.

Die Aktien von Sunrise Communications machen einen Grossteil ihrer im Zug einer Herunterstufung von "Buy" auf "Hold" durch Kepler Cheuvreux erlittenen Kursverluste wieder wett. Diese wird denn auch mit den in die Nähe des Kursziels von 72 Franken gestiegenen Kursnotierungen begründet. Andere unternehmensspezifische Gründe nennt man bei Kepler Cheuvreux nicht. Dennoch sei dem verantwortlichen Experten zu diesem konsequenten und nachahmungswürdigen Schritt gratuliert.

Weit oben in der Gewinnerliste stehen heute die Papiere von DKSH. In einer Unternehmensstudie weckt der Analyst von HSBC die Begehrlichkeit nach einer satten Sonderdividende. Eine Verkaufsempfehlung hält er nicht mehr länger für gerechtfertigt, weshalb er sein Anlageurteil von "Sell" auf "Hold" anhebt. Das Kursziel lautet neu 60 (51) Franken.

Eigentlich wurde aufgrund des Firmenjubiläums schon im vergangenen Jahr auf einen Zustupf aus der Kriegskasse des traditionsreichen Geschäftsdienstleistungsunternehmens spekuliert. Auf einen solchen warten die Aktionäre jedoch noch immer.

Erst am Mittwoch wartete Dorma+Kaba mit einem schwächer als erwartet ausgefallenen Jahresergebnis auf. Der Grund: Hohe einmalige Kosten für die Zusammenführung der beiden Firmen. Prompt wurden die zuvor gut gelaufenen Aktien des Sicherheitstechnikunternehmens von der Börse mit Kursverlusten abgewatscht. Der für Vontobel tätige Experte nutzt diese vorübergehende Formschwäche für eine Erhöhung des Anlageurteils von "Reduce" auf "Hold". Obwohl die Schätzungen für den operativen Gewinn (EBITDA) um bis zu 7 Prozent reduziert werden, errechnet er neu ein Kursziel von 690 (550) Franken.

 

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