Milliardenschwere Übernahme - Muss Roche noch tiefer in die Tasche greifen?

Roche kämpft mit Widerstand gegen die geplante Übernahme von Spark Therapeutics - AMS darf dank Apple hoffen - Und: Auffällige Handelsaktivitäten bei Panalpina im Vorfeld der Angebotsnachbesserung.
02.04.2019 14:30
cash Insider
Muss Roche noch tiefer in die Tasche greifen?
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Als Roche am Morgen des 25. Februars die Übernahme von Spark Therapeutics ankündigte, reagierte die Börse ziemlich verschnupft. Der Pharma- und Diagnostikkonzern aus Basel überzahle den milliardenschweren Vorstoss ins Geschäft mit Gentherapien, so lautet bis heute der Vorwurf.

Das sehen einige der Aktionäre von Spark Therapeutics jedoch ganz anders. Sie überdecken den amerikanischen Spezialisten für Gentherapien mit Klagen. Im Zentrum steht dabei der Vorwurf, das Unternehmen habe im Empfehlungsschreiben an die Aktionäre unvollständige oder irreführende Angaben zum ihm vorliegenden Angebot gemacht. Sowohl Spark Therapeutics als auch Roche weisen diesen Vorwurf entschieden zurück.

Mit Schweizer Aktien handeln - jetzt Konto eröffnen bei cash.ch

 

Und auch wenn es nicht aus den Anklageschriften hervorgeht, so lässt sich zumindest erahnen, dass sich einmal mehr alles um das liebe Geld dreht. Ziel der klagenden Aktionäre dürfte sein, nachträglich ein besseres Übernahmeangebot auszuhandeln.

Kursentwicklung der Genussscheine von Roche über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Ob Roche wirklich bereit ist, sich die Gunst der oppositionellen Aktionäre mit einer Nachbesserung der umgerechnet fast 5 Milliarden Franken schweren Offerte zu erkaufen, ist allerdings fraglich. Denn im Vordergrund stehen zuerst einmal die Interessen der eigenen Aktionäre.

Nichts scheut die Börse bekanntlich mehr als die Ungewissheit. Mich überrascht jedenfalls nicht, dass die britische Liberum die Genussscheine von Roche vorsorglich schon mal von der Liste der Schlüsselkaufempfehlungen streicht.

+++

Vor wenigen Tagen stufte Analyst Robin Brass von Hauck & Aufhäuser die Aktien des Sensorenherstellers AMS in Erwartung eines schwachen zweiten Quartals von "Hold" auf "Sell" herunter. Das Kursziel beziffert der Analyst auf gerademal etwas mehr als 20 Franken.

Anders als seine Berufskollegen, die dem Apple-Zulieferer im anlaufenden Quartal einen Umsatz von 378 Millionen Dollar zutrauen, rechnet Brass gerademal mit 335 Millionen Dollar. Wer denn nun richtig liegt, verrät womöglich erst die Quartalsergebnisveröffentlichung von Ende April. Verhält es sich wie immer, gibt AMS dann auch Zielvorgaben für das laufende Quartal bekannt.

Noch entwickelt sich der Aktienkurs aber so gar nicht in die vom Analysten gewünschte Richtung. Ganz im Gegenteil: Aus China eintreffende Berichte rund um dortige Preissenkungen für die wichtigsten iPhone-Modelle verliehen den Papieren zuletzt Auftrieb.

Die Rechnung ist denkbar einfach: Setzt Apple im Zuge tieferer Preise mehr iPhone ab, kann AMS seinem amerikanischen Grosskunden mehr Bauteile liefern - etwa für die 3D-Sensorik.

Wichtige Anhaltspunkte erhoffe ich mir diesbezüglich von der Quartalergebnisveröffentlichung in wenigen Wochen.

+++

Just als kaum noch jemand daran glaubte, liess Panalpina am gestrigen Montag die Bombe platzen: Die dänische DSV bessert das Übernahmeangebot für den Luftfrachtspezialisten aus Basel auf knapp 196 (zuvor 180) Franken je Aktie nach. Und anstatt Barmittel gibt es Aktien des neu entstehenden Unternehmens.

Nun sind alle zufrieden. Die Ernst Göhner Stiftung bleibt als Ankeraktionärin mit an Bord, und die beiden ausstiegswilligen Finanzinvestoren Cevian Capital und Artisan Partners können endlich Kasse machen.

Kursfeuerwerk bei den Panalpina-Aktien nach der Einigung (Quelle: www.cash.ch)

Die Aktien von Panalpina reagierten mit einem Kursfeuerwerk auf die überraschende Einigung zwischen DSV und der Ernst Göhner Stiftung. Bei Börsenschluss resultierte noch ein Plus von 13 Prozent auf fast 191 Franken.

Während im Vorfeld bei den Aktien selbst keine auffälligen Handelsaktivitäten zu beobachten waren, lässt sich dasselbe von den Derivaten nicht sagen. Am Donnerstag deckte sich jemand bei den Call-Warrants PWTBJB und PWTMJB mit jeweils 200'000 Stück ein.

Dass die derivatseitigen Handelsaktivitäten zuvor über Wochen hinweg gegen Null tendierten, lässt tief blicken...

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
 
Aktuell+/-%
Roche Hldg G312.90-0.24%
ams I17.490+5.68%
Apple Rg438.12-2.84%