Momentaner Börsenüberflieger - Beschämende Kehrtwende eines Analysten bei AMS

Das Kursfeuerwerk bei AMS lässt einen bekannten Analysten auf seiner Verkaufsempfehlung für die Aktien kapitulieren. - Und: Wenn aggressive Kaufempfehlungen nicht länger Wirkung entfalten.
03.05.2019 12:30
cash Insider
Beschämende Kehrtwende eines Analysten bei AMS
Bild: fotolia.com

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Hätte ich jemandem im Januar gesagt, dass sich die Aktien des Sensorenherstellers AMS innerhalb weniger Monate im Kurs verdoppeln werden - ich wäre vermutlich für verrückt erklärt worden. Zu diesem Zeitpunkt steckten die Aktionäre nämlich in einer tiefen Sinnkrise, wie die damals bezahlten Kurse von etwas mehr als 18 Franken eindrücklich belegen.

Knapp vier Monate später und fast 30 Franken im Aktienkurs höher ist von einer Sinnkrise nicht mehr viel zu spüren. Es scheint, als hätten die Entscheidungsträger am Firmensitz von AMS in Unterpremstätten aus ihren Kommunikationsfehlern vom vergangenen Jahr gelernt. Rückblickend stapelten sie für das erste Quartal wohl absichtlich tief und hatten so das Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Seit dem frühen Dienstagmorgen wissen wir nämlich: Es läuft wieder deutlich besser beim Sensorenhersteller.

Das Kursfeuerwerk der letzten Tage bringt so manchen Leerverkäufer an den Rand der Verzweiflung. Doch nicht nur die Leerverkäufer geraten immer mehr in Erklärungsnot - auch der eine oder andere Analyst steht ziemlich unglücklich da.

Das gilt insbesondere für Robin Brass von Hauck & Aufhäuser. Der für die Hamburger Privatbank tätige Analyst hatte die Aktien von AMS Ende März mit einem Kursziel von 20,50 Franken von "Hold" auf "Sell" heruntergestuft und eindringlichst vor einem schwachen ersten Halbjahr gewarnt.

In einer mir zugespielten Unternehmensstudie macht Brass den Schritt von Ende März nicht nur rückgängig, er geht sogar noch einen Schritt weiter und stuft die Papiere auf "Buy" herauf. Nach einer Aufwärtsrevision seiner Gewinnschätzungen um bis zu 50 Prozent errechnet der Analyst neuerdings ein dreimal höheres Kursziel von 60 Franken. Und das, nachdem sich der Aktienkurs mehr oder weniger verdoppelt hat.

Atemberaubender Höhenflug der AMS-Aktien seit Jahresbeginn. (Quelle: cash.ch)

Vergessen scheint die Angst vor einer längeren Auftragsflaute und einem schwachen zweiten Quartal. Auch seine Warnung vor der hohen Nettoverschuldung des Sensorenherstellers schlägt Brass wieder in den Wind.

Der Analyst sorgte hierzulande schon mal mit einer beschämenden Kehrtwende für Gesprächsstoff, als er Mitte November letzten Jahres bei den Papieren von AMS von "Buy" auf "Sell" umschwenkte und das Kursziel auf 23,60 (zuvor 80) Franken zusammenstrich.

Mit seinem Hüst -und Hott erweist Brass nicht nur sich selber, sondern gleich der ganzen Berufsgilde einen ziemlichen Bärendienst.

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Eigentlich müsste das Geschäft bei Clariant brummen, erzielt der Spezialitätenchemiehersteller aus Basel doch geschätzte zwei Drittel des operativen Gewinns in spätzyklischen Geschäftsfeldern. Letztere sorgen vor allem dann für volle Auftragsbücher, wenn der Wirtschaftsaufschwung weit fortgeschritten ist.

Doch weit gefehlt, wie der enttäuschende Zahlenkranz vom Dienstag zeigt. Nicht nur der Umsatz, auch der operative Gewinn blieb zwischen Januar und März hinter den wenig ambitionierten Analystenerwartungen zurück. Nur allzu verständlich, dass die Börse unterkühlt reagierte und die Aktien mit Kursverlusten abstrafte.

Noch am Abend desselben Tages setzte der für Helvea tätige Markus Mayer die Papiere auf die "Top Picks List". Dass der als profunder Branchenkenner bekannte Analyst dabei unter anderem mit dem spätzyklischen Charakter argumentiert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Darüber hinaus begründet Mayer seine Kaufempfehlung und das optisch hohe Kursziel von 33,50 Franken mit dem Margenverbesserungspotenzial, dem Synergiepotenzial mit Sabic sowie mit der Möglichkeit einer Beteiligungserhöhung durch den saudischen Ankeraktionär.

Kursrückgang der Aktien von Clariant vor und nach der Quartalsergebnispräsentation. (Quelle: cash.ch)

Reagieren konnten die Anlagekunden feiertagsbedingt allerdings erst am gestrigen Donnerstag. Die Reaktion fiel denn auch ziemlich bescheiden aus. Bei Handelsende resultierte gar ein Minus von knapp 2 Prozent.

Das wiederum überrascht, zündete Helvea hierzulande mit der Aufnahme von Aktien auf die "Top Picks List" bei früheren Gelegenheiten doch regelmässig ein Kursfeuerwerk.
 

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