Meyer-Burger-Aktionäre müssen erneut bluten

Nicht zum ersten Mal müssen die Aktionäre von Meyer Burger die Zeche bezahlen. Der cash Insider nennt die Gewinner der Bilanzsanierung - Und: Leerverkäufer auch bei Burckhardt Compression in Champagnerlaune.
08.11.2016 12:30
cash Insider
Meyer-Burger-Aktionäre müssen erneut bluten
Bild: fotolia.com

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Seit heute ist die Leidensgeschichte der langjährigen Aktionäre von Meyer Burger um ein Kapitel reicher. Nachdem die Aktien am Freitag vorübergehend auf den tiefsten Stand in der Firmengeschichte gefallen waren, zwingt die erfolglose Suche nach neuen Geldgebern das einstige Vorzeigeunternehmen zur dritten Kapitalerhöhung innerhalb weniger Jahre.

Die Ausgabe neuer Aktien soll rund 160 Millionen Franken in die Kasse spülen und die Rückzahlung der im Mai nächsten Jahres fällig werdenden Obligationsanleihe sowie die Finanzierung des Tagesgeschäfts sicherstellen. Den Aktionären wird zwar ein Bezugsrecht gewährt. Allerdings müssen sie dem schlechten Geld sehr viel gutes hinterherwerfen, wollen sie eine Gewinn- und Stimmenverwässerung vermeiden.

In einem Kommentar äussert der für die Zürcher Kantonalbank tätige Autor jedenfalls Bedenken, ob die geplante Kapitalerhöhung die benötigten 160 Millionen Franken einbringen wird. Er sieht die Aktien von Meyer Burger deshalb kurzfristig noch einmal unter Verkaufsdruck geraten.

Deutlich optimistischer gibt sich sein Berufskollege von der Bank Vontobel. Seines Erachtens sind die vorgeschlagenen Bedingungen der Bilanzsanierung für alle Anspruchsgruppen akzeptabel, wenn man die Verbesserungen im Tagesgeschäft bedenkt. Obschon er das 5 Franken lautende Kursziel in negative Revision nimmt, macht der Analyst kein Geheimnis daraus, dass er mit einer Kaufempfehlung für die Aktien liebäugelt.

Bei Veraison werden die Massnahmen zur Stärkung der Bilanz begrüsst, wie der bekannte Vermögensverwalter die Öffentlichkeit in einer Mitteilung an die Medien wissen lässt. Die geplante Rekapitalisierung sichere eine nachhaltige Finanzierung der Gesellschaft und sei im Interesse aller Anspruchsgruppen, so lässt sich der Mitteilung entnehmen.

So ganz stimmt das allerdings nicht. Mitte Juli stieg Veraison über die Wandelanleihe beim Solarzulieferunternehmen ein (siehe Kolumne vom 15. Juli). Als Gläubiger dieser Anleihe wird der Vermögensverwalter auf sein Recht auf eine vorzeitige Rückzahlung im Herbst 2018 verzichten müssen. Als Entschädigung erhält er eine höhere Verzinsung. Darüber hinaus wird der Wandelpreis nach unten angepasst.

Mit solchen Zugeständnissen dürfen die langjährigen Aktionäre nicht rechnen. Sie sind es, die im Rahmen der Bilanzsanierung bluten müssen. Die kreditgebenden Banken und die Anleihegläubiger werden zu Lasten der Aktionäre deutlich besser gestellt. Wenn es um das Überleben eines Unternehmens geht, stehen die Aktionäre mit ihren Interessen - wie so üblich - zuhinterst an.

Nicht nur die kreditgebenden Banken und die Anleihengläubiger, auch die vorwiegend im Ausland sitzenden Leerverkäufer dürften heute die Champagnerkorken knallen lassen. Denn gemäss Erhebungen des Beratungsunternehmens Markit liefen Ende Oktober Wetten im Umfang von nicht weniger als 12 Prozent aller ausstehenden Aktien gegen Meyer Burger. Wie mir Händler berichten, wurden einige dieser Wetten heute mit einem satten Gewinn geschlossen.

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Für reichlich Wasser auf die Mühlen ausländischer Leerverkäufer sorgt heute auch Burckhardt Compression. Sowohl beim Umsatz als auch beim Bestellungseingang verfehlt der Zahlenkranz für die erste Hälfte des Fiskaljahres 2016/17 die Analystenerwartungen deutlich. Dasselbe gilt unter Ausklammerung einmaliger Gewinne auch für den operativen Gewinn (EBIT) sowie für den Reingewinn.

Und als ob das nicht schon genug wäre, reduziert der führenden Hersteller von Kolbenkompressorsystemen auch gleich noch seine Umsatz- und Gewinnprojektionen fürs Gesamtjahr.

Wie Erhebungen des Beratungsunternehmens Markit zeigen, wetteten ausländische Leerverkäufer Ende Oktober mit knapp 15 Prozent der ausstehenden Aktien gegen Burckhardt Compression.

Die Freude dürfte in diesem Lager dementsprechend gross sein. Denn mit einem Minus von 8,3 Prozent auf 257,25 Franken (Stand 11.50 Uhr) schneiden an der Schweizer Börse SIX heute nur die Valoren von Meyer Burger noch schlechter ab.
 

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