Meyer Burger, Idorsia & Co.Credit Suisse nennt rückschlagsgefährdete Aktien

Der Credit Suisse zufolge droht neben Idorsia, Bachem und Meyer Burger weiteren Aktien ein Kursrückschlag - Und: Analysten aus dem angelsächsischen Raum entdecken ihre Liebe für die Aktien von Zurich Insurance wieder.
13.09.2017 12:30
cash Insider
Credit Suisse nennt rückschlagsgefährdete Aktien
Bild: fotolia.com

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Ein Flug von Zürich nach New York dauert knapp 9 Stunden. Doch nicht nur die 6'400 Kilometer, welche es dabei zurückzulegen gilt - auch was das Börsengeschehen anbetrifft, trennen die beiden Städte gefühlte Welten.

Denn während die Marktakteure an der Leitbörse in New York seit längerem einen Bogen um die Aktien kleiner und mittelgrosser Unternehmen machen, spielt die Musik bei uns vor allem in diesem Titelsegment.

Die Autoren eines mir aus London zugespielten Strategiepapiers der Credit Suisse erklären sich diese Diskrepanz mit dem freundlicheren Wirtschaftsumfeld in Europa. Die konjunkturellen Frühindikatoren seien so stark wie seit Jahren nicht mehr und das Gewinnmomentum bei kleinen und mittelgrossen Unternehmen sei rekordverdächtig, so schreiben sie.

Allerdings sehen die Strategen in den ungewohnt starken konjunkturellen Frühindikatoren und im rekordhohen Gewinnmomentum auch Verkaufsargumente. Gleichzeitig lassen sie durchblicken, dass Anleger bereits bis über beide Ohren in europäischen Nebenwerten investiert sind.

Als rückschlagsgefährdet stufen die Autoren des Strategiepapiers insbesondere Nebenwerte aus der Schweiz sowie die Aktien kleinerer und mittelgrosser Halbleiterhersteller, Softwareunternehmen und Pharmahersteller ein.

Namentlich erwähnt werden in diesem Zusammenhang die beiden Schweizer Pharmazulieferer Siegfried und Bachem, die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech, die Pharmahersteller Santhera, Idorsia, Molecular Partners, Basilea und Cosmo Pharmaceuticals, der Laborausrüster Tecan, der Börsendebütant Galenica Santé, der Halbleiterhersteller U-blox sowie der Solarzulieferer Meyer Burger.

Die Aktien von Cosmo Pharmaceuticals und Tecan werden von der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken offiziell mit "Outperform" zum Kauf, jene von U-blox hingegen mit "Underperform" zum Verkauf empfohlen. Dasselbe gilt für die Valoren von Meyer Burger. Vom Solarzulieferer wusste ich gar nicht, dass die Grossbank ihn überhaupt noch mitverfolgt und mit "Underperform" einstuft.

Aktienkursentwicklung von BB Biotech (rot) im Vergleich mit jener von Siegfried (grün) und Tecan (violett) (Quelle: www.cash.ch)

Interessant sind auch Erhebungen der Credit Suisse rund um die von Nebenwertefonds gehaltenen Firmenbeteiligungen. Unter den 25 beliebtesten europäischen Nebenwerten sind nur gerade die Aktien von Helvetia zu finden. Das war vor wenigen Monaten noch ganz anders.

Die Frage ist nicht ob, sondern eher wann bei uns am Schweizer Aktienmarkt die Exzesse im Segment der Nebenwerte in Tränen enden. Aus eigener Erfahrung dauern Übertreibungsphasen oft sehr viel länger als gedacht. Vermutlich wollen sich die Strategen der Credit Suisse auch deshalb nicht festlegen, wann bei den Aktien kleiner und mittelgrosser Unternehmen der schmerzhafte Kursrückschlag kommt.

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Noch bis vor wenigen Wochen flirteten die Aktien der Zurich Insurance Group intensiv mit den 300 Franken. Dass es bloss bei einem Flirt blieb, dafür sorgte die Anstandsdame "Irma" mit tatkräftiger Unterstützung ihres Vorgängers "Harvey".

Die beiden Wirbelstürme, sie hinterliessen im Süden der Vereinigten Staaten eine Schneise der Verwüstung, könnten den Versicherungskonzern aus Zürich bis zu 600 Millionen Dollar kosten. Allerdings gilt das Unternehmen als gut rückversichert, weshalb die Dividendenaussichten als intakt gelten.

War die Zurich Insurance Group noch im Frühsommer eine der am häufigsten zum Verkauf empfohlenen Aktien aus dem Swiss Market Index (SMI), scheinen gerade angelsächsische Analystenkreise ihre Liebe für den Versicherungskonzern neu zu entdecken.

Erst gestern hob der für J.P. Morgan tätige Experte sein Anlageurteil aus taktischen Gründen von "Neutral" auf "Overweight" an. Das überrascht, trennen die Papiere doch weniger als 5 Prozent vom 304 Franken lautenden Kursziel. Überzeugung sieht jedenfalls anders aus.

Kursentwicklung der Zurich-Aktien während den letzten 12 Monaten (Quelle: www.cash.ch)

Wenige Tage zuvor stufte bereits der Berufskollege der Citigroup die Aktien bei einem Kursziel von neu 321,20 (bisher 274) Franken von "Neutral" auf "Buy" herauf.

Bei beiden amerikanischen Investmentbanken wird - trotz den jüngsten Naturkatastrophen - auf die guten Dividendenaussichten hingewiesen. Bei J.P Morgan sieht man den Versicherungskonzern im April bis zu 18 Franken je Aktie ausschütten, bei der Citigroup immerhin deren 17 Franken.

Nach der Neubeurteilung und -bewertung der vergangenen 12 Monate bedarf es vermutlich aber erst einmal weiterer Erfolgsmeldungen, bevor sich die Aktien der Zurich Insurance Group bei Kursen über 300 Franken einpendeln können.

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